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25.05.2012

12:24 Uhr

Schlecker-Insolvenz

Berggruen vor seiner zweiten Rettung

Heute beraten die Gläubiger von Schlecker, ob das Unternehmen eine Zukunft hat. Ein möglicher Retter hat sich offiziell vorgestellt: Nicolas Berggruen. Auch Finanzinvestoren schielen auf die Drogeriemärkte.

Rettet Berggruen auch Schlecker?

Video: Rettet Berggruen auch Schlecker?

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FrankfurtDer Investor Nicolas Berggruen könnte nach der Übernahme von Karstadt auch für die Schlecker-Mitarbeiter zum Retter werden. „Wir stehen in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter“, sagte ein Sprecher Berggruens. Eine Entscheidung über die Zukunft der insolventen Drogeriemarkt-Kette könnte bereits heute fallen. Am späten Vormittag trifft sich der Gläubigerausschuss von Schlecker.

Aus dem Umfeld von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz war zuletzt verlautet, die Chancen für den Verkauf des gesamten Unternehmens an einen Investor hielten sich die Waage mit einer möglichen Zerschlagung in einzelne Teile. Neben Berggruen zählen Finanzinvestoren zu den Interessenten, die eine Übernahme der zusammengebrochenen Kette mit zuletzt noch rund 3.200 Filialen in Deutschland erwägen. Nachdem mehrere mögliche Käufer einen Rückzieher gemacht hatten, waren zuletzt noch drei Bieter im Rennen, hieß es im Umfeld des Insolvenzverwalters.

Schleckers Aufstieg und Fall

Drogerieriese und Familiengeschichte

Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:

1944

Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren

1965

Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.

1974

Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.

1975

Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.

1977

Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.

1984

Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.

1987

Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich

Dezember 1987

Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück

1990er

Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.

1994

Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.

2007

Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"

1998

Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.

2008

Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz

2010

Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.

November 2010

Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium

2011

Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)

2012

Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.

Karstadt-Investor Berggruen schaue sich Schlecker schon etwas länger an, hieß es. Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten in ihrer Freitagausgabe, Berggruen sei vor zwei Wochen in den Verkaufsprozess eingestiegen. Die Information wurde Handelsblatt Online aus Finanzkreisen bestätigt. Berggruen sei an dem gesamten Konzern interessiert und biete zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Auch das „manager magazin“ schrieb, Berggruen sondiere einen Einstieg bei Schlecker. Er wolle die übrig gebliebenen Teile aufkaufen und verwerten. Der Insolvenzverwalter wollte sich dazu nicht äußern.

In Medienberichten wurde zudem der US-Finanzinvestor Cerberus als Interessent genannt, der zuletzt in Deutschland mehrere Immobilienpakete erwarb. Cerberus wollte sich aber nicht dazu äußern. Belastet wird die Suche nach einem Käufer für das gesamte Unternehmen von mehr als 4.000 Kündigungsschutzklagen ehemaliger Mitarbeiter. Der Insolvenzverwalter hatte rund 10.000 Beschäftigte vor die Tür gesetzt, derzeit arbeiten noch rund 16.000 Menschen für die einst größte Drogeriekette in Deutschland.

Kommentare (1)

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rossmika

25.05.2012, 12:40 Uhr

Berggruen ist kein Retter. Man muss sich nur mal sein Engagement in den USA anschauen. Sein Heuschrecken Institut hat den Menschen bzw. Kommunen/Städten den Rest gegeben.

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