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16.05.2015

17:37 Uhr

Sanierung

Karstadt setzt auf Partner und breiteres Warenangebot

Karstadt-Chef Stephan Fanderl erklärt seine Sanierungspläne in einem Brief an die Mitarbeiter - und kündigt Suche nach Partnern für die Verbreiterung des Sortiments zu suchen.

Eine Karstadt-Filiale in Dortmund dpa

Eine Karstadt-Filiale in Dortmund

FrankfurtKarstadt-Chef Stephan Fanderl will den angeschlagenen Warenhauskonzern mit Hilfe von Partnern und einem breiteren Angebot auf Kurs bringen. "Sich aus immer mehr Warengruppen zurückzuziehen, ist keine Warenhaus-Antwort", erklärte Fanderl in einer Mitteilung an die Mitarbeiter, die der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag vorlag. Das Sortiment werde breiter werden. "Das heißt aber nicht, dass wir alles selbst machen, sondern dass wir uns leistungsfähige Partner suchen." Diese Partner müssten führend in ihrem Bereich sein. Das Lebensmittelgeschäft und die Gastronomie "müssen wir auf Rendite trimmen". Zudem seien dort neue Konzepte notwendig, die die Kunden in die Filialen lockten. Über die Mitteilung hatte zuvor auch die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet.

Eine stärkere Rolle soll künftig das Management der einzelnen Häuser spielen. "Wir setzen ganz klar auf unsere Stärken im jeweiligen Haus. Dort sitzen die Erfahrung und das Wissen über unsere lokalen Kunden", erklärte Fanderl, der den Kaufhof -Konkurrenten seit einem halben Jahr führt. Kritiker hatten wiederholt moniert, die Karstadt-Zentrale gebe zu viel vor und lasse den Warenhäusern vor Ort zu wenig Entscheidungsspielraum.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Karstadt habe "in den letzten Jahren massiv Geld verloren", erklärte Fanderl. Doch der Warenhauskonzern habe in seiner 134-jährigen Geschichte zahlreiche Krisen überlebt. "Wir sind noch immer da. Der gesunde Kern von Karstadt ist verdammt stark." Es seien allerdings schmerzhafte Einschnitte nötig, erklärte der Karstadt-Chef. Am Dienstag hatte Karstadt angekündigt, weitere fünf Warenhäuser zu schließen.

Von

rtr

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