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11.05.2015

18:57 Uhr

Sanierung

Fünf weitere Karstadt-Warenhäuser schließen

Fünf Filialen des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt stehen wohl vor dem Aus. In den Filialen in Bottrop, Dessau, Recklinghausen, Neumünster und Mönchengladbach Rheydt waren die Umsätze zuletzt rückläufig.

In fünf Karstadt-Warenhäusern gehen demnächst endgültig die Lichter aus. dpa

Karstadt

In fünf Karstadt-Warenhäusern gehen demnächst endgültig die Lichter aus.

DüsseldorfKarstadt-Chef Stephan Fanderl will weitere Filialen schließen, um den angeschlagenen Essener Warenhauskonzern zu sanieren. Der Aufsichtsrat der Karstadt Warenhaus GmbH soll an diesem Dienstag das Ende für fünf Warenhäuser im Jahr 2016 beschließen, erfuhr das Handelsblatt (Dienstagsausgabe) aus Karstadt-Kreisen. Die Mitarbeiter der fünf Standorte sollten noch am Montagabend informiert werden.

Dabei handelt es sich um die Filialen in Bottrop und Dessau (Schließung zum 31. März 2016) sowie in Recklinghausen, Neumünster und Mönchengladbach Rheydt (Schließung zum 30. Juni 2016). Insgesamt sind 477 Mitarbeiter betroffen; davon 110 in Recklinghausen, 85 in Bottrop, 90 in Dessau, 95 in Neumünster und 97 in Mönchengladbach Rheydt. Der Konzern wollte sich offiziell nicht dazu äußern.

Sechs Gründe für den Niedergang der Warenhäuser

Hintergrund

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist neben Kaufhof die letzte große ihrer Art in Deutschland. Der Niedergang der traditionellen Warenhäuser hat diverse Gründe. Ein Überblick.

Sortiment

Vor allem ab Mitte der 1960er Jahre gab es nach Erkenntnissen des Handelsverbands zunehmend Probleme für Warenhäuser. Ein Grund war der Zuwachs an neuen Fachgeschäften, die sich auf Waren spezialisiert hatten und den Kunden mehr Vielfalt bieten konnten.

Preis

Größere Fachhändler haben nicht nur Vorteile durch mehr Facetten eines Produkts, sie können es in der Regel auch günstiger anbieten. Gerade Textil-Discounter machten dem Warenhaus, das stark durch sein Modesortiment geprägt ist, zuletzt das Leben schwer.

Onlinegeschäft

Hinzu kommt der Internethandel, der auch anderen Einzelhändlern zunehmend das Wasser abgräbt. Während die meisten Online-Anbieter im vergangenen Weihnachtsgeschäft zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, schrumpften die Verkäufe von Karstadt über das Internet.

Infrastruktur

Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sieht auch einen Grund in mangelhafter IT-Infrastruktur. Dadurch sei die Steuerung der Warenbestände erschwert worden. Warenhäuser wüssten dadurch nicht: Was verkauft sich gut, was nicht?

Investitionsstau

Branchenkenner sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Soviel Geld wäre nach seiner Auffassung nötig, um Karstadt zukunftsfähig auszurichten.

Servicekultur

Alltägliche Ware zu alltäglichem Service – so beschreibt Branchenkenner Funder das Warenhaus. Innovationen, die den Einkauf für Kunden zum Erlebnis machten, gebe es dort nicht mehr.

Damit schrumpft Karstadt inklusive der Warenhäuser in Hamburg Billstedt und Stuttgart, die bereits zum 30. Juni dieses Jahres schließen, im Zuge der Sanierung von 83 auf 76 Warenhäuser. Bei den fünf nun betroffenen Standorten handelt es sich nach Handelsblatt-Informationen um solche, deren Umsätze seit Jahren zurückgehen und die keine Chance mehr auf den Turnaround haben. Zudem sei in den jeweiligen Städten sowohl die Bevölkerungsentwicklung als auch die Kaufkraft rückläufig, hieß es.

Von

luki

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