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25.07.2016

10:14 Uhr

Ryanair und der Brexit

Gewinnmaschine in ungewohnten Turbulenzen

VonCarsten Herz

Da wird selbst Ryanair-Chef Michael O'Leary kleinlaut: Europas größter Billigflieger sieht angesichts von Brexit und Terrorgefahr das Gewinnziel in Gefahr. Die gesamte Branche steht vor unsicheren Monaten.

Der irische Billigflieger hält ein Senkung der Gewinnprognose für möglich. dpa

Ryanair-Jet im Anflug auf Berlin

Der irische Billigflieger hält ein Senkung der Gewinnprognose für möglich.

LondonMichael O’Leary ist für seine Sprüche berüchtigt. Doch diesmal sind es ungewohnt zurückhaltende Töne, die der Vorstandschef von Europas größter Billigairline Ryanair anschlägt. Der bevorstehende Ausstieg der Briten aus der EU könnte das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr zu einer Senkung seiner Gewinnprognose zwingen, kündigte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Montag an.

Nach wie vor gehe das Unternehmen davon aus, dass der Überschuss im bis Ende März 2017 laufenden Geschäftsjahr um etwa 13 Prozent auf die Rekordhöhe von 1,38 bis 1,43 Milliarden Euro zulegen werde. Allerdings gebe es nach dem Votum in Großbritannien für einen EU-Austritt signifikante Risiken für diese Vorhersage, so O'Leary. Womöglich müsse die Prognose im weiteren Jahresverlauf kassiert werden, aktuell gebe es dafür aber noch keinen Anlass.

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Der Brexit, Terror und wachsende Unsicherheit lassen Europas zweitgrößten Billigflieger Easyjet skeptisch in die Zukunft schauen. Auch die Lufthansa wird vorsichtig. Die Luftfahrtbranche kippt unsanft aus Wolke sieben.

Die Gewinnmaschine gerät in ungewohnte Turbulenzen: Der Billigflieger aus Irland, der zuletzt von Rekordergebnis zu Rekordergebnis eilte, wird damit bei seinem Ausblick deutlich vorsichtiger – und reiht sich so in eine wachsende Zahl von Airlines wie Lufthansa und Easyjet ein, die mit Skepsis in die nahe Zukunft blicken.

Zuletzt haben Terroranschläge in Europa, ein bröckelndes Pfund sowie die Streiks der Fluglotsen in Frankreich immer mehr Reisende davon abgehalten, ein Flugzeug zu besteigen. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bis Ende Juni musste Ryanair die Flugtickets bereits im Schnitt um zehn Prozent billiger abgeben als im Vorjahreszeitraum – ein Trend, der sich in der Hauptreisesaison nach Ansicht der Iren fortsetzen wird.

Von Juli bis September dürften die Ticketpreise im Schnitt mindestens sechs Prozent niedriger liegen als ein Jahr zuvor, sagt Ryanair nun voraus. Dank eines ausgeweiteten Flugangebots wuchs der Umsatz jedoch im ersten Quartal um zwei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der billigere Treibstoffpreis und weitere Einsparungen ließen den Gewinn um vier Prozent auf 256 Millionen Euro steigen.

Doch die Brexit-Entscheidung in Großbritannien werde mindestens bis 2017 den Druck auf die Ticketpreise erhöhen und könnte auch Auswirkungen auf das Geschäft der Iren auf der Insel haben, wie Ryanair warnte. Im Winterflugplan werde Ryanair bereits Kapazitäten und Frequenzen an seinem wichtigsten britischen Flughafen London-Stansted reduzieren.

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