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30.01.2014

15:18 Uhr

Schlechtes Geschäft

Strauss Innovation steht vor der Insolvenz

VonCarina Kontio, Lukas Bay

Das traditionsreiche Handelshaus Strauss steht kurz vor der Insolvenz – und will unter den Schutzschirm. Doch das Unternehmen gehört dem Investor Sun Capital, unter dessen Herrschaft schon Neckermann abgewickelt wurde.

Strauss stehen schwere Wochen bevor. dpa

Strauss stehen schwere Wochen bevor.

DüsseldorfDie Warenhauskette Strauss Innovation steht vor der Insolvenz. Das Unternehmen mit Sitz in rheinischen Langenfeld hat vor dem Düsseldorfer Amtsgericht einen Antrag eingereicht, um ein so genanntes Schutzschirmverfahren einzuleiten, heißt es in einer Pressemitteilung von Strauss. Drei Monate hat die Handelskette nun Zeit, einen Insolvenzplan zu erstellen.

Das Verfahren biete Strauss Innovation die Chance, mehr Gestaltungsspielräume für die Fortführung des Unternehmens zu schaffen, so Strauss. Damit könne das Unternehmen wieder auf eine gesunde Basis gestellt werden.

Das Schutzschirmverfahren ist eine Art Vorstufe zur Insolvenz. Es gibt Unternehmen, die noch nicht zahlungsunfähig sind, denen aber die Pleite droht, drei Monate Zeit, sich ohne Zugriff der Gläubiger zu sanieren. Die Geschäfte werden in dieser Zeit fortgeführt, die Läden bleiben geöffnet. Nach Ablauf der Frist muss das Gericht über eine Insolvenz entscheiden. „Dieser Schritt ist nicht einfach, bietet jedoch dem Unternehmen in der jetzigen Situation die größtmöglichen Chancen. Dabei zählen wir auf die Unterstützung aller Beteiligten“, sagt Paula Minowa, Geschäftsführerin von Strauss Innovation.

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Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Bundesweit beschäftigt das Unternehmen 1400 Menschen in 96 Filialen, der Zentrale und dem Logistikzentrum. Gelingt die Rettung nicht, wäre es das Ende eines 112-jährigen Traditionsunternehmens.

Was dann aus den Filialen wird ist unklar. Den Mitarbeitern wurde das Januargehalt nicht mehr durch die Firma ausgezahlt, sondern durch die Arbeitsagentur, meldet die „Bild“. Sie seien in Betriebsversammlungen über die weiteren Schritte informiert worden. Die gerichtliche Zustimmung steht noch aus, auch ein Insolvenzverwalter wurde noch nicht benannt.

Verantwortlich für die Schieflage soll der harte Winter 2012/2013 sein. Das Frühjahrsgeschäft und der damit verbundene Umsatz mit Saisonware sei ausgeblieben. Diesen Effekt hatten allerdings auch die Warenhausketten Kaufhof und Karstadt beklagt.

Das Management weist in der Pressemitteilung darauf hin, dass bereits im Jahresverlauf 2013 eine Reihe strategischer Maßnahmen eingeleitet worden sei, die „im nun laufenden Geschäftsjahr greifen werden.“ Dazu zählen unter anderem eine Verbesserung der Lieferkette, um Kunden eine bessere Verfügbarkeit der aktuellsten Produkte zu bieten „und ihnen mehr Zeit bei der Beratung widmen zu können. Gleichzeitig führen diese Maßnahmen zu einer Erhöhung der Profitabilität.“ 

Kommentare (3)

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hartmutprozessiertfuerseinerente

30.01.2014, 16:29 Uhr

Das Schutzschirmverfahren ist die Fortsetzung des seit Jahren betriebenen Versuchs, den Vermietern Schaden zuzufügen. Dabei geht die Firma auffällig durchdachte, raffinierte und komplizierte Wege, die sich dem oberflächlichen Betrachter zunächst nicht offenbaren. Die Antrag der Firma ist auf Schaden bei den Vermietern ausgerichtet und damit sittenwidrig. Er verstößt jedenfalls aus den genannten Gründen gegen den Grundsatz von Treu und Glauben.

Schulze

30.01.2014, 19:34 Uhr

Sollten sich beeilen, die scheinbar erfolgreichen Konzepte in den restlichen Läden auch umzusetzen. Für Köln und Hannover hatte ich im letzten Jahr jedenfalls eher den Eindruck, dass es eher noch chaotischer zugehen würde :-(

Workless

31.01.2014, 11:26 Uhr

SUN-Capital wird auch dieses Unternehmen fallen lassen.
Mitarbeiter interessieren nicht, nur Gewinn.
Das beste Beispiel hierfür ist Neckermann.

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