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21.03.2013

09:36 Uhr

Ryanair und die Champions League

Der Nicht-so-billig-Flieger

VonTobias Döring

Günstig mit dem irischen Billigflieger zum Champions-League-Viertelfinale nach Malaga? Dachten sich am Mittwoch viele Dortmund-Fans. Doch das vermeintliche Schnäppchen entpuppte sich als Luftnummer.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Der Billigflieger versteht es, sich mit markigen Sprüchen zu verkaufen. dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Der Billigflieger versteht es, sich mit markigen Sprüchen zu verkaufen.

DüsseldorfRyanair-Chef Michael O’Leary versteht es, sich zu inszenieren. Bei Presseterminen ist O’Leary der Spaßmacher vom Dienst. Um die Fotografen glücklich zu machen, schmeißt sich der Ire auch mal aufs Treppengeländer und mimt ein Flugzeug. Die schreibende Zunft verzückt der knallharte Manager gleichermaßen mit flotten Sprüchen und derben Zitaten.

Seinen Stil hat O’Leary auch seiner Fluggesellschaft verschrieben: Ryanair versteht es, sich mit markigen Aktionen zu verkaufen. Öffentlichkeitswirksame Angebote wie 100.000 Flüge zu je 12,99 Euro – ohne Steuern und Gebühren versteht sich – sind keine Seltenheit. Europas größter Billigflieger will weiter wachsen, die Sitze müssen gefüllt werden.

Doch so wie O’Leary manchmal bei seinen Sprüchen daneben greift, entpuppt sich auch manches vermeintliches Schnäppchen der Airline als Luftnummer. Das mussten jetzt auch die Fans von Borussia Dortmund feststellen. Am 3. April tritt der Deutsche Fußballmeister im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals beim spanischen Klub FC Malaga an. Tausende Anhänger werden nach Andalusien aufbrechen.

Die Flüge waren rar und schnell ausgebucht. Kaum eine Fluggesellschaft hat einen Direktflug aus dem Westen Deutschlands nach Malaga im Programm. Umso mehr freuten sich am Mittwochnachmittag die Dortmund-Fans, dass Ryanair verkündete: „Borussia Dortmund Fans fliegen mit Ryanair günstig zum Champions League Viertelfinale“.

Die größten Märkte für Billigflieger

Platz 10

Portugal – 951 Starts

Mit 166.723 Sitzplätze und 142 Strecken landet Portugal erneut in den Top Ten.

Platz 9

Schweiz – 1020 Starts

Von den drei Schweizer Flughäfen Basel, Genf und Zürich gehen 152 Strecken ab. Die Flugrouten bieten eine Kapazität für 153.047 Passagiere.

Platz 8

Niederlande – 1147 Starts

Mit der französisch-niederländischen Billig-Airline Transavia haben es die Niederlande in die Top Ten geschafft. Sie bedienen 212 Strecken mit 188.917 Sitzplätzen.

Platz 7

Norwegen – 1599 Starts

Die Billigflieger bieten 281.616 Sitzplätze auf 286 Strecken in und von Norwegen. Die meisten gehen mit Norwegian in die skandinavischen Nachbarländer.

Platz 6

Irland - 1865 Starts

Nur auf Platz sechs landet Irland, obwohl mit Ryanair die größte Billigfluglinie Europas auf der Grünen Insel sitzt und auch die einstige Staatslinie Aer Lingus nun als Low-Cost-Gesellschaft firmiert. 213 Strecken bedienen sie zusammen mit der Konkurrenz. Das macht 300.425 Sitzplätze.

Platz 5

Frankreich – 2913 Starts

Die Top Fünf setzen sich mit der Streckenanzahl deutlich von den Verfolgern ab: 551 Strecken gehen ab Frankreich – fast viermal so viel wie vom zehntplatzierten Portugal. 488.567 Sitzplätze bieten die Billigflieger an.

Platz 4

Deutschland – 5119 Starts

Das geografische Zentrum Europas kommt mit eigenen Billigairlines wie Germanwings auf 658 Strecken mit 792.192 Sitzplätzen.

Platz 3

Italien – 6425 Starts

Italien bleibt auf Rang drei: 1,05 Millionen Sitzplätze auf 1001 Strecken. Die italienischen Anbieter wie Meridiana tragen aber nur wenig zur Sitzanzahl bei.

Platz 2

Spanien – 7594 Starts

Für Billigflieger sind vor allem die Sandstrände im Süden ein beliebtes Ziel. 1,37 Millionen Sitzplätze bringen Spanien auf Platz zwei. Von den 1060 Strecken bietet einige die spanischen Airline Vueling an.

Platz 1

Großbritannien – 10.127 Starts

Mit Abstand die Nummer eins der Liste: 1221 Strecken, das sind rund 160 Strecken mehr als beim zweitplatzierten Spanien. Mit 1,42 Millionen Sitzplätzen liegt Großbritannien ebenfalls vor Spanien.

Methodik

Zweimal im Jahr gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Marktanalyse der europäischen Billigflieger heraus. Die Daten beziehen sich auf einer Woche im Sommerflugplan 2013. Als Strecke gelten Hin- und Rückflug einer Verbindung. Sitzplätze sind die verfügbaren Kontingente, nicht die tatsächlichen Passagierzahlen.

Doch beim Blick auf die Buchungs-Webseite folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. Ganze 287,97 Euro sollte der Spaß kosten. Mittwoch um 10.20 Uhr von Weeze am Niederrhein hin, Donnerstag um 13.10 Uhr von Malaga zurück. Wahrlich kein Schnäppchen des Billigfliegers. Ryanair biete die niedrigsten Preise auf der Verbindung und sei auf der Strecke 30 Prozent günstiger als der niederländische Konkurrent Transavia, teilte Kommunikationschef Robin Kiely auf Anfrage von Handelsblatt Online mit.

Nur blöd, dass die Fluggesellschaft Transavia am besagten 3. April keinen Flug von Weeze nach Malaga mehr anbietet. Zudem versteckten sich hinter den groß angekündigten „zusätzlichen Flügen“ von Ryanair exakt zwei. Neben dem Weeze-Flieger geht ein weiterer direkt aus Dortmund. Diese Verbindung ist nicht einmal unter 300 Euro zu haben. So wurden zwei Zusatzmaschinen als Ticket-Schnäppchen verkauft, das sie nicht sind.

O’Leary in Dortmund: Der Retter kommt mit Ryanair

O’Leary in Dortmund

Der Retter kommt mit Ryanair

Michael O’Leary ist für die einen ein Messias, für die anderen ein rotes Tuch.

Flugreisende sollten bei Ryanairs Preisen ohnehin genau hinschauen. Am Mittwoch erst wurde der Billigflieger in den Niederlanden wegen unklarer Preisangaben bei Online-Buchungen mit einer Strafe in Höhe von 370.000 Euro belegt. Im Netz angebotene Flugpreise hätten nicht alle absehbaren und unvermeidlichen Kosten wie Gebühren und Zuschläge enthalten, so die Verbraucherschutzbehörde. Letztendlich sei der Flugpreis oft höher gewesen, als gedacht. Ryanair will in Berufung gehen.

Günstiger als mit den Iren kommen Dortmund-Fans in diesem Fall aber in der Tat nicht mehr nach Malaga. Vom Flughafen Düsseldorf geht noch ein Flug mit Air Berlin: für mehr als 550 Euro hin und zurück.

Kommentare (18)

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21.03.2013, 10:07 Uhr

Wenn überhaupt, schaue ich mir Fußball im Fernsehen an. Und für solche Beträge (Flug Air Berlin € 550,--) mache ich lieber eine ganze Woche Urlaub.

EuropaBilligWieNieZuvor

21.03.2013, 10:13 Uhr

Spaß mit Werbung, denn Werbung macht Spaß. Wer in der Tat den vollen Durchblick hat, fliegt günstiger, aber nicht immer billiger. Entscheidend hier, der Ausgangspunkt der Reise mit dem Flieger beinhaltet weniger die An- und Abfahrtskosten zu und von den Flughäfen. Wer das nicht einrechnet, bekommt vom Pokal nur die Hälfte mit, manchmal auch im Fernsehen.

Wofür steht GEZ laut Werbung, richtig: Gebühren schon gezahlt. Frei diesem Motto sind wir zu Hause auch nicht besser dran. Richtig fliegen bleibt einmal mehr eine Angelegenheit von Abgehobenen.

Account gelöscht!

21.03.2013, 10:31 Uhr

Ryanair ist schon lange keine Option mehr für mich. Ich will gar nicht mehr wissen, für wie wenig sie einen Flug anpreisen, der dann nach endlosem Online-Gehacke ein mehrfaches kostet.
Genauso geht mir die Dummwerbung vom "Blödmarkt" auf den Geist. Bei denen kauf ich einfach nicht mehr ein, egal wie blöd sie sind.
Fazit: Dumme Werbung generiert dumme Kunden. Ohne Spaß!!!

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