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15.04.2012

14:47 Uhr

Schlecker-Mitarbeiterin

Kerstin Mayer hat ausgedient

VonFrank Drieschner
Quelle:Zeit Online

13 Jahre arbeitete sie bei Schlecker, jetzt muss Kerstin Mayer gehen. Die Geschichte eines langjährigen Arbeitsverhältnisses.

Die Stühle in den Schlecker-Filialen sind leer. dpa

Die Stühle in den Schlecker-Filialen sind leer.

„Meine Filiale“, das sagt sie immer noch. 13 Jahre war sie bei Schlecker, zuletzt als eine Art Wanderarbeiterin, abgemahnt, gekündigt, weiterbeschäftigt und wieder gekündigt. Und immer noch spricht sie von „meiner Filiale“, wenn sie erzählt, wie sie damals diese Schlecker-Verkaufsstelle „aufgebaut“, mit eigenem Werkzeug renoviert und einmal über Nacht einen Umzug mitgemacht hat.

„Das darf niemand wissen“, hätten ihre Vorgesetzten gesagt. Dass Frauen wie sie einmal zum Politikum werden würden, hätte sich Kerstin Mayer aus Kirchheim bei Stuttgart nie träumen lassen. Nun sind sie es, die „Schlecker-Frauen“.

Ein Job bei Schlecker garantierte in der Öffentlichkeit schon immer einen Opferstatus. Erst waren die Schlecker-Frauen Opfer schikanösen Managements, dann ökonomischen Missmanagements. Jetzt werden sie zu Opfern politischer Mobilisierungsstrategien. Je mehr ein Betrachter die FDP verabscheut, die eine Transfergesellschaft für die Schlecker-Frauen verhinderte, desto bedauernswerter muss er deren Lage offenbar finden.

Es gebe Schlimmeres, als vom Kapital ausgebeutet zu werden, schrieb Hans Magnus Enzensberger einmal, nämlich vom Kapital nicht ausgebeutet zu werden. Das ist ein cooler kleiner Satz, er passt gut zu einem Schreibtisch in München-Schwabing mit Blick auf den Englischen Garten.

Aber er passt auch zu dem Küchentisch vierzig Kilometer südöstlich von Stuttgart. Der Tisch ist abgewetzt, die Küche neu. Es ist das Land der Häuslebauer, die Mayers sind im Herbst eingezogen, Endreihenhaus, 114 Quadratmeter, aus dem Fenster sieht man ihren Geländewagen. Nun haben sie eine viertel Million Euro Schulden, und Kerstin Mayer hat keinen Job mehr.

36 Jahre ist sie alt, Hauptschule, keine Ausbildung, eine Zeit lang arbeitslos. Dann Schlecker.

Kommentare (21)

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Ich

15.04.2012, 15:57 Uhr

Wenn sich ein 4-Personen-Haushalt mit gerade mal 2.700 € Netto-Einkommen im Monat 250.000 € Schulden für ein Haus an den Hals hängt und dann einer der beiden Verdiener arbeitslos wird dann weckt das bei mir kein Mitleid sondern nur Unverständnis. Der Höhepunkt ist dann noch, dass die Frau nicht mal einen Führerschein hat und damit bei der Arbeitssuche quasi räumlich gefesselt ist.

Ich

15.04.2012, 16:00 Uhr

Wenn sich ein 4-Personen-Haushalt mit gerade mal 2.700 € Netto-Einkommen im Monat 250.000 € Schulden für ein Haus an den Hals hängt und dann einer der beiden Verdiener arbeitslos wird dann weckt das bei mir kein Mitleid sondern nur Unverständnis. Der Höhepunkt ist dann noch, dass die Frau lediglich einen Hauptschulabschluss, keine Ausbildung und auch keinen Führerschein hat und damit bei der Arbeitssuche ziemlich schlechte Karten haben dürfte. Ich bin überrascht, dass die überhaupt einen Kredit in dieser Größenordnung bekommen haben....

ParteiderVernunft

15.04.2012, 17:15 Uhr

Tja, jetzt wissen wir, dass die US-Immobilienkrise mit ihren Subprime-Krediten gar nicht so weit von unserer Haustür entfernt liegt.

Kann mich Ihrer Meinung nur voll anschließen!

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