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27.10.2012

13:18 Uhr

Sanierungsprogramm

Praktiker-Mitarbeiter verzichten auf Teil des Gehalts

Die Sanierung der Baumarktkette Praktiker kommt die Angestellten teuer zu stehen. Für eine „weitestgehende“ Jobgarantie verzichten die Mitarbeiter in den kommenden drei Jahren auf 15 Prozent ihres Gehalts.

Praktiker-Mitarbeiter in einer Berliner Filiale. dapd

Praktiker-Mitarbeiter in einer Berliner Filiale.

FrankfurtZur Sanierung von Praktiker akzeptieren die 15.000 Beschäftigten der Baumarktkette einen kräftigen Gehaltsabschlag: „Als Gegenleistung für eine weitestgehende Beschäftigungssicherheit verzichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Praktiker für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes“, erklärte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Rüdiger Wolff, am Samstag. Darauf hätten sich Arbeitnehmervertreter und Management nach zweitägigen Verhandlungen geeinigt. Der Beitrag speise sich im Wesentlichen aus dem Verzicht auf das Weihnachtsgeld; die monatlichen Entgelte der Beschäftigten blieben dagegen unangetastet.

Der ab sofort geltende Lohnverzicht sorge dafür, dass die Personalkosten in Deutschland 2012, 2013 und 2014 um jeweils 17,3 Millionen Euro gesenkt würden, erklärte Praktiker. Im Gegenzug für den Gehaltsabschlag gelte für die Dauer des Sanierungstarifvertrages eine weitgehende Standort- und Beschäftigungssicherung. „Mit ihrem temporären Einkommensverzicht leisten die Beschäftigten der Praktiker AG in Deutschland selbst einen wichtigen Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung“, erklärte der seit Mitte Oktober amtierende Praktiker-Chef Armin Burger.

Der Streit um die Zukunft von Praktiker hatte die Krise des angeschlagenen Baumarktkonzerns zuletzt verschärft. Das monatelange Ringen um die Abwendung einer Pleite verschreckte Lieferanten und Kunden und lenkte das Management vom laufenden Geschäft ab, wie Burger jüngst gesagt hatte. Im dritten Quartal setzte der Umsatz mit einem Rückgang um zehn Prozent auf 758 Millionen Euro seine Talfahrt fort. Der Nettoverlust stieg um die Hälfte auf 36 Millionen Euro.

Wenige Tage vor Burgers Amtsantritt hatte Praktiker wesentliche Teile eines rettenden Finanzierungspakets unter Dach und Fach gebracht. Damit endete vorerst ein heftiger Streit mit den Großaktionären, die das alte Management und die zunächst angepeilten Zugeständnisse an Geldgeber kritisiert hatten. Mehrere Kreditgeber gewähren nun Darlehen über 75 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen Euro will Praktiker mit einer Kapitalerhöhung erlösen.

Einen Großteil des Geldes benötigt der Baumarktkonzern, um mehr als 100 der zuletzt 220 Praktiker-Märkte im Inland auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. Die norddeutsche Kette mit zuletzt rund 80 Filialen setzt stärker auf Beratung als auf Preiskampf und soll zum Flaggschiff des Konzerns ausgebaut werden. Während die Kette Praktiker in Deutschland von Juni bis September einen Umsatzeinbruch um 15 Prozent verbuchte, gaben die Erlöse von Max Bahr nur um knapp fünf Prozent nach. Die Hamburger Konzernsparte schrieb im Gegensatz zu ihrer größeren Schwester auch einen kleinen Gewinn.

Von

rtr

Kommentare (12)

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anonym

27.10.2012, 14:21 Uhr

Hoffentlich geht es den Praktiker-Mitarbeitern nicht genauso wie schon so manchen Arbeitnehmern.Zuerst Gehaltseinbußen in Kauf nehmen und letztendlich nach Ablauf der Zeit doch gefeuert zu werden um noch einmal bestraft zu werden(weniger Arbeitslosengeld).Wie sieht es eigentlich bei den Verantwortlichen aus,verzichten auch diese?

Hans

27.10.2012, 17:38 Uhr

Im Radio werden schon 25% Rabatte bei Praktiker beworben. Denke, Praktiker braucht dringend Bargeld, weil man keine Kredite mehr bekommt. Wenn sich die Situation nicht bessert, kommt man wohl an die Insolvenz nicht vorbei.

aristotele

27.10.2012, 17:43 Uhr

Scheiss auf Jobgarantie! Werdet endlich vernünftig und schafft vernünftige Arbeitsverhältnisse für die Mitarbeiter. Die geldgeilen Manager und Vorstände machen sich die Taschen voll und verzichten auf gar nicht. Und außerdem sind wir Mitarbeiter erst gar nicht gefragt worden. Und selbst die Ver.di hat uns alle verarscht und uns im Unklaren gelassen. Auf Anfragen bekam man als persönlich betroffener keine Antworten. Betriebsräte werden nach oben befördert und sind somit mehr arbeitgebernah, als für die Mitarbeiter da. Seit Jahren gibt es nicht einmal einen Inflationausgleich. Aber den Investoren ist es ja auch egal, wie es den Leuten an der Basis geht. Nur leider sind die Mitarbeiter dermaßen verunsichert und vor allem eingeschüchtert, daß sich niemand mehr traut überhaupt aufzubegehren.
ES GIBT KEINEN LOHNVERZICHT VON UNS, SONDERN UND WURDE DER LOHNVERZICHT AUFGEZWUNGEN.

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