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14.12.2013

09:39 Uhr

Schienenverkehr

Bahn erhöht ihre Preise

Alle Jahre wieder – kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Preiserhöhung der Deutschen Bahn. Die kommende Fahrplanänderung bringt erneut höhere Kosten für Reisende. Doch es kommt darauf an, wohin man möchte.

Mit dem Fahrplanwechsel schafft die Bahn alljährlich neue Angebote oder modelt andere um – doch eine Konstante gibt es: Tendenziell wird es für die Kunden teurer. dpa

Mit dem Fahrplanwechsel schafft die Bahn alljährlich neue Angebote oder modelt andere um – doch eine Konstante gibt es: Tendenziell wird es für die Kunden teurer.

BerlinMit dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag wird das Bahnfahren wieder teurer. Im Durchschnitt erhöht die Deutsche Bahn die Preise im Nahverkehr um 2,9 Prozent, im Fernverkehr um 1,3 Prozent. Bahnfahrer können aber noch bis Samstag,14. Dezember, Fahrscheine zum alten Preis kaufen – für Reisen, die bis Mitte März angetreten werden, wie das Unternehmen mitteilte.

Auf allen Strecken, die auf den Linien Köln-Berlin und Düsseldorf-Berlin liegen, bleibt es auch danach beim alten Preis. Diese Verbindungen waren von Mitte Juni bis Anfang November von langen Umleitungen betroffen – als Folge einer Streckensperrung während des Elbe-Hochwassers. Die Bahn hofft, mit dem Verzicht auf eine Preisanhebung mehr Kunden an sich binden zu können.

Ab Sonntag bietet die Bahn neue Fernzugverbindungen an. Auf der Strecke von Emden nach Bremen können Reisende erstmals auch IC-Züge mit Nahverkehrsfahrscheinen nutzen. Der Mangel an Zügen zwingt das Unternehmen auch zum Verzicht: Bis Mitte April werden einige ICE zwischen Bremen und Hannover nicht fahren.

Antworten zu den neuen Bahnpreisen

Wann wird die Erhöhung wirksam?

Die neuen Preise gelten für alle Fahrten seit dem 15. Dezember 2013. Für etwa 80 Prozent aller Fahrten des Nahverkehrs gelten jedoch die Tarife eines Verkehrsverbundes. Nur für die übrigen 20 Prozent ist ein Bahn-Regionalticket zu lösen.

Wie viel müssen Bahnfahrer mehr zahlen?

Das kommt darauf an, auf welcher Strecke man unterwegs ist. Mit dem ICE kann es ein bis vier Prozent teurer werden, im Durchschnitt steigt der Normalpreis im Fernverkehr um 2,5 Prozent. Von Stuttgart nach München sind demnächst regulär 57 Euro zu zahlen, 2 Euro mehr als bisher (plus 3,6 Prozent). Im Nahverkehr beträgt die Anhebung für Standardtickets und Zeitkarten um 3,2 Prozent.

Welche Ausnahmen gibt es?

Im Fernverkehr sind etwa die Hälfte aller 360 Millionen jährlichen Fahrten nicht von der Preiserhöhung betroffen. Die Gründe: Zeitkarten werden nicht teurer, auch nicht die auf allen Strecken gültige Jahreskarte Bahncard 100, von der zurzeit rund 40 000 genutzt werden. Außerdem bleiben sämtliche Teilstrecken auf der Linie Düsseldorf-Berlin von einer Anhebung verschont. Das soll ein kleines Dankeschön sein für die vielen Verspätungen, die die Fahrgäste auf dieser Verbindung erdulden müssen. Ein Hochwasserschaden zwischen Hannover und Berlin macht seit Juni Umleitungen nötig. Das bleibt noch bis 4. November so.

Was ist mit den Bahncards und Reservierungsgebühr?

Teurer werden die Bahncard 25 (62 statt 61 Euro) und die Bahncard 50 (255 statt 249 Euro). Bei der Bahncard 100 und allen ermäßigten Bahncards bleibt der alte Preis. Für die Reservierung eines Sitzplatzes sind künftig 4,50 Euro statt 4 Euro zu zahlen. Begründung der Bahn: Sie will weniger „Luftbuchungen“ haben. Gerade Geschäftsreisende buchen gern für mehrere Züge hintereinander Plätze, weil sie nicht genau wissen, wann sie abfahren. Die Quote der Doppelbuchungen liegt bei mehr als 20 Prozent, so die Bahn.

Wie begründet die Bahn die Preiserhöhung?

Die Bahn begründet den Aufschlag vor allem mit höheren Personalkosten. Sie seien wegen der Tariferhöhungen im ersten Halbjahr um vier Prozent gestiegen. Auch der höhere Strompreis habe eine Rolle gespielt. Dabei sei die Bahn an langfristige Verträge gebunden und könne nicht von günstigeren Großmarktpreisen profitieren.

Was sagen die Kritiker?

Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland gefällt die Erhöhung nicht. Noch sei die Leistung der Bahn angesichts vieler Verspätungen und anderer Schwächen nicht gut genug, um sie zu rechtfertigen.

Zwei von 16 bei Siemens bestellten neuen ICE sind derzeit für Tests und Schulungen unterwegs. Das Eisenbahn-Bundesamt hat sie aber noch nicht für Fahrten mit Passagieren zugelassen, wie ein Bahnsprecher am Montag sagte. Das Unternehmen hoffe, die dringend benötigten Züge bald in seine Reserveflotte aufnehmen zu können. Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser nannte die jahrelange Lieferverzögerung bei den ICE vor wenigen Tagen eine „Mega-Peinlichkeit“.

Im Raum Leipzig/Halle verbinden künftig sechs neue S-Bahn-Linien die Zentren mit den Umland. Möglich wird dies durch den neuen City-Tunnel in Leipzig. Dank der neuen Nord-Süd-Achse verkürze sich die Gesamtfahrzeit auf einigen Strecken um bis zu 40 Minuten, kündigte die Bahn an.

Wegen umfangreicher Umbauten am Knotenpunkt Leipzig ändert sich auch die Linienführung im Fernverkehr zwischen Dresden und Frankfurt am Main. So fahren von Frankfurt-Flughafen über Frankfurt-Süd nach Leipzig und Dresden ab Sonntag im Zwei-Stunden-Takt ICE statt Intercitys. Die Städte Bad Hersfeld, Gotha, Weimar und Naumburg erhalten damit wieder regelmäßige ICE-Anschlüsse.

Von

dpa

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