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02.02.2015

10:21 Uhr

Ryanair

Billigflieger in der Ölpreis-Falle

VonTobias Döring

Ryanair-Chef Michael O’Leary spuckt gerne große Töne, jüngst sagte er Konkurrent Lufthansa den Kampf an. Die Zahlen heute zeigen: Er kann es sich leisten. Doch auch der Billigflieger lebt gefährlich.

Ryanair bleibt vorsichtig

Starkes Quartal bei Ryanair - nur ein kurzfristiger Erfolg?

Ryanair bleibt vorsichtig: Starkes Quartal bei Ryanair - nur ein kurzfristiger Erfolg?

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DüsseldorfAuch kurz vor dem 30. Geburtstag von Ryanair im Mai ist Michael O’Leary immer noch omnipräsent. Und das, obwohl der umtriebige Airline-Chef vor gar nicht allzu langer Zeit angekündigt hatte, nicht mehr alles allein machen zu wollen – und verbal abzurüsten. Das daraus nichts geworden ist, wurde unlängst beim Interview mit dem Handelsblatt klar, dort schoss der Ire gewohnt angriffslustig gegen die Lufthansa.

An diesem Montag bleibt festzuhalten: O’Leary kann es sich leisten. Ryanair hat mit der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal die Gewinnprognose angehoben – zum vierten Mal im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende März). Die Fluggesellschaft will nun einen Überschuss von 840 bis 850 Millionen Euro erwirtschaften, ursprünglich war der Billigflieger von rund 250 Millionen weniger ausgegangen.

Auch die Zahlen für die Monate Oktober bis Dezember hielten für Anleger und Investoren viel Positives parat. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 49 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahresquartal von 35 Millionen. Außerdem fliegt Ryanair der Konkurrenz beim Passagierwachstum davon: 20,8 Millionen Menschen beförderten die Iren, ein Plus von 14 Prozent.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Entsprechend gut gerüstet sieht sich die Airline für ihr Jubiläumsjahr 2015. Doch auch die Ryanair-Welt ist nicht rosarot. Denn für den Billigflieger-Krösus lauern Gefahren. Mit Zielen über den März hinaus – bis dahin gilt die Gewinnprognose – ist das Unternehmen daher ungewohnt vorsichtig.

Denn Ryanair wächst vor allem dank niedriger Preise. Gerade einmal 40 Euro betrug der Durchschnittspreis für einen Flug – im Vergleich zum Vorjahresquartal waren das lediglich zwei Prozent mehr. Und das, obwohl Ryanair seit dem vergangenen Jahr die Wandlung vom reinen Billigmodell zum Universal-Billigflieger angeht, der Ferienflieger und Geschäftskunden gleichermaßen umwirbt, Sitzplatzreservierungen eingeführt hat und zentralere Flughäfen anfliegt.

Das alles kostet, doch die Airline spürt davon momentan noch nichts – und hat das zu einem Großteil Saudi-Arabien zu verdanken. Denn das Opec-Mitglied hält die Ölförderung konstant hoch und drückt damit seit Monaten den Ölpreis immer weiter in den Keller. Was anderen Ölstaaten schadet, freut die Airlines, die ihre Maschinen billiger betanken.

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