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08.11.2016

16:44 Uhr

Ryanair-Chef O’Leary in der Kritik

„Die prekärsten Arbeitsbedingungen in ganz Europa“

VonJens Koenen

Der Billigflieger Ryanair steuert 200 Millionen Passagiere bis 2024 an. Trotz ehrgeiziger Pläne hagelt es für Airline-Chef O’Leary auch Kritik. Das EU-Parlament und Gewerkschaften monieren umstrittene Arbeitsbedingungen.

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FrankfurtWenn es noch eines Beleges für die Aggressivität von Ryanair bedurft hätte, hat ihn die irische Billig-Fluggesellschaft spätestens an diesem Montag geliefert. Bis zum Jahr 2024 werde die Zahl der beförderten Passagiere auf rund 200 Millionen steigen, prognostizierte Michael O’Leary in seinem Statement für die Investoren. Das sind fast doppelt so viele Fluggäste wie Ryanair im abgelaufenen Geschäftsjahr (rund 106 Millionen Passagiere) transportiert hat.

O’Leary spürt derzeit jede Menge Rückenwind. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende März) hat Ryanair einen Überschuss von 912 Millionen Euro erzielt. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Airline überraschte mit diesen Zahlen, hatte O’Leary doch die eigene Prognose erst im Oktober mit Verweis auf die Schwäche des Pfund-Kurses nach unten revidiert.

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Deshalb blieben auch Analysten eher zurückhaltend bei ihren Vorhersagen. Entsprechend reagierten Investoren auf die guten Zahlen, der Kurs legte am Vormittag um fast fünf Prozent zu. O’Leary zeigte sich sichtlich stolz über die Zahlen und sprach von einer „unglaublichen Entwicklung“ trotz des schwierigen Umfeld mit Flughafenstreiks, Terrorismus und Brexit.

Doch die aggressive Expansion des Billiganbieters provoziert auch wachsenden Gegenwind. Schon länger steht Ryanair wegen der Arbeitsbedingungen unter Beschuss. Die Airline lässt sich unter anderem einen Teil der Piloten von Personaldienstleistern vermittelt. Denen wird vorgeworfen, Steuern zu hinterziehen. Auch bei den Sozialabgaben soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Unter anderem ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz.

Zwar richten sich diese Untersuchungen nicht gegen Ryanair sondern gegen die Dienstleister sowie betreffenden Piloten. Doch der Druck auf Ryanair wächst, diese Praktiken zu beenden. Und nach der Ankündigung der Airline, ab dem Sommerflugplan 2017 auch in Frankfurt starten und landen zu wollen, hat die Kritik massiv zugenommen, die sich nun auch gegen den Flughafenbetreiber Fraport richtet.

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„Durch ihre unfaire Gebührenpolitik bevorzugt Fraport hier massiv einen Wettbewerber gegenüber anderen und zwar ausgerechnet den mit den prekärsten Arbeitsbedingungen in ganz Europa“, wettert Alexander Behrens, Vorstandsvorsitzender der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo.

Ryanair wehrt sich gegen diese Vorwürfe. „Diese Behauptungen der Piloten-Gewerkschaft sind unwahr und sollen von dem Schaden ablenken, die Lufthansa und den Lufthansa-Kunden durch wiederholte Streiks zugefügt werden“, kontert Ryanair-Sprecher Robin Kiely die Aussagen.

Ryanairs Piloten seien entweder direkt bei der Airline oder über das sogenannte „Contractor“-Modell angestellt, wie es auch die Fluggesellschaften Lufthansa, Easyjet, Norwegian, Emirates und Etihad handhaben. „Im Falle von Ryanair ist dies notwendig, da unsere Flotte und Crew im Zuge sich verändernder Flugpläne von Basis zu Basis wechseln. Das Contractor-Modell ist gängige Praxis in der Luftfahrtbranche, und Ryanair verhält sich vollkommen konform mit dem europäischen Arbeitsrecht“, sagt Kiely.

Kommentare (13)

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Herr Percy Stuart

07.11.2016, 14:43 Uhr

Ich vestehe die ganze Diskussion nicht mehr. Genau diejenigen, welche sich jetzt gegen prekäre Beschäftigung, Leiharbeit und miese Arbeitsbedingungen, sowie das Dienstleistungsprekariat aussprechen, - SPD/B90 Grüne - waren es doch, die durch Deregulierung und Privatisierung diese asozialen wirtschaftlichen Verwerfungen, in einer ehemals Sozialen Marktwirtschaft zu verantworten haben. Ich schreibe es immer und immer wieder, solange die SPD nicht zu ihren Parteiwurzeln zurückkehrt, wird sie für Sozialdemokraten mit Charakter und Rückgrat unwählbar bleiben. Es gibt tausende von O'Learys, die mit Geiz ist geil und der Ausbeutung der eigenen Mitarbeiter Reibach machen. Es wird der Tag kommen, an welchem sich die Arbeitnehmer gegen Leiharbeit und Ausbeutung auflehnen werden! Dazu noch die über 5 Mio. Abgehängten und Aussortierten im ALG 1 und der Grundsicherung, bin gespannt, wie die Politik dieses Potenzial der aufgebrachten Wutbürger zukünftig in den Griff bekommen will!

Herr Percy Stuart

07.11.2016, 14:46 Uhr

Oft sind es ja nicht mal die eigenen Mitarbeiter - sondern Leiharbeiter.
Viele Piloten arbeiten über ein Broker, sozusagen die Leiharbeitszuhälter der Cockpitcrews. Die Piloten sind dann beim Broker angestellt, nicht bei Ryanair.
Wahrscheinlich wird es dann beim Kabinenpersonal ähnlich laufen?!

Herr Percy Stuart

07.11.2016, 14:56 Uhr

Ein Bekannter von mir, arbeitet als Flugkapitän bei einem chinesischen Billigflieger.
Auch er ist über einen Broker angestellt, nicht direkt bei der Airline.

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