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02.04.2014

19:31 Uhr

Scharfe Tabakgesetze

Philip Morris wirft in Australien hin

VonUrs Wälterlin

Der Tabakkonzern Philip Morris stellt nach 60 Jahren seine Produktion in Australien ein. Ein Grund: Das Land hat eines der schärfsten Tabakgesetze weltweit. Strikte Regeln sollen den Rauchern ihr Laster abgewöhnen.

Zigarettenpackungen in Australien: Philip Morris zieht sich auch wegen der puritanischen Packungen mit den abschreckenden Bildern aus dem Markt in Down Under zurück. Reuters, Sascha Rheker

Zigarettenpackungen in Australien: Philip Morris zieht sich auch wegen der puritanischen Packungen mit den abschreckenden Bildern aus dem Markt in Down Under zurück.

CanberraWie Philip Morris (PML) am Mittwoch erklärte, verlagert das Unternehmen seine Zigarettenherstellung von Australien nach Korea. Mit der Schließung der Produktionsanlagen verlieren 180 Angestellte ihre Arbeit. Behalten will PML sein australisches Hauptquartier in Melbourne. Laut dem Unternehmen ist ein kontinuierlicher Rückgang des Marktes in Australien in den letzten zehn Jahren ein Grund für den Entscheid, die Herstellung nach Asien zu verlegen. Im Jahr 2012 eingeführte Anti-Tabakgesetze hätten ebenfalls eine Rolle gespielt.

Die neuen Vorschriften hätten die Exportmöglichkeiten für Tabakprodukte deutlich eingeschränkt. Heute laufe die Herstellung nur noch auf der Hälfte der verfügbaren Kapazität. Unternehmenschef John Gledhill meinte jedoch, trotz der Einführung der strikten Regeln für die Verpackung von Tabakprodukten seien die „Verkaufsvolumen im Jahr 2013 stabil geblieben“.

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Europa und die USA haben den Zigarettenfirmen den Kampf angesagt. Ihre Gewinne und Umsätze schwinden dahin. Jetzt setzen die Tabakkonzerne auf Asien – und auf einen dampfenden Hoffnungsträger.

Seit Ende 2012 dürfen Zigarettenschachteln in Australien nur noch in einem langweiligen Grüngrau bedruckt werden, um sie vor allem für jüngere Käufer unattraktiv zu machen. Der Markenname erscheint auf der Schachtel nur noch klein auf der Packung, in einer dünnen, generischen Schrift, nicht als Logo. Darüber steht prominent das Foto eines Krebstumors, eines erblindeten Auges, eines abfaulenden Fußes. Ein anderes Bild zeigt den zu einem Skelett abgemagerten Körper eines an Krebs sterbenden Rauchers. Tabakfirmen, die sich nicht an die Gesetze halten, drohen hohe Strafen.

Die Tabakindustrie hatte viele Jahre lang gerichtlich gegen die Verpackungspläne gekämpft. Unternehmen wie Philip Morris und British American Tobacco argumentierten, mit dem Verbot von Markenzeichen wie dem Dromedar von Camel Filter und Markenlogos wie der ikonischen Schrift von Marlboro eigne sich die australische Regierung ohne entsprechende Kompensation die Markennamen der Firmen an. Die Industrie blitzte bei allen Rechtsinstanzen ab.

Der Erfolg Canberras war für die Regierungen anderer Länder Signal, mit der Einführung ähnlicher Gesetze zu beginnen. Australische Gesundheitsexperten hatten schon kurz nach Inkrafttreten der neuen Vorschriften einen Rückgang des Konsums von Tabakwaren festgestellt. Viele Raucher meldeten, der Geschmack ihrer Zigaretten sei schlechter geworden. Begleitet wird der Kampf gegen das Rauchen mit einer kontinuierlichen Erhöhung des Preises für Zigaretten. Eine Schachtel kostet gegenwärtig etwa 12 Euro.

Kommentare (1)

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02.04.2014, 20:36 Uhr

Da lohnt es sich ja, das Gewächs selbst herzustellen!

In down under sollte es doch genügend Fläche geben, um sich sein eigenes Gärtchen anzupflanzen. Vielleicht sollte PML sich auf den Vertrieb von Rezepturen für selbst hergestellte Zigaretten konzentrieren.

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