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06.09.2012

08:06 Uhr

Ryanair-Chef Michael O'Leary

„Flughäfen sollten so sein wie Aldi und Lidl“

VonKatharina Slodczyk

Der Ryanair-Chef erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, dass der Ölpreis verzerrt sei - und sucht Sponsoren für Getränke an Bord. Außerdem erklärt O'Leary, ab wann Ryanair einen Chef braucht, der im Anzug auftritt.

Ryanair Chef Michael O'Leary. Reuters

Ryanair Chef Michael O'Leary.

Michael O'Leary: Sie sind mit Ryanair nach Dublin gekommen, oder? Waren Sie pünktlich?
Handelsblatt: Ja. Und deshalb musste ich mir die grässliche Fanfare anhören, die Ihre Mitarbeiter in diesen Fällen stets spielen.
Michael O'Leary: Na, wenn das alles ist, was Sie an Ryanair stört...

Handelsblatt: Nicht ganz. War nicht ganz billig, der Flug. Sie haben Ihre Preise im Schnitt um 16 Prozent erhöht - wann geht es mal wieder in die andere Richtung?
Wenn die Ölpreise sinken. Es ist unglaublich, wie der Ölmarkt funktioniert. Mit der Wirtschaft geht es abwärts, die Ölpreise steigen aber weiter. Das mit den Ölpreisen ist so ähnlich wie mit der Manipulation des Libor-Satzes. Das ist ein Skandal, an dem sich viele Banken beteiligen.

Sie haben mal zugegeben, dass etwa 70 Prozent dessen, was Sie sagen, Blödsinn ist. Das gehört jetzt dazu, oder?
70 Prozent? Nein, höchstens fünf Prozent von dem, was ich sage, ist Quatsch. Und die restlichen 95 Prozent sind eine brillante Analyse der Lage und eine treffsichere Einschätzung der Zukunft.

Wann geht es also mit den Ticketpreisen wieder runter?
Das hängt von mehreren Dingen ab. Man müsste beispielsweise die Flugaufsicht Eurocontrol mit ihren Dutzenden von Standorten loswerden. Ein Standort würde ausreichen. Die hohen Kosten der Flughafeninfrastruktur spielen bei der Kalkulation der Ticketpreise auch eine Rolle.

Wollen Sie deshalb gleich einen ganzen Flughafen kaufen? Sie haben ja Ihr Interesse an London Stansted bekundet, das der Betreiber aus Wettbewerbsgründen verkaufen muss.
Es geht allenfalls um eine Minderheitsbeteiligung. Man hat uns gefragt, ob wir Teil eines Konsortiums werden wollen, das den Flughafen kauft. Die hätten uns gern mit im Boot, weil wir für etwa drei Viertel des Flugverkehrs in Stansted verantwortlich sind.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Warum würde es für Ryanair Sinn haben, Stansted zu kaufen?
Es hat nicht unbedingt Sinn, wäre aber eine gute Gelegenheit. Denn Flughäfen brauchen ein neues Geschäftsmodell und niedrigere Kosten. Das könnten wir umsetzen. In den vergangenen zehn Jahren wurde Stansted schlecht gemanagt. Die Betreiber haben die Start- und Landegebühren für die Airlines verdoppelt und so kurzfristig die Profitabilität verbessert. Deswegen aber ist das Verkehrsaufkommen um 20 Prozent gesunken.

Wie viel würden Sie dafür zahlen?
So wenig wie möglich. Wir gehen vorsichtig mit dem Geld unserer Aktionäre um.

Was würden Sie in Stansted ändern?
Die Kosten senken. Die Wege für die Passagiere verkürzen, den Flughafen vereinfachen - so ähnlich wie in Frankfurt-Hahn. Fliegen könnte, vor allem auf der Kurzstrecke, so einfach sein. Aber wir nehmen den Passagieren während des Fluges ihre Koffer ab. Das machen Bahngesellschaften nicht. Busse auch nicht. Da müssen sich die Passagiere selbst kümmern. Wir könnten die Abteilung loswerden, die sich um verlorenes Gepäck kümmert, zudem die ganzen Transportbänder, und auch die Flugzeugzugangsbrücken - man kann ja über Treppen ins Flugzeug rein und raus. Flughäfen sollten so sein wie Aldi und Lidl, sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Kommentare (19)

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Alfred_Neumann

06.09.2012, 08:55 Uhr

Im Gegensatz zu O'Leary verdienen Aldi und Lidl Geld. Der vorgebliche "Gewinn" von Ryanair entspricht den Beihilfen die unfähige Provinzpolitiker zahlen. Wenn bald die ersten Ryanair-Flieger wegen Treibstoffmangels vom Himmel fallen, ist es ohnehin mit dem Unfug vorbei.

Account gelöscht!

06.09.2012, 09:15 Uhr

Bisher hatte ich nur gute Erfahrungen mit Ryanair, bin gespannt ob das so bleibt. Vor dem nächsten Flug frage ich erstmal nach der Tankfüllung und in chinesische Flugzeuge steige ich bestimmt nicht ein.

Account gelöscht!

06.09.2012, 09:16 Uhr

Im Gegensatz zu RyanAir muss ich bei Aldi und Lidl aber keine Gebühr fürs Bezahlen zahlen und auch der Einkaufswagen sowie von mir im Geschäft geatmete Lust sind völlig kostenlos.

Bei Ryanair müsste man Gebühren zahlen :((

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