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13.12.2013

09:52 Uhr

Schlecker-Mitarbeiter

Hilfsfonds läuft aus

Unangenehme Nachricht für frühere Schlecker-Mitarbeiter: Der Hilfsfonds, aus dem sie bislang unterstützt wurden, soll zum Jahresende geschlossen werden. Die Zahl der Betroffenen – meist Frauen – ist nach wie vor hoch.

Schlecker-Mitarbeiter - meist Frauen -, die noch keine neue Arbeit gefunden haben, müssen ab 2014 mit weniger Unterstützung auskommen. dpa

Schlecker-Mitarbeiter - meist Frauen -, die noch keine neue Arbeit gefunden haben, müssen ab 2014 mit weniger Unterstützung auskommen.

StuttgartNach dem Aus der Drogeriemarktkette hatte die Paul-Schobel-Caritas-Stiftung den Hilfsfonds vor gut eineinhalb Jahren gegründet und rund 73.000 Euro an frühere Beschäftigte der insolventen Drogeriemarktkette gezahlt. Die Gewerkschaft Verdi teilte jetzt in Stuttgart mit, der Fonds werde geschlossen.

Insgesamt wurden den Angaben nach fast 170 Ex-Schlecker-Mitarbeiter unterstützt, darunter vor allem Frauen. Nach Verdi-Angaben sind von den 25.000 arbeitslos gewordenen Beschäftigten noch immer 9600 ohne Arbeit. Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet.

Die Lehren aus der Schlecker-Pleite

Der Fachmann

Roland Alter hat das erste Buch über die Schleckerpleite geschrieben. Die frühere Siemens-Führungskraft ist heute Professor für Betriebswirtschaft und erfolgreicher Autor. In seinem Buch „Schlecker oder: Geiz ist dumm“ (Rotbuch Verlag) hat er die Gründe für den Niedergang analysiert und acht Lehren daraus gezogen...

Kultur des Vertrauens

Mitarbeiter bringen auf Dauer nur Top-Leistungen, wenn die Vertrauens- und Wertekultur in einem Unternehmen stimmt. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Anton Schlecker entsprach nicht dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Selbst das Prinzip der Wahrheit wurde bei Schlecker mit Füßen getreten.

Kritischer Input von außen

Meinungen von außen sind wie frische Luft. Doch statt eines offenes Fensters gab es bei Schlecker nur Mauern. Dabei kann ein Familienunternehmen mit einem gut besetzten Beirat viel erreichen, ohne nennenswert Geld ausgeben zu müssen oder Geheimnisverrat fürchten zu müssen.

Uhren aufhängen statt Zeit ansagen

Studien haben bewiesen: In langfristig erfolgreichen Unternehmen sind die Strukturen so, dass es nur bedingt auf Einzelpersonen ankommt. Um ein Bild zu benutzen: Lieber Uhren aufhängen als ständig die Zeit anzusagen.

Professionalität im strategischen Management

Ein Unternehmen braucht nicht eine Strategie – es braucht für jede Situation die richtige Strategie. Daran ist Schlecker brutal gescheitert. Es braucht einen Mix aus Erfahrung, Intuition und Branchenkenntnis. In dieses Know-how muss ein Unternehmen entsprechend investieren.

Entscheiden, solange entschieden werden kann

Bei Schlecker passierte vieles viel zu spät. Die Medizin wurde verabreicht, als der Patient nicht mehr zu retten war. Rechtzeitig die richtigen Entscheidung vorzubereiten klingt trivial, ist aber ein Kardinalfehler vieler kriselnden Unternehmen á la Schlecker.

Ressourcen für eine neue Strategie bereitstellen

Die beste Strategie, die wirklich zur Rettung taugen könnte, nützt nichts, wenn die Mittel fehlen, um sie umzusetzen. Gerade während einer Aufholjagd braucht es alle möglichen Ressourcen. Auch die wurden bei Schlecker nicht bereitgestellt.

Mit der Öffentlichkeit professionell kommunizieren

Image ist immer mit Vertrauen verbunden. Und Schlecker ging mit seiner Imagekrise alles andere als professionell um. Die Öffentlichkeit sollte das Handelns eines Unternehmens verstehen. Dazu gehört auch eine effektive Kommunikation mit den Medien. Das alles gab es bei Schlecker nicht.

Den richtigen Zeitpunkt zum Gehen finden

Wenn Investoren und Mitarbeiter neues Vertrauen schöpfen sollen, braucht es bisweilen auch personelle Veränderungen. Bei Schlecker war das fraglos so, doch Anton Schlecker verpasste den Abschied gleich mehrfach. Dabei sollte eine Firmenübergabe immer dann stattfinden, wen es dem Unternehmen möglichst gut geht.

Im Sommer erst war eine Hoffnung zunichte geworden. Statt in Deutschland zu expandieren, war für den österreichischen Schlecker-Nachfolger Dayli alles aus. Das Unternehmen wurde insolvent und musste schließen. Der Markt gilt als extrem umkämpft. Kürzlich meldete die Drogeriekette Rossmann zwar ein zweistelliges Wachstum in diesem Jahr, aber der Rekordgewinn von 220 Millionen Euro vor Steuern aus 2012 werde in diesem Jahr nur schwer zu toppen sein - "obwohl der Umsatz kräftig steigt“, wie der Firmengründer Dirk Roßmann sagte. Er betonte, dass nach der Schlecker-Pleite neben dem Wettbewerber dm auch Supermärkte und Discounter verstärkt für Konkurrenz sorgten.

Insolvenz: Unser Leben nach Schlecker

Insolvenz

Unser Leben nach Schlecker

Vor einem Jahr ging die Drogeriekette pleite. Die ehemaligen Angestellten Andrea Straub und Elfriede Wais wollten ihren eigenen Laden gründen. Eine Geschichte von Erfolg und Scheitern.

Auch dm meldete im Oktober ein starkes Wachstum. Der Umsatz habe um zwölf Prozent auf 7,7 Milliarden Euro zugelegt, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Die Karlsruher hatten nach eigenen Angaben einen Marktanteil bei Drogeriewaren von mehr als 20 Prozent. Im März 2012 lagen sie noch bei 18,5 Prozent, gefolgt von Aldi mit knapp zwölf Prozent. Der Rivale Rossmann lag damals bei knapp elf Prozent.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Freidenker

13.12.2013, 10:53 Uhr

Diese ganze miese PATRIARCHENSYSTEM seid dem Mittelalter hat sich nicht geändert!!

Und wieder werden Frauen in die Armut entlassen. Kein Wunder, dass sie Deutsche Frauen keine Kinder mehr anschaffen! Gebildete schon mal gar nicht. Da es in der BRD NUR UMS GELD UND PROFIT GEHT!! Nichts anderes war die NS-Zeit! Alles alles beim Alten in Deutschland!

vanessa2012

13.12.2013, 14:05 Uhr

Meine Freundin hat 12 Jahre als VVW bei Schlecker gearbeitet. Nun wurde ja zwischen dem Insolvenzverwalter und Herrn Schlecker ein Vergleich geschlossen. Wie ist das bei einem Einzelunternehmen möglich ??? Als Einzelunternehmer haftet man doch mit seinem gesamten Vermögen !? Warum trifft das bei dem höchst kriminellen Schlecker nicht zu ??? Warum darf er in Saus und Braus weiterleben während tausenden Schleckerfrauen nicht wissen wie Sie über die Runden kommen sollen ?
Also Rechtsstaat sieht bei mir anders aus. Jeder kleine Bürger wird bei einer Insolvenz nackig gemacht, höchstwahrscheinlich auch einige der Schleckerfrauen. Während dessen lacht sich der Verursacher ins Fäustchen. Pfui !!!

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