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02.03.2013

11:42 Uhr

Schimmel in Futtermittel

Der Kampf gegen den Lebensmittelpfusch

Pferdefleisch in der Lasagne, Bio-Eier, die keine sind, und nun Schimmel in Futtermittel: Die Lebensmittelskandale häufen sich. Experten diskutieren, wie diese verhindert werden können – mit mehr Bio oder mehr Kontrolle?

Pferdefleisch in der Lasagne, Bio-Eier, die keine sind, und nun Schimmel in Futtermittel: Die Lebensmittelskandale häufen sich. dpa

Pferdefleisch in der Lasagne, Bio-Eier, die keine sind, und nun Schimmel in Futtermittel: Die Lebensmittelskandale häufen sich.

Düsseldorf/Hamburg/HannoverÖko-Produkte wie Bio-Milch bieten nach Expertenmeinung nur bedingt mehr Schutz vor Lebensmittelskandalen. „Ich denke, dass man vielleicht eine größere Zahl von Kontrollen hat im Bereich der ökologischen Produktion, dass aber Vorfälle auch bei Bio-Produkten nicht verhindert werden können“, sagte Professor Michael Kühne von der niedersächsischen Kontrollbehörde Laves der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Derzeit versuchen die Behörden zu klären, welches Risiko von giftigem Tierfutter ausgeht. Hunderte Milchhöfe wurden wegen des Futters gesperrt.

Nach ersten Erkenntnissen sind Bio-Betriebe von dem Skandal um verseuchtes Tierfutter aus Serbien nicht betroffen. „Der Mais war nicht bio-zertifiziert“, sagte ein Sprecher des Hamburger Unternehmens, die verschimmelte Ware importiert hatte, der „taz.die tageszeitung“ (Samstag).

Die Kosten für ein Frühstücksei

Ei aus Biohaltung

Angesichts der unterschiedlichen Arten der Haltung variieren die Kosten für die Erzeugung eines Eis deutlich. Nach Auskunft der niedersächsischen Landwirtschaftskammer in Oldenburg schlagen die Direktkosten für ein Ei aus Biohaltung mit 13,6 Cent zu Buche. Werden auch die Abschreibung auf den Stall und andere Festkosten angesetzt, liegt der Vollpreis bei 16,5 Cent.

Ei aus Freilandhaltung

Hier nennt die Kammer 9,02 Cent an Direkt- und 11,4 Cent an Vollkosten.

Ei aus Bodenhaltung

Bei der Bodenhaltung, sitzen ebenfalls maximal 18 Tiere in einer Volière, haben aber keinen angeschlossenen Auslauf. Durch den geringeren Energieverbrauch der Legehennen - die ja auf engem Raum zusammenhocken - ist auch der Futterverbrauch geringer. Das schlägt sich wiederum in den Kosten nieder: Ein so produziertes Ei kommt auf Direktkosten von 7,8 Cent und Vollkosten von 9,4 Cent.

Für die Herstellung von Bio-Produkten gelten andere Regeln als bei der herkömmlichen Agrarindustrie. So unterliegen beispielsweise schon die Futtermittel für Bio-Tiere anderen Vorgaben. „Kontrollen gibt es mehr, das sicher“, sagte Laves-Experte Kühne. Die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme schneller offensichtlich werden, „ist also möglicherweise größer“. Die Öko-Produktion sei aber nicht grundsätzlich weniger anfällig. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied forderte deshalb generell bessere Kontrollen der Hersteller. Um einen Befall mit Schimmelpilzen auszuschließen, müsse das Futtermittelmischwerk entsprechende Kontrollen machen, zum Beispiel Eingangskontrollen der Rohprodukte, sagte Rukwied der „Rheinischen Post“ vom Samstag. Die Landwirte, die das mit gefährlichem Schimmelpilz-Gift verseuchte Futtermittel verfütterten, treffe keine Schuld. Sie müssten davon ausgehen, dass sie Futtermittel in einwandfreiem Zustand geliefert bekämen und hätten keine Chance, einen Schimmelpilz wie Aflatoxin zu erkennen, sagte Rukwied weiter.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte die Informationspolitik der Hersteller. Im konkreten Fall habe die Firma offenbar bereits im Dezember gewusst, dass der importierte Mais aus Serbien mit dem krebserregenden Schimmelpilz verseucht war, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt dem Radiosender NDR Info. Die Behörden seien aber nach Angaben des Unternehmens erst am vergangenen Donnerstag informiert worden.

„Das ist ein Muster, das wir aus der Vergangenheit kennen: dass die Beteiligten der Futtermittelwirtschaft sich erst dann an die Behörden wenden, wenn bestimmte Teile oder auch ganze Lieferungen von Futtermitteln nicht nur eingemischt, sondern auch verfüttert worden sind“, erklärte Wolfschmidt. Am Freitag war bekannt geworden, dass rund 10.000 Tonnen aus Serbien importierter, verseuchter Mais als Futtermittel an 3560 Betriebe mit Rindern, Schweinen und Geflügel verteilt wurden. Eine Gefährdung der Verbraucher ist nach Angaben der Behörden aber unwahrscheinlich.

Auch Kühne warnte vor Panik. So seien die bisher entdeckten Werte in dem verschimmelten und damit giftigem Futter viel zu gering, als dass daraus über den Umweg der Kuh am Ende in einer Milchtüte eine Krebsgefahr für die Verbraucher entstehe. Die menschliche Leber sei imstande, die bisher entdeckten Werte gefahrlos abzubauen.

Wer alles Pferd gefunden hat

Aldi Nord

In „Tiefkühl Penne Bolognese 750 g“ und „Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind“ hat Aldi Nord Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei nur in den Regionalgesellschaften im Raum Magdeburg, im Raum Süd-Ost-Berlin, in Süd-Ost-Brandenburg und in Hoyerswerda vertrieben worden. Die „Tiefkühl Penne Bolognese“ eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden.

Ende Februar nahm Aldi Nord zudem Zigeuner Hacksteaks des Lieferanten Wingert Foods aus dem Sortiment.

Aldi Süd

Aldi Süd nahm Dosen-Ravioli und -Gulasch aus den Regalen. Bei Analysen wurden bei den Produkten nach Angaben des Discounters "Anteile von Pferdefleisch" nachgewiesen. Es handelt sich demnach um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" der Eigenmarke "Cucina" vom Lieferanten BLM sowie um "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)" des Lieferanten Omnimax, das ausschließlich in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

Edeka

Edeka stellte in Stichproben von Lasagne der Eigenmarke "Gut & Günstig" nach eigenen Angaben "geringe Pferdefleisch-Anteile" fest. Der Verkauf des Tiefkühlprodukts wurde gestoppt. Deutschlands größte Supermarktkette prüft weitere Artikel. Bei anderen Produkten liegen demnach aber bislang "keine Hinweise auf vergleichbare Probleme" vor. Laut Verbraucherzentrale Hamburg wurden auch Filialen der regionalen Supermarktkette Konsum Leipzig in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Edeka-Lasagne beliefert.

Eismann

Eismann stellte in zwei Lasagne-Produkten Pferdefleisch fest. Den Verkauf der betroffenen Ware stoppte der Tiefkühl-Heimservice nach einem ersten Verdacht. Verbraucher können die Ware Eismann-Verkäufern zurückgeben und bekommen das Geld zurück. Weitere Produkte neben der Lasagne sind laut Eismann nicht betroffen.

Ikea

Tschechische Behörden haben Ende Februar in gefrorenen Hackbällchen („Köttbullar“) Pferde-DNA nachgewiesen.

Kaiser's Tengelmann

Kaiser's Tengelmann nahm Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Die Supermarktkette rechnet inzwischen fest damit, dass das Tiefkühl-Produkt neben Rindfleisch auch Pferdefleisch enthält. Kaiser's Tengelmann wurde eigenen Angaben zufolge vom französischen Hersteller Comigel offiziell informiert, dass die von ihm für seine Kunden hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten". Kaiser's Tengelmann hat auch eigene Tests beantragt, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist.

Lidl

Lidl stoppte in Deutschland den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten. Der Hersteller der Nudelprodukte, Hilcona aus dem Fürstentum Liechtenstein, erklärte, er verarbeite selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe dieses von Lieferanten. Das mit Pferdefleisch durchsetzte Rindfleisch für die Tortelloni lieferte demnach die Firma Vossko aus Ostwestfalen. Sie wiederum prüft nun, welcher ihrer Lieferanten rohes Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte.

Real

Real rief "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück. Bei Laboruntersuchungen mit dem Produkt der Eigenmarke war in "einzelnen Stichproben" Pferdefleisch gefunden worden.

Rewe

Rewe nahm sowohl Produkte aus dem Sortiment, welche die Supermarktkette unter ihrem eigenen Namen verkaufte, als auch Produkte eines Markenherstellers. Betroffen sind "Rewe Chili con Carne" und "Rewe Spaghetti Bolognese", die laut Rewe vom Unternehmen SGS Geniesser Service hergestellt wurden, sowie "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip. Bei den Produkten der Eigenmarke und des Markenherstellers konnten die Produzenten Rewe zufolge nicht ausschließen, dass diese Anteile von Pferdefleisch enthalten.

Nestlé

Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudel-Produkten nachgewiesen worden, für die ein deutsches Unternehmen Fleisch geliefert habe, teilte der Schweizer Konzern in einer Erklärung mit. Die in Italien und Spanien verkauften Sorten Buitoni-Rindfleischravioli und Rindfleisch-Tortellini seien daraufhin sofort freiwillig vom Markt genommen worden. In Deutschland würden diese Gerichte nicht vertrieben.

„Nur wenn das länger geht, ist irgendwann diese Kapazität erschöpft und dann kommt es auch zu Veränderungen der Leber. Erst zu Verfettungen und dann eben auch zu Veränderungen, die bis zum Tumor gehen können“, sagte Kühne, der die Untersuchungseinrichtungen im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) leitet. Entwarnung dürfe indes niemand geben, bevor die Untersuchungen Klarheit geschaffen haben. „Die Stoffe sind giftig, ganz klar.“

Kommentare (4)

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02.03.2013, 12:31 Uhr

Wo ist unsere Fr. Aigner, die es wieder mal in einem 10 Punkteplan richten möchte? Nach dem 3. Skandal in 3 Wochen kann zeigt das nicht davon irgendetwas unter Kontrolle zu haben oder wirklich etwas zum Besseren ändern zu wollen. Und Wählerstimmen gewinnt man so auch nicht. Aber da ist sie in guter Runde mit den Röslers und Schröders dieser Welt.

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02.03.2013, 13:13 Uhr

Am besten kontrolliert jeder sein Essen selbst.
Die Menschenfütterung ist ja inzwischen kaum noch ein Unterschied zur Tierfütterung, nur das Menschen für ihr Futter zahlen müssen und sich einige damit tatsächlich gesundes Essen kaufen können.

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02.03.2013, 13:38 Uhr

Wie man diese Skandale verhindern kann? Eigentlich ganz einfach: Schluß mit dem ganzen Verordnungs- und Subventionsirrsinn, der von Brüssel gesteuert wird. Ohne diese Monsterorganisation wären solche Skandale schlicht nicht möglich.

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