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19.01.2011

06:02 Uhr

Schienennahverkehr

Neues Geld für neue Züge

VonEberhard Krummheuer

ExklusivIm Schienennahverkehr müssen die Bahnen Fahrzeuge für mehr als zehn Milliarden Euro bestellen. Damit sind die Auftragsbücher der Bahnindustrie in den nächsten Jahren voll. Doch die Züge wollen auch finanziert sein. Gefragt sind deshalb neue Financiers mit Konzepten jenseits der üblichen Leasingverträge.

Monteure im Bombardier-Werk: Die Bahnindustrie wird in den kommenden Jahren volle Auftragsbücher haben. dpa

Monteure im Bombardier-Werk: Die Bahnindustrie wird in den kommenden Jahren volle Auftragsbücher haben.

DÜSSELDORF. Eigentlich war er bereits im Vorruhestand und baute Wein in Georgien an. Jetzt meldet er sich zurück: Burkhard Schuchmann, der aus dem Gemischtwarenladen Vossloh einen erfolgreichen Bahntechnik-Konzern formte. Der 68-Jährige ist nun Vorstandsvorsitzender einer frisch gegründeten Gesellschaft, der Alternative Rail Investments AG (ARI), in Frankfurt. Das neue Unternehmen will ins Finanzierungsgeschäft des Schienennahverkehrs einsteigen.

Denn da ist einiges zu holen: Mehr als die Hälfte des derzeitigen Zugangebots in Deutschland wird in den nächsten fünf Jahren von Bundesländern, Landeseisenbahngesellschaften und Verkehrsverbünden - den Aufgabenträgern - bei Bahnunternehmen neu bestellt und bezahlt. Das sind rund 350 Millionen Zugkilometer pro Jahr, schätzt Frank Sennhenn, Vorstandschef der Bahn-Tochter DB-Regio.

Für diese Verkehrsleistung werden viele neue Züge gebraucht, die die Bahnunternehmen beschaffen müssen. Pro Million Zugkilometer liege das Investitionsvolumen für neue Fahrzeuge zwischen 20 und 30 Millionen Euro, sagt Sennhenn, das mache insgesamt sieben bis 10,5 Milliarden Euro. Die Bahnindustrie wird also in den nächsten Jahren volle Auftragsbücher haben.

Chance für Mitteständler

Doch die Züge wollen finanziert sein - etwa von Schuchmann. Der kleine schnauzbärtige Manager mit der Silberhaartolle gehörte einige Jahre zu den erfolgreichen Machern der Bahnindustrie. Nach einem Zerwürfnis mit dem Aufsichtsratschef von Vossloh, Kajo Neukirchen, verschwand er vor fünf Jahren in den Vorruhestand. Jetzt will er Netzwerke und Know-how aus seiner Bahn-Zeit einbringen.

Das Nahverkehrsgeschäft läuft häufig auf Leasing-Basis: Die Bahnunternehmen kalkulieren ihr Angebot an die Aufgabenträger auf Grundlage ihrer mit Banken abgestimmten Fahrzeug-Finanzierungen. Faustregel: Wer günstig finanzieren kann, erhöht seine Chancen auf die Auftragsvergabe. Die Kosten liegen bei 15 bis 20 Prozent des Auftragsvolumens und die Leasingraten bei "etwa acht, neun Prozent", schätzt Bernhard Wewers. Er ist Geschäftsführer der Landesverkehrsgesellschaft Schleswig-Holstein und Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs.

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