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08.03.2004

07:30 Uhr

SAS-Chef Lindegaard drückt aufs Tempo

Fluglinie SAS steht vor der Aufspaltung

VonDietmar Petersen und Helmut Steuer (Handelsblatt)

Die skandinavische Drei-Länder-Fluggesellschaft Scandinavian Airlines Systems (SAS) soll noch in dieser Woche aufgespalten werden. Der Schritt solle am Mittwoch endgültig vollzogen werden, sagte SAS-Vorstandschef Jörgen Lindegaard dem Handelsblatt (Montagausgabe).

STOCKHOLM. Die traditionsreiche skandinavische Drei-Länder- Fluggesellschaft Scandinavian Airlines Systems (SAS) steht vor ihrer Aufspaltung. Der Flugbetrieb unter der Hauptmarke SAS soll in drei nationale Fluglinien – eine dänische, eine norwegische und eine schwedische – sowie in eine internationale unter dem Holdingdach der SAS aufgeteilt werden. „Für SAS ist das die letzte Chance“, betont Jörgen Lindegaard, Chief Executive Officer (CEO) der SAS, im Gespräch mit dem Handelsblatt in der Stockholmer SAS-Zentrale.

Der Luftfahrt-Manager ist entschlossen, mit der Aufspaltung zugleich ein hartes Restrukturierungsprogramm einzuleiten. Noch steht er in schwierigen Verhandlungen mit den Gewerkschaften, doch am Mittwoch will Lindegaard dem Verwaltungsrat überzeugende Ergebnisse präsentieren, „vorausgesetzt, bis dahin sind alle erforderlichen Verhandlungen mit den Gewerkschaften unter Dach und Fach“.

Dabei ist die letzte Frist für SAS längst abgelaufen, denn im Februar musste Lindegaard mit einem Minus von umgerechnet 164 Mill. Euro das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der 1918 gegründeten SAS verkünden. Wie fast alle Konkurrenten fliegt auch die von Dänemark, Norwegen und Schweden betriebene SAS seit dem 11. September 2001 in Turbulenzen. Zudem setzen ihr seit einem Jahr die Billigflieger zu.

Doch SAS kämpft noch gegen eine spezifische „skandinavische Krankheit“: Dänemark, Norwegen und Schweden kontrollieren zusammen die Hälfte des Unternehmenskapitals der SAS. Die Konstruktion mit drei Staaten hat zu Spannungen im Management geführt und den Konzern schwerfällig gemacht. „Wir sind eben sehr verschiedene Nationen“, umschreibt der Ingenieur Lindegaard, ein Däne, diplomatisch die sensible Lage.

„Kopenhagen, Oslo und Stockholm vertreten hart ihre nationalen Interessen“, berichtet ein skandinavischer Analyst, der es vorzieht, nicht genannt zu werden. Im Klartext: Die Ideologie der „nordischen Kooperation“ ist gescheitert.

Stärker noch als nationale Spannungen lastet ein anderes Dilemma des Drei-Staaten-Konstrukts auf dem Management: Tarifverhandlungen für die rund 30 000 Beschäftigten müssen mit 39 Gewerkschaften in den drei Ländern geführt werden.

Diesem Zustand will Lindegaard mit der neuen Konzernstruktur den Garaus machen. „Wir müssen viel flexibler werden“, umschreibt der Manager seine Stoßrichtung. Unter der neuen Organisation, das sieht er pragmatisch, „hat es das Management der einzelnen Unternehmen mit sehr viel weniger Gewerkschaften zu tun“. Lindegaards Rettungsprogramm sieht auch drastische Einschnitte in den sozialen Besitzstand der Beschäftigten vor.

Das neue Unternehmensmodell beurteilen Analysten unterschiedlich. „Sicherlich eine tragfähige Lösung für die kommenden zwei bis drei Jahre“, urteilt Ulrich Horstmann, Experte für den Luftverkehrsmarkt bei der Bayerischen Landesbank, „am Ende muss aber die völlige Privatisierung stehen.“

Bedingte Überlebenschancen attestiert Hans Erik Jacobson, Verkehrs-Analyst bei First Security in Oslo, der geplanten SAS-Tochter für die internationalen Routen, überwiegend nach Nordamerika und Asien: „SAS sollte sich in diesem Marktsegment mit der Deutschen Lufthansa zusammenschließen.“ Die Deutschen wären auch Lindegaards Traumpartner, „wenn sich eines Tages herausstellen sollte, dass wir zur Sicherung unserer Marke SAS einen starken Partner brauchen“.

Lindegaard sieht die Risiken seiner Notoperation und ebenso die letzte Konsequenz: „Wenn die Operation fehlschlägt, muss der Doktor gehen.“

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