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17.05.2011

16:20 Uhr

Ryanair feiert sich selbst

„Ausziehen? Ausziehen!“

VonNils Rüdel

Ryanair-Chef Michael O?Leary herzt in Bremen den 60-millionsten Passagier in Deutschland. Es gibt Sprüche, Faxen und eine große Show. Doch es gelingt nur bedingt, die schwierige Lage der Branche wegzulachen.

Ryanair-Boss Michael O'Leary (l.) und Flughafenchef Bula (2.v.r.) mit der Gewinnerfamilie: "Oh, fantastisch". Quelle: Nils Rüdel

Ryanair-Boss Michael O'Leary (l.) und Flughafenchef Bula (2.v.r.) mit der Gewinnerfamilie: "Oh, fantastisch".

BremenDicke Wolken schieben sich über den Himmel, der Westwind peitscht das nasse Rollfeld entlang, es ist viel zu kalt für einen Mai-Tag. Doch Charlotte, 22, und Yvonne, 24, können jetzt nicht schwächeln. Also stehen die blonden Frauen weiter einfach da, mit ihren Bikinis und hochhackigen Pumps. Sie lächeln geduldig, während ringsherum die Kameras klicken.

Dienstagvormittag auf dem Vorfeld des Flughafens Bremen. Der "City Airport Bremen", wie er offiziell heißt, ist ein eher kleiner Verkehrsflughafen, doch heute hat sich hoher Besuch angekündigt: Michael O?Leary, der legendäre Chef des irischen Billigfliegers Ryanair, will gleich den 60-millionsten Passagier in Deutschland herzen.

Und wo O?Leary ist, ist immer was los. Faxen, spärlich bekleidete Frauen, Sprüche ("Die Deutschen werden nackt über Scherben robben, um billig fliegen zu können") - und die Medien. Flughafenchef Jürgen Bula wird nicht enttäuscht werden. Etwas angespannt steht der Manager, Brille, grauer Anzug, grüne Krawatte, nun auf dem Rollfeld vor einer Boeing 737 von Ryanair und wartet auf die Sondermaschine aus Dublin.

Da tänzelt plötzlich ein Mann heran."Hello, hello, sorry", ruft O?Leary. Er trägt Jeans und Turnschuhe, um die Schultern weht die gelb-rote spanische Flagge, unter einem Strohsombrero lugt ein breites Grinsen hervor. "Olé!" Käme er alleine des Wegs und würde er nicht offensichtlich den Flughafenchef kennen, man könnte den Mann von weitem für einen Touristen auf Sangria halten.

Spanien, das soll das Motto sein, weil der Ehrenpassagier da heute hinfliegt und Ryanair außerdem ein paar neue Verbindungen ins Programm genommen hat. Die Flagge, der Hut, es gibt sogar eine Flamenco-Tänzerin mit Kastanietten und einen Gitarrenspieler. Das Problem ist nur, dass man vor lauter Triebwerkslärm und Windböen weder die Kastanietten noch die Gitarre hört, und deshalb wirkt das Paar auch ein bisschen unmotiviert. Spanien scheint in diesem Moment so unendlich weit weg.

Aber O?Leary stört das alles nicht, auch wenn man auch ihn kaum hören kann. Er macht einfach, was er immer macht, wenn Kameras in der Nähe sind: Grimassen schneiden, herumtänzeln, den Clown spielen.

Heute zieht er sogar den Oberkörper blank, als er mitten auf dem Rollfeld sein Hemd gegen ein Werder-Bremen-Trikot tauscht. "Lasst Euch Zeit, ich habe Spaß", ruft er den Fotografen zu, rechts und links die Mädels im Arm. Der 50-jährige, drahtige Mann strotzt vor Selbstbewusstsein. Der Airline-Schreck hat eine umstrittene, aber höchst erfolgreiche Fluglinie hochgezogen, Kritiken prallen einfach an ihm ab. Seine Laune kann nach außen hin nichts erschüttern.

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