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07.01.2011

09:33 Uhr

Schätzung für 2010

Deutschlands Einzelhändler setzen mehr um

Die Hochkonjunktur in Deutschland hat 2010 auch bei den Einzelhändlern die Kassen klingeln lassen, wie aus einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Das Weihnachtsgeschäft ließ sich aber offenbar zumindest schlechter an als vor einem Jahr.

Model mit Schuhen: Bekleidung und Schuhe waren zuletzt besonders gefragt. dpa

Model mit Schuhen: Bekleidung und Schuhe waren zuletzt besonders gefragt.

HB BERLIN. Die deutschen Enzelhändler setzten zwischen 2,5 und 2,7 Prozent mehr um als im Krisenjahr 2009, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag auf Basis einer ersten Schätzung mit. „Das wäre der stärkste Umsatzanstieg seit dem Wiedervereinigungsboom 1991“, sagte ein Statistiker. Preisbereinigt (real) dürften die Erlöse um 1,3 bis 1,6 Prozent gestiegen sein - zuletzt lag diese Rate 2004 höher.

Auch für kommendes Jahr sind die Aussichten günstig: Der Branchenverband HDE rechnet mit einem Umsatzplus von mehr als einem Prozent. „Wir sind verhalten optimistisch“, sagte ein HDE-Sprecher. Grund zur Zuversicht liefern dem Verband die relativ geringe Arbeitslosigkeit sowie steigende Löhne und Gehälter. Allein im dritten Quartal hatten die Arbeitnehmer in Deutschland 2,5 Prozent mehr in den Taschen als ein Jahr zuvor, bereinigt um Preissteigerungen ergab sich ein Plus von 1,3 Prozent.

Vor allem der Abbau der Kurzarbeit kam den Beschäftigten zugute, Lohnsteigerungen dagegen weniger. „Wenn man sich die Stundenverdienste ansieht, rechnen wir für 2010 mit einem Rückgang der Reallöhne um ein Prozent“, sagte ein Sprecher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Besser seien die Aussichten für 2011: Dann dürften die Stundenlöhne bereinigt um die Preissteigerungen um 0,3 Prozent steigen. Firmen wie Bosch und Audi ziehen Lohnerhöhungen vor, Kurzarbeit dürfte 2011 keine Rolle mehr spielen. Experten halten deutlich stärkere Tariferhöhungen als in den vergangenen Jahren für möglich. Die Nürnberger GfK sagt für Januar ein stabiles Konsumklima voraus.

Zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts erhielten die Firmen im November jedoch einen Dämpfer: Die Umsätze sanken im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Prozent, real sogar um 2,4 Prozent und damit so stark wie seit März 2008 nicht. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg im Vergleich zum Oktober um 0,1 Prozent gerechnet. „Das schlechte Wetter könnte den Einzelhändlern einen Strich durch die Rechnung gemacht haben“, sagte WestLB-Experte Holger Sandte. „Aber das ändert nichts an den guten Wachstumsaussichten für den privaten Konsum.“

Ähnlich sehen es die Händler selbst: „Hätten die Kommunen nicht völlig mit dem Winterdienst versagt, wäre es besser gelaufen“, sagte der HDE-Sprecher. Dennoch sei der Einzelhandel mit dem November zufrieden, ergänzte er und verwies auf den Vorjahresvergleich. Demzufolge hatten die Händler 3,8 Prozent mehr in den Kassen als im November 2009, preisbereinigt lag der Anstieg bei 2,0 Prozent. Besonders gut lief das Geschäft mit Bekleidung und Schuhen: Hier lag das Plus bei 10,2 Prozent. Auch bei Internet- und Versandhändlern zog das Geschäft an. Schwächer lief es dagegen bei Getränkehändlern, Metzgern und Feinkostgeschäften: Hier sanken die Erlöse um 0,1 Prozent.

Auch im Dezember dürfte das Geschäft gut gelaufen sein: Der HDE berichtet von deutlich volleren Läden als 2009 und geht von einem Plus im Weihnachtsgeschäft von 2,5 Prozent aus. Allein im November und Dezember erwirtschaften die Firmen ein Großteil ihres Jahresumsatzes.

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