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20.09.2012

12:04 Uhr

Ryanair gegen Spanien

O'Learys einsamer Kampf

VonLukas Bay

Mit Angriff kennt sich Ryanair-Chef O'Leary aus, nun muss er lernen sich zu verteidigen. Nach drei Notlandungen in Spanien wehren sich die Iren gegen Sicherheitsbedenken der Behörden - und bekommen jetzt Rückendeckung.

Ryanair-Chef Michael O'Leary muss milde werden. dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary muss milde werden.

DüsseldorfDie Abteilung Attacke ist bei der irischen Billigairline Ryanair Chefsache: Mit seinen markigen Sprüchen greift Ryanair-Chef Michael O'Leary regelmäßig Politiker wie Konkurrenten an. Jetzt muss er lernen, sich zu verteidigen. Seit drei Flugzeuge der irischen Billigairline in Spanien notlanden mussten, befindet sich Ryanair im Kreuzfeuer der Kritik. Spanische Medien machten in den letzten Wochen immer wieder neue Sicherheitsprobleme der Airline öffentlich. Unter anderem wurde kritisiert, dass die die Ryanair-Maschinen zu wenig Treibstoff an Bord hätten.

Am Dienstag fragte sogar die Bild-Zeitung: „Kann ich mit Ryanair noch sicher fliegen?“ Unter anderem waren bei einem Flug von Weeze am Niederrhein nach Mallorca drei Passagiere bei Turbulenzen verletzt worden.

Die Iren fühlen sich ungerecht behandelt. In zwei Briefen an die spanische Verkehrsministerin Ana Pastor Julián macht der Ryanair-Chef seinem Ärger Luft. Darin wirft O'Leary den Spaniern vor, eine „inakzeptable Kampagne“  gegen Ryanair zu führen. Die Airline sei eine der sichersten Europas und halte sich an die gesetzlichen Vorgaben.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Führende Beamte des Ministeriums und der Flugsicherheitsbehörde AESA hätten Informationen über Ryanair gefälscht und den Medien zugespielt. Spanische Zeitungen hatten unter Berufung auf die spanischen Behörden gemeldet, dass es bei Ryanair allein im ersten Halbjahr 2012 genau 1.201 sicherheitsrelevante Vorfälle gegeben hätte. In seinem zweiten Brief vom 17. September verlangt O'Leary, die Vorwürfe zu konkretisieren - und fordert die Entlassung oder Freistellung von Isabel Maestre, der Direktorin der spanischen Flugsicherheitsbehörde AESA.

Für Ryanair ist die Sicherheitsdiskussion pikant, denn in keinem europäischen Land fliegt die Airline mehr Ziele an. Mit 30 Millionen Passagieren im Jahr 2011 ist Ryanair die größte Airline in Spanien.

Trotzdem stößt O'Leary mit seiner Kritik bisher auf taube Ohren. Eine offizielle Reaktion des Ministeriums gibt es bisher noch nicht. Hinter den Kulissen hatten einige spanische Beamte sogar gefordert, Ryanair die Lizenz zu entziehen - und dafür Kritik der Europäischen Kommission einstecken müssen. Fluglizenzen können nur von dem Land entzogen werden, das die Lizenz erteilt hat.

Doch es gibt auch erste Anzeichen der Entspannung: Nach Beschwerden der Spanier habe die irische und spanische Flugsicherheit vereinbart, neue Vorfälle vom 16. September am Flughafen Madrid gemeinsam zu untersuchen. Zudem sollen die Spanier künftig detailliertere Einblicke in den Flugbetrieb von Ryanair bekommen. Selbst Ryanair-Chef O'Leary gab sich zuletzt versöhnlich und begrüßte eine genauere Untersuchung der Vorfälle. Rückendeckung bekommt er von den irischen Flugsicherheit IAA: die größte Airline des Landes sei, was die Sicherheitsvorgaben betrifft, auf einer Stufe mit den sichersten Airlines Europas.

Die größten Märkte für Billigflieger

Platz 10

Portugal – 951 Starts

Mit 166.723 Sitzplätze und 142 Strecken landet Portugal erneut in den Top Ten.

Platz 9

Schweiz – 1020 Starts

Von den drei Schweizer Flughäfen Basel, Genf und Zürich gehen 152 Strecken ab. Die Flugrouten bieten eine Kapazität für 153.047 Passagiere.

Platz 8

Niederlande – 1147 Starts

Mit der französisch-niederländischen Billig-Airline Transavia haben es die Niederlande in die Top Ten geschafft. Sie bedienen 212 Strecken mit 188.917 Sitzplätzen.

Platz 7

Norwegen – 1599 Starts

Die Billigflieger bieten 281.616 Sitzplätze auf 286 Strecken in und von Norwegen. Die meisten gehen mit Norwegian in die skandinavischen Nachbarländer.

Platz 6

Irland - 1865 Starts

Nur auf Platz sechs landet Irland, obwohl mit Ryanair die größte Billigfluglinie Europas auf der Grünen Insel sitzt und auch die einstige Staatslinie Aer Lingus nun als Low-Cost-Gesellschaft firmiert. 213 Strecken bedienen sie zusammen mit der Konkurrenz. Das macht 300.425 Sitzplätze.

Platz 5

Frankreich – 2913 Starts

Die Top Fünf setzen sich mit der Streckenanzahl deutlich von den Verfolgern ab: 551 Strecken gehen ab Frankreich – fast viermal so viel wie vom zehntplatzierten Portugal. 488.567 Sitzplätze bieten die Billigflieger an.

Platz 4

Deutschland – 5119 Starts

Das geografische Zentrum Europas kommt mit eigenen Billigairlines wie Germanwings auf 658 Strecken mit 792.192 Sitzplätzen.

Platz 3

Italien – 6425 Starts

Italien bleibt auf Rang drei: 1,05 Millionen Sitzplätze auf 1001 Strecken. Die italienischen Anbieter wie Meridiana tragen aber nur wenig zur Sitzanzahl bei.

Platz 2

Spanien – 7594 Starts

Für Billigflieger sind vor allem die Sandstrände im Süden ein beliebtes Ziel. 1,37 Millionen Sitzplätze bringen Spanien auf Platz zwei. Von den 1060 Strecken bietet einige die spanischen Airline Vueling an.

Platz 1

Großbritannien – 10.127 Starts

Mit Abstand die Nummer eins der Liste: 1221 Strecken, das sind rund 160 Strecken mehr als beim zweitplatzierten Spanien. Mit 1,42 Millionen Sitzplätzen liegt Großbritannien ebenfalls vor Spanien.

Methodik

Zweimal im Jahr gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Marktanalyse der europäischen Billigflieger heraus. Die Daten beziehen sich auf einer Woche im Sommerflugplan 2013. Als Strecke gelten Hin- und Rückflug einer Verbindung. Sitzplätze sind die verfügbaren Kontingente, nicht die tatsächlichen Passagierzahlen.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

20.09.2012, 12:48 Uhr

Ryanair trickst doch wo es nur geht. Unkundige Passagiere werden "verschaukelt", wenn es um die angeflogenen Flughäfen geht. So versteht Ryanair z.B. den Flughafen Hahn als Frankfur am Main, obwohl dieser ca. 2 Stunden Busfahrt von diesem entfernt liegt. Ryanair zockt dann Gebühren für Check-In, Flughafen-Transfer, Essen, etc. pp bei den Passagieren ab. Unter dem Strich ist Ryanair, wenn man alle Gebühren und die verlorene Zeit und den Ärger zusammenzählt deutlich teurer als jede renommierte Airline, wie z.B. die Lufthansa.

Wer trotzdem mit Ryanair fliegt, sollte sich auch nicht wundern, wenn an der Sicherheit gespart wird.

flixxx

20.09.2012, 13:29 Uhr

Ryanair ist eine tolle Airline. Und o´Leary ein klasse Typ. Ryanair zockt nicht ab, es ist das Prinzip nur für das zu bezahlen was man in Anspruch nimmt. Der Mann hat Ideen und übergeht Denkverbote. Nur solche Menschen bringen uns alle vorran. Wenn man hinschaut was man bucht, weiß man im übrigen auch wo man landet.

Vielflieger

20.09.2012, 13:38 Uhr

Was ein Schwachsinn von einem der bestimmt nie mit Ryanair geflogen ist. Fliegen sie mal mit American Airlines oder mit dem Businessservice der Lufthansa nach Wien, da tropft der Sprit aus dem Tank. Nichts für ängstliche Mitbürger. Oder noch schlimmer, türkische Airlines - das ist Kamikaze. Ohne Ryanair könnte ich nicht mehr so viel fliegen. 35 Euro hin und zurück nach Venedig -nur Handgepäck - zeigen sie mir wie sie das mit Lufthansa oder einer anderen Airline hinkriegen. Ryanair ist der ALDI der Airlines.

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