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05.01.2017

13:03 Uhr

Saunabranche setzt auf Luxus

Goldener Aufguss

Ob klein, groß, Fichte oder Edelholz – mit oder ohne Glasfront: Saunahersteller haben für ihre Kunden immer mehr Luxus im Angebot. Die Schwitzräume sind ein einträgliches Geschäft für Mittelständler.

„Eine Sauna kauft man in der Regel nur einmal in seinem Leben – und nutzt sie zu Hause bis zum Auszug ins Altersheim“, sagt Firmenchef hat Stefan Schöllhammer. dpa

Saunahersteller Klafs

„Eine Sauna kauft man in der Regel nur einmal in seinem Leben – und nutzt sie zu Hause bis zum Auszug ins Altersheim“, sagt Firmenchef hat Stefan Schöllhammer.

Schwäbisch Hall Für einen Firmenchef hat Stefan Schöllhammer ein ungewöhnliches Verhältnis zu seiner Kundschaft. Die meisten Kunden kämen nur ein einziges Mal – „und dann nie wieder“, sagt er. An solch einer Kundenbeziehung gingen Unternehmen normalerweise pleite. Schöllhammer, Chef von Deutschlands größtem Saunabauer Klafs, freut sich hingegen über brummende Geschäfte. Der 59-Jährige steht im Showroom seiner Firma in Schwäbisch Hall und zeigt ein Dutzend Schwitzräume: klein, groß, in Fichte oder Edelholz, mit oder ohne Glasfront. „Eine Sauna kauft man in der Regel nur einmal in seinem Leben – und nutzt sie zu Hause bis zum Auszug ins Altersheim.“ Rein betriebswirtschaftlich habe die Branche dadurch natürliche Grenzen. „Bei Küchen oder Autos wollen die Menschen nach einem gewissen Zeitraum ein neues Produkt, um mit der Mode mitzugehen.“ Derlei Umsatzperspektiven habe seine Branche nicht.

Deutschland hat etwa ein Dutzend Saunabauer mit je über 20 Mitarbeitern, darunter Nordö und Jockers aus Rheinland-Pfalz. Hinzu kommen noch zahlreiche kleinere Betriebe – viele Tischlereien und Schreinerwerkstätten bieten im Nebengeschäft die Schwitzkästen an. Mit weitem Abstand der Branchenprimus ist Klafs. Mit ihren 750 Mitarbeitern kam die Firma 2016 nach eigenen Angaben auf etwa 104 Millionen Euro Umsatz, das war ein Plus von vier Prozent. Der Anteil der im Inland verkauften Schwitzräume lag bei etwa 40 Prozent.

Ein anderer Branchenexperte ist Hans-Jürgen Gensow, Sprecher vom Deutschen Sauna-Bund in Bielefeld – einer Interessengemeinschaft von Herstellern, Händlern und Endkunden-Anbietern, also Bädern. „Deutschland ist nicht nur Fußball-Weltmeister, wir sind auch Sauna-Weltmeister“, sagt der Verbandsvertreter. 31 Millionen Saunagänger soll es in Deutschland geben.

Die deutsche Fitnessbranche in Zahlen

7,9 Millionen...

Jeder zehnte Deutsche schwitzte im vergangenen Jahr im Fitnessclub. Das entspricht bundesweit 7,9 Millionen Menschen.

7566

Dafür konnten sie zwischen insgesamt 7566 Anlagen wählen.

45,72

Der durchschnittliche Monatsbeitrag für eine Standardmitgliedschaft lag zuletzt im Schnitt bei 45,72 Euro.

47

Mehr als 47 Prozent der Mitgliedschaften entfielen auf Fitnessketten.

4 Milliarden

Der Gesamtumsatz der Branche lag bei mehr als 4 Milliarden Euro.

3,7 Prozent

Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum zwischen 3 und 5 Prozent. Zuletzt legte der Markt um 3,7 Prozent zu.

Marktführer

Marktführer ist die Billig-Kette McFit mit zuletzt rund 1,2 Millionen Mitgliedern, gefolgt von Fitness First mit 270.000 Kunden.

Wer nun denkt, Sauna sei gleich Sauna – eben ein Holzraum zum Schwitzen – , der erntet Kopfschütteln in der Branche. Diese Zeiten seien längst vorbei. „Früher gab es nur einen typischen Saunaraum, heute gibt es ganz viele verschiedene Varianten“, sagt Gensow.

Die Hersteller wollten einer veränderten Nachfrage begegnen. „Die Saunagäste sind anspruchsvoller geworden und wollen mehr geboten bekommen.“ In Wellness-Anlagen gibt es neben der klassischen Finnischen Sauna mit Fichtenholz längst auch Räume mit anderen Holzverkleidungen, mit großen Glasfronten oder Natursteinen.

Als neue Errungenschaft stellt Klafs eine Schrank-Sauna mit Ziehharmonika-Prinzip vor. Verschiedene Bauteile sind ineinander verschachtelt, auf Knopfdruck bewegen sich eine Außenwand und die Seiten, der Schrank wird zur normal nutzbaren Sauna. Damit reagiert Klafs auf ein Problem, das die ganze Branche betrifft: Platzmangel.

Mieten und Immobilienpreise in Ballungszentren seien in den vergangenen Jahrzehnten nun einmal rasant gestiegen, erklärt Schöllhammer. „Früher war ein Raum im Keller als Sauna-Ort fast schon selbstverständlich – selbst für junge Familien.“

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