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29.01.2017

12:35 Uhr

Ryanair und Co.

Billig-Airlines machen mit Zusatzgebühren Kasse

Flugtickets werden zunehmend allein über den Preis verkauft. Die Airlines haben ihre Dienstleistung zerlegt und nahezu alle Extras gestrichen. Nun halten sie für jede Annehmlichkeit die Hand auf.

Viele Airlines machen längst über kostenpflichtige Dienstleistungen Kasse die zum nackten Ticketpreis hinzu kommen. dpa

Zusatzkosten

Viele Airlines machen längst über kostenpflichtige Dienstleistungen Kasse die zum nackten Ticketpreis hinzu kommen.

Frankfurt/MainNahezu jeder Passagier hat es schon einmal erlebt: Am Ende des Buchungsprozesses ist die Flugreise doch deutlich teurer geworden als zunächst angenommen, nur weil man beispielsweise einen Koffer aufgeben, etwas trinken und neben seinem Partner sitzen wollte. Die Billigflieger haben es vorgemacht, längst haben die etablierten Airlines nachgezogen, wenn es darum geht, dem Fluggast neben dem nackten Ticketpreis zusätzliche kostenpflichtige Dienstleistungen zu verkaufen. Freigepäck und freie Platzwahl gehören auf den allermeisten Flügen längst der Vergangenheit an.

Die Gegenwart heißt Zusatzeinnahmen, die für die Airlines immer wichtiger werden. Ihre Passagiere wollen sie dazu bringen, die Services möglichst vor Flugantritt online zu bestellen. Die Beratungsgesellschaft Idea Works rechnet seit Jahren im Auftrag des Mobilitätsdienstleisters Car Trawler akribisch nach, wie viel Geld die Passagiere auf ihren Flugreisen tatsächlich ausgeben und welche Airlines davon besonders profitieren.

Die Geschäftsberichte von 135 Fluggesellschaften für das Jahr 2015 wurden ausgewertet, rund die Hälfte (67) nannte detaillierte Zahlen zu den Extra-Einnahmen. Sie erlösten 40,5 Milliarden US-Dollar zusätzlich, rund 8,7 Prozent ihres Gesamtumsatzes.

Mit fast 52 Dollar pro Passagier war der US-Billigflieger Spirit im Jahr 2015 Weltmeister der Zusatzeinnahmen. Fast die Hälfte seines Umsatzes (43 Prozent) macht der Billigheimer aus Florida mit den zusätzlichen Gebühren. Im radikalen Spirit-Konzept „Bare Fare“ (Nackter Preis) gibt es den Transport von A nach B und einen zugeteilten Sitz. Bereits das Handgepäck kostet extra, ohne dass dies die Passagiere besonders zu stören scheint. Spirit hat seine Passagierzahlen von 5,5 Millionen im Jahr 2008 auf 18 Millionen im Jahr 2015 gesteigert.

Was Fluggesellschaften am Frankfurter Flughafen zahlen müssen

Passagiergebühren

Relativ schlicht sind noch die pauschalen Gebühren pro Passagier. Sie bemessen sich nach der Zahl der beim Start an Bord des Luftfahrzeugs befindlichen Fluggäste.

Abstellentgelt

Zusammen mit den Passagiergebühren macht das Abstellentgelt pro Flugzeug den Löwenanteil der Gebühren aus. Je länger und je näher am Terminal der Jet parkt, desto teurer wird es.

Sicherheitsentgelt

Das Sicherheitsentgelt für die Zugangskontrollen wird pauschal pro Passagier oder Frachteinheit (100 Kilogramm) erhoben.

Schallschutzentgelt

Ein geringer Anteil entfällt auf die direkten Schallschutzentgelte, bei denen auch berücksichtigt wird, wie laut das jeweilige Flugzeug tatsächlich ist.

Start- und Lande-Entgelt

Der Lärm-Faktor spielt auch bei den eigentlichen Start- und Lande-Entgelten eine nun noch mal verstärkte Rolle. Dazu hat Fraport die Flugzeuge in 16 Lärmkategorien eingeteilt und misst die Lärmpegel jeder Flugbewegung. Mit dem Modell sollen die Airlines zum Einsatz moderner und leiser Maschinen bewegt werden.

Die von Ryanair ausschließlich verwendeten Boeing 737-800 werden unter der vergleichsweise leisen Kategorie 4 gefasst. Mit speziellen Wirbelgeneratoren können die gleich großen Airbus A 320 der Lufthansa noch leiser in der Kategorie 3 starten und landen.

Dafür sind die Gebühren da

Fluggesellschaften müssen für die Nutzung des Frankfurter Flughafens ein Entgelt bezahlen, das aus mehreren Komponenten besteht und nach unterschiedlichen Kriterien abgerechnet wird. Die Einnahmen sollen ausschließlich zur Refinanzierung der Infrastruktur, den dazugehörigen Dienstleistungen sowie für den gesetzlichen Schallschutz dienen. Die Gesamtsumme setzt sich grob aus fünf Einzelteilen zusammen, wie der Betreiber Fraport erläutert.

Schon auf Platz 2 des Pro-Kopf-Rankings findet sich mit Jet2.com die erste europäische Airline, die mit 29,4 Prozent deutlich mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit den Zusatzgebühren macht. 50,84 Dollar gaben die knapp 6 Millionen Kunden des britischen Ferienfliegers im Schnitt zusätzlich aus. In dem Report finden sich weitere imposante Zahlen: So hat der US-Billigflieger Allegiant mehr als 450.000 Hotelzimmer und mehr als 1,2 Millionen Mietwagenverträge vermittelt. Qatar Airways hat nach eigenen Angaben mehr als eine halbe Milliarde Dollar mit dem Verkauf zollfreier Waren erlöst.

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