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02.02.2011

20:24 Uhr

Schlechte Investition

Investor Apax will Call-Center abstoßen

VonSönke Iwersen

Viele deutsche Telefondienstleister stecken in der Krise. Darum wollen Finanzinvestoren nun schnell aus den unrentablen Investments aussteigen und so den Schaden begrenzen. Doch die Bedingungen für einen Verkauf sind schlechter denn je.

Feierabend: Viele Call-Center arbeiten nach der Krise nicht rentabel. dpa

Feierabend: Viele Call-Center arbeiten nach der Krise nicht rentabel.

DÜSSELDORF. Der fünftgrößte Call-Center- Betreiber Deutschlands, die D+S Europe, will sich von seinen Call-Centern trennen und nur noch auf sein E-Commerce-Geschäft konzentrieren. Wie mehrere mit dem Vorhaben vertraute Personen dem Handelsblatt bestätigten, befindet sich D+S derzeit auf der Suche nach einem Käufer für seine 15 Call-Center mit 4 300 Mitarbeitern. Die Strategie des Finanzinvestors Apax, als Eigentümer von D+S die Gruppe auszubauen und einen Wachstumskurs zu unterstützen, ist damit gescheitert. Das Call-Center-Geschäft von D+S war zuletzt rückläufig und kaum profitabel. Dabei war das Unternehmen, 1984 von Alexander Duhre und Hans-Jörg Stiens in Hamburg gegründet, einer der Vorreiter der Branche und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem attraktiven Unternehmen.

Das Übernahmeangebot, das Apax im April 2008 vorlegte, bewertete die D+S-Gruppe mit 500 Millionen Euro. Als Zeichen seiner guten Absichten finanzierte Apax den Deal ausschließlich mit Eigenkapital. Der Finanzinvestor sagte zu, weiteres Geld in das Unternehmen zu stecken, und gelobte, am Management festzuhalten.

Das Versprechen hielt nicht lang. 2007, im Jahr vor dem Verkauf, hatte D+S noch grandioses Wachstum gezeigt – plus 42 Prozent beim Umsatz und plus 73 Prozent beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). 2008 investierte Apax über eine Kapitalerhöhung 42 Millionen Euro, der Umsatz von D+S stieg um 29 Prozent, blieb mit 299 Millionen Euro aber schon hinter dem Ziel von 320 Millionen Euro zurück. Das Ebitda stieg um vier Prozent auf 47,3 Millionen Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) fiel um 25 Prozent.

Im Juli 2009 tauschte Apax bei D+S den Finanzvorstand Henning Soltau aus, drei Monate später musste auch Vorstandschef Achim Plate gehen. Beim Kauf im April 2008 hatte sich Apax verpflichtet, mindestens 50 Prozent des Grundkapitals drei Jahre lang zu halten. Diese Frist läuft nun ab. Apax will laut Unternehmenskreisen nur noch an dem E-Commerce-Geschäft festhalten, das in der Netrada GmbH gebündelt ist. Der Erlös aus dem Verkauf der Call-Center solle in Netrada investiert werden, heißt es. Mittelfristig gelte Netrada als Kandidat für einen Börsengang.

Aktuell allerdings sind die Börsenpläne für Apax nur ein Hoffnungsschimmer. Zunächst steht fest, dass der Finanzinvestor mehr als 500 Millionen Euro in ein Investment gesteckt hat, von dem er nun einen notleidenden Großteil abstoßen will. Zu der Frage, warum die Call-Center von D+S verkauft werden sollen, wollte Apax auf Anfrage nicht Stellung nehmen.

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