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21.03.2016

17:26 Uhr

Sanierung von EDC

CD-Pionier will mit Schutzschirmverfahren aus Schieflage heraus

Die erste CD vom Fließband stammt aus Hannover. Gut 30 Jahre ist das jetzt her. Nun hat der Pionier ernsthafte Probleme und wählt den Weg der Sanierung in Eigenregie. Mögliche Folgen für die gut 700 Mitarbeiter sind noch ungewiss.

EDC blickt auf mehr als 100 Jahre Geschichte. Heute ist EDC Europas Marktführer für die Fertigung und dazugehörige Logistikdienstleistungen für CDs, DVDs und Blu-Rays. AFP; Files; Francois Guillot

Blue-Rays von EDC

EDC blickt auf mehr als 100 Jahre Geschichte. Heute ist EDC Europas Marktführer für die Fertigung und dazugehörige Logistikdienstleistungen für CDs, DVDs und Blu-Rays.

HannoverDer CD-Pionier EDC aus Hannover mit seinen 730 Mitarbeitern ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Firma, die nach eigenen Angaben 1982 weltweit erstmals die Massenfertigung von CDs begann, will sich in einem sogenannten Schutzschirmverfahren sanieren und damit einer drohenden Insolvenz vorbeugen. Der Betrieb laufe wie bisher weiter, teilte die EDC GmbH am Montag mit.

Bei einem Schutzschirmverfahren begleitet ein sogenannter Sachwalter die Sanierung als externer Berater, das Management bleibt wie bisher im Amt. EDC-Betriebsrat Uwe Rittentrop verwies auf eine Pressekonferenz am Nachmittag. Sie sollte um 14.00 Uhr beginnen.

EDC setzte laut den jüngsten öffentlich einsehbaren Zahlen für 2014 knapp 100 Millionen Euro um. Unter dem Strich liefen damals rund 151 000 Euro Fehlbetrag auf. Das Vorjahr 2013 hatte noch 752 000 Euro Nachsteuergewinn gebracht. Für 2014 hatte EDC mit 2,6 Millionen Euro mehr Gewinn kalkuliert. Rückschläge im Tagesgeschäft und höhere Rückstellungen für die Pensionen führten aber in die roten Zahlen. In ihrer Bilanz schrieb die Firma über den Fehlbetrag: „Ein wesentlicher Grund dafür ist die aktuelle Niedrigzinsphase, mit der Folge höherer ergebniswirksamer Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen.“

Die Firma hängt im Wesentlichen an der Herstellung von Ton-, Bild- und Datenträgern auf CD und DVD. EDC lagert die Scheiben auch und sorgt für den Transport zum Kunden. Kleinere neue Standbeine gibt es in der Kunststofftechnik, etwa als Hersteller von E-Zigaretten.

Im Jahr 2014 entschied sich EDC unter anderem für harte Einschnitte bei den teils verlustbringenden DVDs, „um sich auf Kunden mit einer positiven Marge zu fokussieren“, wie es in der Bilanz heißt.

Für 2014 hielt EDC fest, dass Deutschlands Musikmarkt trotz des Trends zu Streaming und Downloads „durch seinen Mix aus maßvoller digitaler Dynamik bei gleichzeitiger physischer Stabilität in einer verhältnismäßig komfortablen Situation“ gewesen sei. Trotz eines Rückgangs von 3,6 Prozent sei die CD weiterhin für zwei Drittel des Gesamtumsatzes verantwortlich gewesen. Zusammen mit den knapp 8 Prozent von DVD, Blu-Ray und Vinyl erreichten die physischen Tonträger einen Gesamtumsatzanteil von 74,2 Prozent und seien „damit weiterhin das Rückgrat der deutschen Musikindustrie“ gewesen.

EDC blickt auf mehr als 100 Jahre Geschichte. Ihr Vorgänger, die Deutsche Grammophon, wurde 1898 vom Erfinder der Schallplatte, Emil Berliner, in Hannover gegründet. Im selben Jahr wurden dort erstmals in Massenproduktion Schellackplatten produziert, wie EDC schreibt. 1951 habe die Deutsche Grammophon die ersten Langspielplatten aus Kunststoff in Deutschland produziert. 1965 entstanden dort erstmals Musikkassetten in Massenfertigung, und auch die weltweit ersten CDs vom Fließband entstanden laut EDC 1982 in Hannover. Japan habe nachgezogen. Heute sei EDC Europas Marktführer für die Fertigung und dazugehörige Logistikdienstleistungen für CDs, DVDs und Blu-Rays.

Von

dpa

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