Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2013

12:54 Uhr

Schlammschlacht bei Praktiker

„Es ist nur darum gegangen, seinen Arsch zu retten“

Die Ex-Großaktionärin Isabella de Krassny greift das Management der insolventen Baumarkt-Kette Praktiker und den Aufsichtsrat an. Vor allem der ehemalige Vorstandschef Thomas Fox muss heftig einstecken.

Fondsmanagerin Isabella de Krassny: Sie vertrat bei Praktiker den zypriotischen Großinvestor Maseltov sowie die österreichische Privatbank Semper Constantia. dpa

Fondsmanagerin Isabella de Krassny: Sie vertrat bei Praktiker den zypriotischen Großinvestor Maseltov sowie die österreichische Privatbank Semper Constantia.

DüsseldorfNach der Pleite der Baumarkt-Kette Praktiker liefern sich ehemalige Investoren und Manager einen heftigen Streit um die Verantwortung für die Insolvenz. Die frühere Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny griff die früheren Vorstände und Aufsichtsräte des Konzerns scharf an. „Diesem Aufsichtsrat ist es zwei Jahre nur darum gegangen, seinen Arsch zu retten“, sagte sie gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Capital“.

Dem ehemaligen Vorstandschef Thomas Fox warf de Krassny indirekt vor, die Insolvenz des Unternehmens bereits im Frühjahr 2012 provoziert zu haben. Sie habe zunächst gar nicht verstanden, „was der Herr Fox in Wahrheit vorhat“, sagte de Krassny. Erst durch Hinweise aus dem Umfeld des Konzerns habe sie von Vorbereitungen für eine Insolvenz erfahren. Auf Anfrage des Magazins wies Fox den Vorwurf zurück. Die Insolvenz sei keinesfalls sein Ziel gewesen, sagte er.

Ex-Großaktionärin de Krassny bezifferte ihren persönlichen Verlust durch das Engagement bei Praktiker auf rund 15 Millionen Euro. Den Verdacht, sie habe mit Insider-Geschäften noch am Niedergang ihres Unternehmens verdient, wies sie zurück. Zugleich kritisierte sie die hohen Ausgaben des Managements für externe Beratung in den vergangenen Jahren. „Es gibt keinen Berater, den wir nicht hatten. Es ist unfassbar“, sagte de Krassny.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Laut „Capital“ gab Praktiker allein in den Jahren 2011 und 2012 rund 70 Millionen Euro für Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Finanzdienstleistungen aus. Im ersten Halbjahr 2013 kam ein zweistelliger Millionenbetrag hinzu. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem Magazin vorliegen. Für seine Sanierung nahm der Konzern seit 2012 insgesamt 175 Millionen Euro am Kapitalmarkt auf. Zu den größten Profiteuren gehörten die Wirtschaftskanzlei Freshfields sowie die Unternehmensberatungen Roland Berger, Boston Consulting Group und McKinsey.

Ein vernichtendes Zeugnis für den Praktiker-Aufsichtsrat stellte auch der ehemalige Kontrolleur Alexander Eichner aus. „Dieser Aufsichtsrat war geprägt von Eitelkeiten, Seilschaften, Verschleierung, Claqueuren, Schweigern, Intransparenz und Beißhemmungen. Es gab kein Durchkommen“, sagte er. Der Sanierungsexperte Eichner war Ende 2012 in das Kontrollgremium eingezogen, legte das Mandat aber bereits nach drei Monaten nieder.

Der langjährige Auslandsvorstand, Michael Arnold, räumte strategische Fehler von Vorstand und Aufsichtsrat ein. Die Billig-Kampagne „20 Prozent auf alles“ habe das Unternehmen in eine Falle geführt. „Natürlich haben wir gesehen, dass das nicht gut geht. Aber niemand von uns wusste, wie wir da wieder rauskommen“, sagte er zu „Capital“.

Der Praktiker-Konzern hatte vor knapp einem Monat Insolvenzantrag gestellt. Betroffen waren zunächst die Baumärkte der Marken Praktiker und Extra Bau+Hobby. Für die Marke Max Bahr beantragte der Konzern zwei Wochen danach ein Insolvenzverfahren. Bei Max Bahr und Praktiker sind insgesamt etwa 15.000 Menschen beschäftigt.

Von

ck

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

schleckerchens_praktiker

21.08.2013, 13:34 Uhr

Fein:
"Den eigenen Arsch zu retten".

Wovor eigentlich?
Vor den eigenen Märkten?

Na das wird die Damen und Herren Insolvenzverwalter aber auch wirklich freuen - bis zur Honorarabrechnung.

Und Berlin erst wird überaus angenehm erfreut sein über dieses Unternehmertum - bis auf die Steckdose.

Account gelöscht!

21.08.2013, 13:37 Uhr

Berater bis der Arzt kommt? Für welche unternehmerischen Aufgaben wurden denn die Bereichsvorstände entlohnt?


unbeteiligter_beobachter

21.08.2013, 13:51 Uhr

schlecker wurden lediglich 71 Millionen verweigert für die Chuzpe...

Es könnte allerdings geschehen, dass Praktiker richtig was auf die Mütze bekommt: und zwar vollkommen ohne Pardon.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×