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24.08.2011

20:43 Uhr

Schienengüterverkehr

Staatsbahnen auf dem Vormarsch

VonEberhard Krummheuer

Private Anbieter ziehen sich im Wettbewerb um den Schienengüterverkehr zurück. Europaweit teilen die Staatsbahnmonopole den Markt wieder unter sich auf.

Kleine private Bahnunternehmer kapitulieren immer öfter vor der Marktmacht der großen Staatsmonopole. dpa

Kleine private Bahnunternehmer kapitulieren immer öfter vor der Marktmacht der großen Staatsmonopole.

DüsseldorfEigentlich ist die in Bad Honnef am Rhein ansässige TX Logistik AG gut im Geschäft.

Das Unternehmen hat rund 300 Mitarbeiter und 40 moderne Loks – die Maschinen ziehen Container von Köln nach Verona, frischen Fisch von Oslo nach Rotterdam, Kalktransporte und Kokskohle für die Stahlindustrie ins Ruhrgebiet.

Die Firma erledigt Logistikdienste für die Automobil- und die Chemie-Industrie. Jede Woche sind 360 Züge von TX unterwegs. Im ersten Nachkrisenjahr 2010 erwirtschaftete das Unternehmen 150 Millionen Euro Umsatz und gilt – wenn auch nur mit einem kleinen Marktanteil von drei Prozent – als ernstzunehmender Wettbewerber der Deutschen Bahn.

Doch auch wenn die Züge rollen: Die Erfolgsstory des kleinen Bahnunternehmens ist schon vorbei. Fünf deutsche Logistikmanager hatten TX vor zwölf Jahren gegründet. Sie wollten gegen die Marktmacht der Staatsbahnmonopole antreten und in der Liberalisierung des Schienengüterverkehrsmarkts Verkehr von der Straße auf die Schiene holen. Zunächst waren sie erfolgreich, aber die Monopole waren stärker. TX Logistik ist inzwischen eine hundertprozentige Tochter von Trenitalia, der Gütersparte der italienischen Staatsbahn FS.

Der neue Auftritt der Privaten in lukrativen Nischen des liberalisierten Bahnmarkts hatte die bis dato trägen Staatsbahnen aufgeweckt; sie stellten sich neu und schlanker auf – und setzten ihre Marktmacht ein. Die Preise verfielen. Der hohe Kapitalbedarf stoppte die Expansion der Newcomer.

„Unsere Idee von der europäisch wettbewerbsfähigen Güterbahn haben wir umgesetzt. Die Idee, diese rein privat zu betreiben, haben wir früh aufgegeben“, sagte Raimund Stüer, Gründungsgesellschafter von TX und bis Ende Juni Vorstandsmitglied. Schon 2003 hatten sich die Gründer Trenitalia ins Haus geholt, zunächst mit 15 und 2005 mit 51 Prozent. Jetzt verkauften sie auch die verbliebenen 49 Prozent.

Kommentare (4)

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24.08.2011, 21:54 Uhr

Hier darf die Frage gestellt werden, warum sich denn das "unabhängige" Bundeskartellamt nicht einschaltet. Vielleicht weil es eine Behörde der Eigentümerin des Staatsbahnmonopolisten ist? Ohne mehr Wettbewerb auf der Schiene wird es nie gelingen, die LKWs von den Straßen runter zu kriegen ...

Stefan

24.08.2011, 22:36 Uhr

Ohne eine effektive Trennung von Netz und Betrieb wird ein sinnvoller Wettbewerb unter Einbezug privater Transportanbieter nicht funktionieren. Das Netz gehört als "systemrelevante Infrastruktur" in Staatsnähe; der Bahnbetrieb kann dann dem freien Wettbewerb unterliegen. Ist bei der Bahn nicht anders, als bei Straßen und Autobahnen.
Voraussetzung dafür ist eine effektive Zerschlagung der großen Staatsunternehmen, wie z.B. der Deutschen Bahn. Diese ist aber offensichtlich politisch nicht gewollt. Die Bahnreform ist eben wie viele andere Reförmchen inkonsequent und halbherzig vollzogen worden.

MrX

24.08.2011, 23:34 Uhr

StaMoKap... once and forever. Wo soll man sonst seine alten Buddies unterbringen?

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