Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.10.2015

11:31 Uhr

Sanierung kommt voran

Karstadt-Mitarbeiter erhalten wieder Weihnachtsgeld

Karstadt steht dank des harten Sanierungskurses deutlich besser da – und will als „großes Dankeschön“ an die Mitarbeiter Weihnachtsgeld zahlen. Die angeschlagene Warenhauskette sieht sich wieder auf Kurs.

Der Sanierungskurs des Warenhauskonzerns Karstadt zeigt erste Erfolge. dpa

Operativ in den schwarzen Zahlen

Der Sanierungskurs des Warenhauskonzerns Karstadt zeigt erste Erfolge.

DüsseldorfDer Warenhauskonzern Karstadt befindet sich nach harten Einschnitten auf dem Weg der Besserung. „Das Sanierungsprogramm greift, wir stabilisieren die Erträge, reduzieren Kosten und beginnen verlorene Stammkundschaft zurückzugewinnen“, hieß es in einem Schreiben des Vorstands an die Mitarbeiter, das der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Karstadt wolle nun für 2015 Weihnachtsgeld zahlen - auch wenn der Sanierungsplan dies eigentlich nicht vorgesehen habe. Dies sei „ein großes Dankeschön“ für ein verbessertes Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15.

Arbeitnehmervertreter begrüßten vor einer Aufsichtsratssitzung am Morgen in Essen den Schritt. Die Zahlung des Weihnachtsgelds sei „ein gutes Zeichen“, sagte Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl. Auf diesem Weg würden auch die Beschäftigten an den Erfolgen beteiligt. Der Gewerkschaft Verdi zufolge führte auch der Druck der Beschäftigten zu der Entscheidung für die Sonderzahlung.

Ettl hatte bereits in einem Reuters-Interview gesagt, der Sanierungskurs zeige Wirkung. Im laufenden Geschäftsjahr 2015/16 könne der Warenhauskonzern auch unter dem Strich wieder die Gewinnschwelle erreichen. Er erwarte zudem, dass keine weitere Karstadt-Filialen die Pforten schließe.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl zufolge schrieb Karstadt im abgelaufenen Geschäftsjahr operativ bereits wieder schwarze Zahlen: „Wir verdienen an den Ladenkassen wieder Geld und sind einen zweistelligen Millionenbetrag im Plus“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Unser Ziel muss bleiben, (..) auch unter dem Strich ausgeglichen abzuschließen“, fügte er hinzu. Das Geschäftsjahr 2014/2015 lief bis Ende September. Im Vorjahr hatte der Kaufhof-Konkurrent unter dem Strich noch rund 190 Millionen Euro Verlust geschrieben.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Der österreichische Immobilien-Investor Rene Benko hatte Karstadt 2014 übernommen und zunächst den Rotstift angesetzt. Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg wurden bereits geschlossen, weitere Filialen in Neumünster, Recklinghausen und Bottrop folgen. Über 2000 Mitarbeiter mussten gehen. Zudem hat Fanderl den Markendschungel im Sortiment gelichtet und setzt verstärkt auf eine lokale Ausrichtung der Warenhäuser.

Aber auch das neue Geschäftsjahr 2015/16 werde „herausfordernd“, nun komme es auf das Weihnachtsgeschäft an, schrieb Fanderl in dem Brief an die Mitarbeiter. Im Geschäft über die Feiertage, in dem die Einzelhändler traditionell auch den Löwenanteil ihrer Gewinne einfahren, steht Karstadt in Konkurrenz zum Wettbewerber Kaufhof, der unter seinem neuen Eigner Hudson's Bay in die Offensive gehen will.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×