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28.10.2014

15:32 Uhr

Saturn & Co. reagieren auf Online-Attacken

Der Einzelhandel schlägt zurück

VonLisa Hegemann, Britta Weddeling

Wenn es um das Onlinegeschäft ging, beschränkte sich der Einzelhandel lange nur auf eigene Webseiten. Doch die Grenzen zwischen Internet und Fußgängerzone verschwimmen immer mehr – nicht nur für die stationären Händler.

Onlinebestellung zum Selbstabholen: Der Einzelhändler Saturn stellt sich gegen die Marktmacht von Amazon und eröffnet am Mittwoch ein modernisiertes Geschäft in Ingolstadt. Martin Hangen

Onlinebestellung zum Selbstabholen: Der Einzelhändler Saturn stellt sich gegen die Marktmacht von Amazon und eröffnet am Mittwoch ein modernisiertes Geschäft in Ingolstadt.

DüsseldorfSelbst ist der Kunde: Wer bei Saturn künftig online bestellen will, muss nicht mehr zu Hause auf den Postboten warten, sondern kann sein Paket selbst in der Filiale abholen, 24 Stunden am Tag. Zumindest in Ingolstadt. In seinem modernisierten Markt wird der Elektronikfachhändler am Mittwoch eine Abholstation eröffnen, an der der Kunde rund um die Uhr seine Bestellungen aus einem Schließfach entnehmen kann.

Die Idee ist nur eine der Neuerungen, mit denen die Metro-Tochter die Grenzen zwischen Onlinehandel und stationären Geschäft verschwimmen lässt: In den Eingangshallen entsteht ein Servicebereich, an jedem Regal soll ein Tablet zu finden sein, das online zeigen soll, was stationär möglicherweise nicht zu finden ist. Die neuen Ideen werden vorerst nur in Ingolstadt ausprobiert. Doch das Signal ist deutlich: Der Einzelhändler wehrt sich gegen die Dominanz von Onlinegiganten wie Amazon.

„Noch stärkerer Fokus auf das Einkaufserlebnis“

Mit seinem Aktionismus ist Saturn nicht alleine. Einzelhändler und Internet, das war lange einseitiger Kampf. Amazon gegen den Rest der Handelswelt, sozusagen. Zwar finden sich auch die Einkaufsläden in der Fußgängerzone längst mit eigenen Webseiten im Internet wieder oder mit eigenen Apps auf dem Smartphone, doch die Aufteilung für den Konsumenten war klar getrennt: entweder online oder stationär einkaufen.

Die fünf Waren, die Kunden am liebsten bestellen

Quelle

Die Angaben stammen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) und beruhen auf den Umsätzen im Versand- und Onlinehandel im zweiten Quartal 2014.

Platz 5

Schuhe

Umsatz 2014: 604 Millionen Euro
Umsatz 2013: 1,1 Milliarden Euro

Platz 4

Hobby- und Freizeitartikel

Umsatz 2014: 665 Millionen Euro
Umsatz 2013: 509 Millionen Euro

Platz 3

Bücher

Umsatz 2014: 969 Millionen Euro
Umsatz 2013: 1,3 Milliarden Euro

Platz 2

Unterhaltungselektronik und Elektronikartikel

Umsatz 2014: 1,2 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 960 Millionen Euro

Platz 1

Kleidung

Umsatz 2014: 2,6 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 3 Milliarden Euro

Dieses Verständnis von Online- und Offlinehandel bricht immer stärker auf. Neudeutsch nennt sich dieses Konzept Cross Channel, es soll das Angebot im Internet mit dem stationären Geschäft verbinden. QR-Codes, mobiles Bezahlen und Coupons via Smartphone sind einige Beispiele dafür, wie der Handel versucht, die Smartphone-Generation in das eigene Geschäft zu locken.

Gleichzeitig fokussieren sich Händler immer stärker auch darauf, ihre eigenen Stärken auszuspielen: das Erlebnis am Einkauf an sich. „Event-Shopping“ heißt das in der Fachsprache, Beispiele dafür sind Einkaufszentren oder besondere Outlets wie in Bad Münstereifel. Bei Saturn klingt das so: „Für die Märkte bedeutet dies insbesondere einen noch stärkeren Fokus auf das Einkaufserlebnis“, sagte Bernd Brückner, Bereichsleiter der Expansion bei Saturn, einer Mitteilung zufolge. Zum Einkaufserlebnis gehört zum Beispiel auch eine Lounge, in der die Konsumenten auf eingebauten Tablets kostenlos im Internet surfen oder ihre Smartphones aufladen können.

Der Wandel ist dringend notwendig, wie eine Studie der Münchner Beratung Dr. Wieselhuber & Partner im April zeigte. Die Untersuchung nannte konkrete Bereiche, in denen der Wettbewerb immer intensiver werde – vor allem bei Büchern, DVDs, Elektronikartikeln und Spielzeug sei dies der Fall. Kein Wunder: Viele Händler haben das Internet lange unterschätzt. Saturn beispielsweise ging erst 2011 mit einer eigenen Webseite ins Netz.

Gerade noch rechtzeitig: Nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel kommt mittlerweile jeder zehnte Einkauf per Post. Der Onlineanteil hat sich zwischen 2010 und 2013 verdoppelt. Noch vor vier Jahren machten die Händler lediglich 4,1 Prozent ihres Umsatzes online, im vergangenen Jahr waren es 8,1 Prozent. Das insolvente Unternehmen Weltbild oder die kriselnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof bekommen diesen Wandel verstärkt zu spüren. Neue Ideen braucht der Einzelhandel.

Kommentare (7)

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Herr wulff baer

28.10.2014, 16:47 Uhr

Was für eine Schnapsidee.
Wer als prime-Kunde bei Amazon etwas bestellt, hat es spätestens innerhalb 48 Stunden zu Hause per DHL oder DPD.
Wer will denn in die Innenstadt fahren, im Parkhaus teuer parken und dann feststellen, dass die Ware gar nicht im Abholbereich vorhanden ist.
Vor einigen Monaten habe ich bei Saturn online einen Beamer bestellt, angeblich am Lager, bezahlt wurde per Vorkasse mit paypal.
Nach 3 Tagen kam die mail, dass die bestellte Ware erst in 3 Wochen lieferbar wäre. Ich habe den Auftrag sofort storniert und um die Rücküberweisung des bezahlten Betrages auf mein Paypal-Konto gebeten. Saturn hat das bestätigt.
Das ist dann auch 4 Tage später passiert. Paypal hat mir die Gutschrift bestätigt.
Am nächsten Tag erhielt ich wieder von Saturn eine Mail:
Die Rücküberweisung an Paypal wäre technisch nicht möglich, ich sollte mich mit Paypal in Verbindung setzen.
Den Betrag hatte ich jedoch zu diesem Zeitpunkt schon vor 5 Tagen auf mein Paypal zurück erhalten.
So gehts einem als Kunde, wenn man bei einem stationären Händler online etwas bestellt.
Nie wieder Saturn - schallt es lange noch.
(Amazon hat den Beamer von einem auf den anderen Tag geliefert.)

Herr horst kleine

28.10.2014, 17:19 Uhr

Tolle Idee,

ich bestelle im Internet,fahre dann ins Geschäft, um die Ware abzuholen, geht´s noch?
Habe Fahrt- und Parkkosten, Zeitverlust und muss im Zweifel für unterschiedliche Produkte auch noch verschiedene Läden anfahren.

Herr wulff baer

28.10.2014, 17:40 Uhr

Noch einmal Amazon versus stationärer Handel:

In den letzten 2 Tagen habe ich als Primekunde bei Amazon folgende Produkte bestellt und innerhalb 2 Tagen frei Haus bekommen:

Funkwecker, mediz.Tape, Bosch-Handtacker, Tastatur für Tablet, Gas-Schlauch, Zeichenplatte und Zirkel, 1 Buch von Jean Ziegler, 1 ebook von AfD Henkel, Klapp-Grill,Feuerschale, Abus-Faltschloß, Fiskars-Klappspaten, Gas-Detektor, Profi-Ahle und Garn, Schweizer Messer, Laguiole-Kellner-Messer und noch einige andere Artikel.

Wenn ich als Lokal-Patriot alle Dinge in Frankfurt gekauft hätte, hätte ich mind. 4 Läden aufsuchen müssen, wäre 15km gefahren und hätte neben Parkplatzsuche und Parkhausgebühren mindestens 2 Stunden Zeit verschwendet.

Die Bestellung am Computer dauerte 30 min., 0 gef.km und kein Parkstress.

Versteht man, worauf ich hinaus will?

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