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21.01.2010

15:23 Uhr

Ryanair und Co.

Billigflieger jagen großen Airlines die Firmenkunden ab

VonJens Koenen

Billig-Airlines sind das große Phänomen der Luftfahrtbranche im Jahr 2009. Anstatt wie erwartet einzuknicken, legten viele der Low-Cost-Flieger nochmals zu. Der Grund dafür waren überraschenderweise die Firmenkunden. Sie liefen zu den günstigeren Anbietern über.

Zusammen mit Konkurrent Easyjet beförderte Ryanair 2009 zusammengenommen 7,7 Porzent mehr Passagiere als noch ein Jahr zuvor. ap

Zusammen mit Konkurrent Easyjet beförderte Ryanair 2009 zusammengenommen 7,7 Porzent mehr Passagiere als noch ein Jahr zuvor.

FRANKFURT. Die Billigflieger (Low-Cost-Carrier) haben trotz Krise ihre Passagierzahlen 2009 deutlich steigern können. So beförderten Ryanair und Easyjet zusammengenommen 7,7 Prozent mehr Passagiere. Dagegen verzeichnete die Deutsche Lufthansa einen Passagierrückgang um 2,6 Prozent, Air France kam bis Dezember auf Minus 5,1 Prozent und British Airways auf minus 3,6 Prozent.

Erst am Donnerstag hat Easyjet mit den neuesten Zahlen noch einmal den Beweis geliefert: In den Monaten Oktober bis Dezember legte hat der Billigflieger bei Fluggästen und Umsatz trotz wetterbedingter Flugausfälle deutlich zu. Die Zahl der Passagiere wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,1 Prozent auf elf Millionen. Auch die Auslastung der Flieger verbesserte sich um 2,4 Prozentpunkte auf 85,8 Prozent.

"Das ist das große Phänomen des Jahres 2009. Viele glaubten, die Billig-Airlines würden in der Krise stark leiden, weil sie so stark von den Privatkunden abhängig waren. Am Ende haben sie aber vom Kostenbewusstsein vor allem der Firmen massiv profitiert", sagt Tanja Wielgoß, Luftfahrt-Expertin der Beratungsgesellschaft AT Kearney. Der Trend werde sich auch nach der Krise fortsetzen, wenngleich nicht im gleichen Tempo.

Damit werden die Low-Cost-Anbieter zu einer wachsenden Herausforderung für die großen Airlines. Der mehrjährige Trend zeigt die gegenläufige Entwicklung der beiden Geschäftsmodelle. Getrieben wird das durch zwei Trends. Zum einen haben Ryanair und Co. massiv expandiert, mit neuen Flugzeugen und Strecken. Zum anderen leiden Airlines wie Lufthansa unter der Zurückhaltung der Geschäftskunden, mit denen sie ihre Erlöse einfliegen. So ist die Zahl der Premiumkunden nach Angaben der Weltluftfahrtorganisation IATA im November 2009 erneut um 6,7 Prozent gesunken.

"Bemerkenswert ist, dass die Low-Cost-Carrier gerade bei den wichtigen Geschäftskunden deutliche Zugewinne verzeichnen. Hierin besteht die eigentliche Gefahr für die großen Linien-Fluggesellschaften", sagt Wielgoß. Die großen Anbieter müssten dringend reagieren, noch näher an die Geschäftskunden rücken als bisher. "Es kann zum Beispiel nicht sein, dass Geschäftsleute, die Economy fliegen, auf der Kurzstrecke keine Möglichkeit haben, notfalls gegen Bezahlung ein Brötchen zur Stärkung zu bekommen", sagt die Beraterin. Auch neue Dienstleistungen seien gefragt. Eine sei eine gezielte Reservierung der Sitzplätze an den Notausstiegen, die mehr Platz böten und deshalb mehr kosten dürften. Selbst ungewöhnliche Ideen seien gefragt. "Warum nicht gestressten Eltern ein Großeltern-Abo mit Bring- und Hol-Service zum und vom Flughafen anbieten", schlägt Wielgoß vor.

Kommentare (2)

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@rt

21.01.2010, 17:56 Uhr

Die beraterin soll vielleicht auch ein paar billigairlines ausprobieren, bevor sie die "Ergebnisse" der "Analyse" publik macht. Fakt ist, dass die Ryanairs und Easyjets haben zugelegt, auch bei Geschäftskunden, aber vor allem bei denen, die früher überhaupt kein budget fürs Fliegen hatten. Die haben sich früher auf vielleicht Auto/Zug oder nur ein paar Reisen pro Jahr beschränkt, wo sie aber jetz mit den Angeboten der billigairlines öfter (auch wenn nicht ganz so bequem) wegkommen können.

Die meisten Firmen-Reisebüros können nicht mal ein Ryanairticket buchen, es war lange auch sogar der Fall für Germanwings. Der Reisende müsste es selbst buchen und das Geld selbst vorstrecken.

Einige Destiantionen sind durchaus möglich zu bewältigen für einen businessreisenden mit billigairlines, aber in vielen (meisten) Fällen stehen die Transferstrecken/Zeiten und die damit verlorerne Flexibilität und Arbeitszeit nicht in Relation zu dem Ersparnis.

Die Wahrheit liegt in dem, dass viele Grosskonzerne Reisen gestrichen haben und/oder komplett die business Class vom Programm gestrichen haben, es wird einfach nicht so leichtsinnig kreuz und quer geflogen wie früher, und nicht in dem Umstieg auf billigairlines (abgesehen vom Airberlin / Germanwings).

Michael Schneider simcons.de

22.01.2010, 11:28 Uhr

Fakt ist, dass Preis schon immer - und in Krisenzeiten wie jetzt besonders - das zentrale Entscheidungsmerkmal im Aviation bereich war. Dies liegt vor allem am nach wie vor eingeschränkten Wettbewerb sowie vielen marktbeherrschenden Marktteilnehmern (Ölkonzerne, GDS, Flughäfen etc.). Somit ist die Frage in allererster Linie eine der internen Kostenstruktur sowie Produktionseffizienz und nicht ob eine Airline den Low Cost- oder den Traditions-Airlines zugerechnet wird. Dies soll nicht heissen, dass etliche Traditions Airlines nicht bedeutende Hausaufgaben bezüglich ihrer Kostenstruktur hätten. Das haben aber einige Low Cost Airlines ebenfalls - und erhebliche Produktmängel aus Sicht von Geschäftsreisenden.

Wir müssen hier allerdings unterscheiden: Zunehmend entscheidet ja nicht der Geschäftsreisende sondern seine Firma, die das Ticket bezahlt, mit welcher Airline geflogen werden soll.

Somit werden die Airlines, die ein angemessenes Geschäftsreise-Produkt zu einem angemessenen Preis anbieten, gewinnen und die, die auf der Produkt- und/oder Preisseite Fehler machen vom Kunden abgestraft. Dies allerdings ist eien Wahrheit, die in fast allen industriezweigen gilt.

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