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26.10.2013

16:22 Uhr

Samstagseinkäufe

Warnstreiks bei Karstadt haben kaum Auswirkungen

Zweiter Warnstreik-Tag bei Karstadt: Erneut machen hunderte Mitarbeiter ihrem Ärger Luft. Die Beeinträchtigungen für die Kunden halten sich jedoch nach Angaben des Unternehmens in Grenzen.

Streik vor einer Karstadt-Filiale in Hannover: Kämpfen für die Tarifbindung. dpa

Streik vor einer Karstadt-Filiale in Hannover: Kämpfen für die Tarifbindung.

Essen/BerlinHunderte Karstadt-Mitarbeiter haben am Samstag den zweiten Tag in Folge die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben des Unternehmens blieben die Beeinträchtigungen wie am Vortag aber gering. Bundesweit hatten alle Filialen pünktlich geöffnet, wie ein Karstadt-Sprecher sagte. „Die Beeinträchtigungen waren heute noch geringer als am Freitag.“

Vom frühen Morgen an standen die Mitarbeiter in Hamburg vor den Eingängen der Warenhäuser. Insgesamt rechnete die Gewerkschaft Verdi in der Hansestadt mit rund 550 streikenden Karstadt-Mitarbeitern, wie Sprecher Arno Peukes sagte. Gegen Mittag gingen die Beschäftigten aus Hamburg dann zum Jungfernstieg, um dort gemeinsam mit ihren Kollegen aus Flensburg demonstrieren.

Im Zuge des Warnstreiks sei es „schon zu Beeinträchtigungen gekommen“, sagte Peukes. So sei am Freitag und Samstag ein Kaufhaus im Stadtteil Bergedorf geschlossen worden. Zudem hätten sich Kunden teilweise auf längere Wartezeiten an den Kassen und bei Beratungen einstellen müssen. Eine erste Streikwelle am Freitag hatte nach Angaben des Unternehmens nur geringe Beeinträchtigungen im Verkauf zur Folge.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Auch in Berlin traten rund 400 Karstadt-Mitarbeiter am zweiten Tag in Folge in den Warnstreik. Die Beschäftigen versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben im Verdi-Haus am Ostbahnhof. Es seien noch weitere Streiks geplant, gab Verdi-Fachbereichsleiterin Erika Ritter bekannt. Den Zeitpunkt ließ sie offen, damit der Arbeitgeber sich nicht vorbereiten könne.

Der Hintergrund der bundesweiten Warnstreiks: Verdi will Karstadt zur Rückkehr in die Tarifbindung zwingen, nachdem das Unternehmen im Mai einseitig eine „Tarifpause“ verkündet hatte. Außerdem fordert die Gewerkschaft einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag für die rund 20 000 Beschäftigten. Erste Gespräche zwischen den Tarifparteien waren ergebnislos geblieben. Doch sollen die Verhandlungen am 11. November mit einem mehrtägigen Gesprächsmarathon fortgesetzt werden.

Von

dpa

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