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24.11.2015

15:31 Uhr

Schärfere Kontrollen beim Thalys

Vor der Bahnfahrt durch die Sicherheitsschleuse

Nach dem Angriff in einem Thalys wurde darüber diskutiert, nach den Anschlägen von Paris werden jetzt Sicherheitsschleusen bei dem Schnellzug eingeführt. Auch in Köln könnte eine Installation zum Thema werden.

Die Sicherheitsmaßnahmen beim Thalys sollen verschärft werden. Reuters

Polizei am Gare du Nord in Paris

Die Sicherheitsmaßnahmen beim Thalys sollen verschärft werden.

Paris/BerlinFrankreich führt nach den Anschlägen von Paris flughafenähnliche Kontrollen für die auch nach Deutschland fahrenden Hochgeschwindigkeitszüge Thalys ein. An den Bahnhöfen in Paris und Lille sollen an den Zugängen zu den entsprechenden Gleisen noch in diesem Jahr Sicherheitsschleusen eingerichtet werden. Nach Angaben der französischen Regierung werden sie denen für Reisen durch den Ärmelkanaltunnel entsprechen. Nutzer der dort verkehrenden Eurostar-Züge müssen schon heute Kontrollen durchlaufen und vor der Fahrt einen Metalldetektor passieren. Zudem gibt es Gepäckkontrollen per Röntgenscanner.

„Die Entscheidung ist gefallen“, kündigte die für Verkehr zuständige Ministerin Ségolène Royal am Dienstag in Paris an. Die Politikerin machte zugleich klar, dass natürlich auch an Thalys-Bahnhöfen im Ausland Sicherheitsschleusen eingerichtet werden müssten. „Die Belgier folgen uns bereits und die anderen werden es tun“, sagte Royal dem Radiosender France Inter.

Anti-Terror-Forderungen in Deutschland und ihre Umsetzbarkeit

Schärfere Grenzkontrollen

Schon jetzt wird wieder kontrolliert – vor allem wegen des anhaltenden Flüchtlingsandrangs in Bayern. Nach den Attentaten lässt Innenminister Thomas de Maizière auch die Grenze zu Frankreich stärker überwachen sowie den Flug- und Zugverkehr.

Grenzschließung

Die Grenzen völlig dicht zu machen, gilt aber als unmöglich – niemand kann Tausende Kilometer grüne Grenze lückenlos überwachen, ohne neue Mauern und Zäune zu bauen. Letzteres will Kanzlerin Angela Merkel auf keinen Fall.

Verdächtige Islamisten lückenlos überwachen

Angesichts der benötigten Anzahl von Polizisten gilt das als unmöglich. Um nur einen „Gefährder“, der jederzeit einen Terrorakt begehen könnte, rund um die Uhr zu bewachen, sind laut Experten im Schnitt rund 40 Beamte nötig. Derzeit sind den Behörden 420 „Gefährder“ bekannt. Hochgerechnet bedeutet das, es müssten fast 17.000 Beamte allein für die Überwachung dieses Islamistenkreises eingesetzt werden.

Kommunikation möglicher Terroristen besser überwachen

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ stockt die Bundesregierung die Geheimdienste um fast 500 Stellen auf, ein Teil davon soll im Kampf gegen den Terrorismus eingesetzt werden. Der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz versuchen schon jetzt rund um die Uhr, mögliche Attentäter zu entdecken, wenn sie ihre Taten im Internet vorbereiten oder absprechen. Lückenlosen Schutz können aber auch solche Lauschaktionen nicht bringen – zumal sie in der öffentlichen Debatte höchst umstritten sind.

Wenn es nötig sei, werde Frankreich sich um die Installation von Sicherheitsschleusen kümmern, sagte Royale, damit diese den gleichen Standard hätten wie die französischen. Die Kosten könnten dann zwischen den Bahnhöfen aufgeteilt werden.

Als konkrete Beispiele für Bahnhöfe im Ausland nannte Royal Brüssel, Amsterdam und Köln. Dies sind neben Paris wichtige Ein- und Aussteigepunkte auf den Thalys-Hochgeschwindigkeitsstrecken. Die Deutsche Bahn hat zur Zeit aber keine derartigen Pläne. Die Bahn stehe im Austausch mit den Behörden, an deren Vorgaben und Empfehlungen sie ihr Sicherheitskonzept anpasse, sagte ein Sprecher am Dienstag.

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Nach Angaben der französischen Ministerin wird auch geprüft, im internationalen Bahnreiseverkehr verbindlich personengebundene Tickets einzuführen. An allen Bahnhöfen mit internationalen Verbindungen sollten die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden, kündigte sie an.

Bei den Anschlägen von Paris waren am 13. November 130 Menschen von islamistischen Attentätern getötet worden. Ihnen vorausgegangen war im August ein Angriff auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug, der von Brüssel in die französische Hauptstadt unterwegs war. Der Angriff endete damals glimpflich, weil Fahrgäste den mit einem Sturmgewehr bewaffneten Marokkaner überwältigen konnten. Der zur Tatzeit 25-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Von

dpa

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