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15.11.2012

10:55 Uhr

Schlecker

Neues Leben nach der Pleite

VonMartin Dowideit

"Kreative Zerstörung" lautet das Dogma des Weltökonomen Schumpeter: Nach dem Niedergang blüht in der Marktwirtschaft der Aufstieg. Stimmt das auch im Fall Schlecker? Handelsblatt Online schaut nach. Helfen Sie uns.

Crowdsourcing

"How to" - So werden Sie Teil der großen Schlecker-Recherche

Crowdsourcing: "How to" - So werden Sie Teil der großen Schlecker-Recherche

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DüsseldorfElf Jahre leitete Manuela Stutzer zwei verschiedene Filialen der Drogeriemarktkette Schlecker in Köln. „Manchmal habe ich mich für den Laden geschämt“, erzählt die Verkäuferin. Die spartanische Einrichtung und die Produkte, die rumstanden, weil sie niemand wollte – das ging an die Nieren. Dann und wann habe sie sich deswegen in einen Nebenraum zurückgezogen, um zu verschnaufen.

Aus der Schlecker-Filiale in Köln-Esch wurde in wenigen Monaten die „em & es Drogerie“ (Filial-Nummer 4712).

Aus der Schlecker-Filiale in Köln-Esch wurde in wenigen Monaten die „em & es Drogerie“ (Filial-Nummer 4712).

Hätte die heute 50-jährige die Signale richtig gedeutet, wäre eine der größten Firmenpleiten der Nachkriegsgeschichte vielleicht nicht so überraschend über sie hereingebrochen, wie sie Anfang des Jahres dann doch kam. Aber dass die ausbleibenden Investitionen ein Indiz für die Firmenpleite waren, ahnte sie indes nicht. „Es wurde zwar kein Geld in die Läden gesteckt. Aber wir haben uns doch angestrengt“, sagt sie. Als die Insolvenzmitteilung im Januar kam, war Stutzer paralysiert.

Ein dreiviertel Jahr später hat sie das Loch überwunden, das sich damals vor ihr aufgetan hatte. Geholfen hat ihr dabei ausgerechnet eine ehemalige Schlecker-Filiale in Köln-Esch, einem dörflichen Stadtteil im Norden der Stadt. Es ist nicht eine ihrer eigenen „alten“ Filialen. Aber vielleicht ist das Ladenlokal gerade deswegen gut geeignet, etwas Neues zu wagen – eine eigene Drogerie, die „em & es Drogerie“.

So machen Sie mit beim Schlecker-Experiment

Schlecker-Crowdsourcing - Was ist das?

Die Handelsblatt-Online-Redaktion wagt ein Experiment. Wir wollen eine Bestandsaufnahme möglichst aller Schlecker-Filialen ein Jahr nach dem Insolvenzantrag auf die Beine stellen und brauchen dazu Ihre aktuellen Fotos der Geschäfte. Wir sammeln bis zum 13. Januar 2013.

Wie kann ich mitmachen?

Werden Sie zum Fotojäger, ausgerüstet mit Handy oder Kamera. Helfen Sie uns, die heilenden und zerstörerischen Seiten einer Firmenpleite aufzuzeigen. Suchen Sie einen ehemaligen Schlecker-Standort auf und machen Sie ein Foto.

Was mache ich mit dem Bild?

In unseren Schlecker-Listen (s. unter „Wo war eine Schlecker-Filiale?“) und der Karte finden Sie zu jeder Filiale eine laufende Nummer, die Sie am besten in der E-Mail mit Ihrem Bild an uns vermerken (schlecker@handelsblatt.com). Haben Sie die Filialnummer nicht zur Hand, schicken Sie bitte die genaue Anschrift der Aufnahme mit bzw. versehen Sie das Bild mit GPS-Informationen.

Sie können das Bild auch über einen Dienst wie Twitter, Instagram oder Flickr veröffentlichen. Versehen Sie dann Bild mit dem Schlagwort #SchleckerHB, der laufenden Nummer und/oder genauen Adresse und/oder GPS-Informationen.

Wo war eine Schlecker-Filiale?

Falls Sie sich nicht mehr wissen, wo in Ihrer Nähe eine Schlecker-Filiale war, können Sie auf unserer Karte oder in unserer Liste einfach nachschlagen. Die Liste ist nach Postleitzahlen geordnet. Haben wir bereits ein Foto vorliegen, vermerken wir das möglichst rasch auf der Karte.

Von welcher Filiale fehlt noch ein Bild?

Schauen Sie einfach auf unserer Karte nach.

Wie kann ich noch helfen?

Sie haben eine Geschichte zu einer Filiale zu erzählen? Wird der Laden weiterbetrieben in Eigenregie ehemaliger Mitarbeiter? Wie läuft das neue Geschäft, das sich eventuell angesiedelt hat? Wie weit ist der Weg zum Drogerie-Markt seit es Schlecker nicht mehr gibt? Schreiben Sie uns ein paar Zeilen auf, wir freuen uns!

Stutzer gehört zu den ersten ehemaligen Schlecker-Frauen, die Opfer einer der größten Insolvenzen der Nachkriegsgeschichte wurden und jetzt eigene Läden in Deutschland aufmachen. Unter anderem bei der Pionierin der Ex-Schlecker-Frauen, Sonja Weisenburger, hatte sich die Kölnerin Rat geholt. Mittlerweile gibt es etliche weitere Beispiele mutiger Ex-Arbeitnehmerinnen, die jetzt selbstständig in einer ehemaligen Schlecker-Filiale geblieben sind: etwa im rheinischen Bergheim, im niederrheinischen Rheinberg oder im baden-württembergischen Erdmannhausen. Bei Manuela Stutzer in Köln fahren mittlerweile Gewerkschafter andere Schlecker-Frauen vor, damit sie denen Mut machen kann, auch etwas Eigenes zu wagen.

Doch bei Handelsblatt Online wollen wir mehr als ein paar Einzelfälle darstellen, wir wollen einen Überblick über das gesamte Erbe des Schlecker-Imperiums mit seinen zum Stichtag der Insolvenz fast 6000 Filialen in Deutschland. Dafür brauchen wir die Mithilfe unserer Leser, damit wir die volkswirtschaftliche Theorie der „kreativen Zerstörung“ in der Praxis prüfen können. Aufgestellt hatte sie der Ökonom Josef Schumpeter. Danach gehört der Niedergang unvermeidlich zu einer Marktwirtschaft, dadurch Platz für Neuerungen und Innovation geschaffen wird.

Nach Insolvenz: Handelsblatt-Aufruf: Schicken Sie Schlecker-Fotos!

Nach Insolvenz

Handelsblatt-Aufruf: Schicken Sie Schlecker-Fotos!

Bald jährt sich die Schlecker-Insolvenz zum ersten Mal. Wir brauchen Ihre Bilder. Wie sehen die Filialen mittlerweile aus? Gibt es neues Leben, lässt sich „kreative Zerstörung“ nachweisen. Oder dominiert Trostlosigkeit?

Doch wie lange braucht es, bis aus etwas kaputtem Alten, etwas gutes Neues entsteht? Wo gelingt das, wo nicht? Wie schnell geht das? Von Mitte November bis Mitte Januar sammeln wir daher Leser-Bilder der Filialen – seien die Räume mittlerweile neu bezogen oder noch fest verrammelt. Unter den Teilnehmern verlosen wir eine Uhr im Wert von mehr als 250 Euro.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

15.11.2012, 11:43 Uhr

Aber hier ein kleiner Tip: Zwei Schlecker haben in der Nähe der Oberbaumbrücke in Kreuzberg geschlossen. In dem einen ist jetzt ein Büro eingezogen, das andere in der Wrangelstraße steht leer, braucht dringend neue Leute, die dort eine Drogerie aufmachen, vielleicht mit den sehr netten ehemaligen Mitarbeitern ('Mein Platz' hieß das zuletzt) (ob es da schon neue Eigentümer gibt, weiß ich nicht). PS.
Schumpeter, dieser Anarchist, passt gut zu Kreuzberg.

Makro2012

15.11.2012, 12:06 Uhr

So simpel will Schumpeter seine "Kreative (Schöpferische) Zerstörung" nicht verstanden wissen. Man sollte auch nicht vergessen, dass dieser Begriff bereits im Kommunistischen Manifest und in "Das Kapital" von Marx auftaucht. Die Pleite der "Schlecker Kette" damit zu vergleichen ist abwegig, um nicht zu sagen irreführend. Hier wird Missmanagment mit kreativer Entwicklung verwechselt, was nichts anderes ist, als ein platter Wirtschaftsdarwinismus. Ein ähnliches Missverständnis erleben wir in der Finanz- und Eurokrise. Da werden Strukturen ideologieversessen zerstört, weil man glaubt die Zerstörung allein führe schon irgendwie zur Erneuerung. Wo aber alles kaputt geht gestaltet sich nichts neues im Sinne Schumpeters. Der ja davon ausging, dass Veränderung bzw. eine sich selbst verändernder Umbau der Strukturen im Prozess einer These-Antithese-Synthese Entwicklung tragende Strukturen zum Besseren umgestaltet. Was momentan geschieht ist einseitige Ideologisierung einer Wirtschaftordnung, die den gesamtwirtschaftlichen Prozess behindert, wenn nicht sogar irrreperabel zerstört, weil die Akteure noch nicht einmal mehr die einfachsten makroökonomischen Zusammenhänge begreifen.

Dumm-CDU

15.11.2012, 12:37 Uhr

Es fehlen Stand heute 200.TSD Kitta Plätze. Bei rund 500 TSD Neugeburten knapp 40%. Die Schleckerläden liegen alle in zentraler Lage und bundesweit mehr als üppig verteilt.
Warum hat die Politik = Familienministerium keine Arbeitsgruppe eingerichtet und von den ca. 10 TSD Filialen
diejnigen rausgefischt welche geeignet wären für einen Umbau und Nachfrage-Vor Ort hätten erfüllen können.
Schöner Nebeneffekt: Den einen oder anderen Angestellten hätte man sicher als Mitarbeiter für die KITA zu einem Erzieher gewinnen können.
Es ist erstaunlich wie dumm unsere Politik geworden ist, es ist ja auch selbsterklärend wie Frau Schröder ihre Freundin als Staatssekretärin in das Ministerium reingebracht hat. Und um dieses Versagen noch zu Toppen hat diese Freundin auch noch, während der Arbeitszeit, ein Buch als Imageaufbesserungsversuch geschrieben.
Ich kann nur jeden anflehen, geht wählen aber bitte keinen der 5 im Bundestag.
VERSAGER=CDUCSUFDPSPDGRUENELINKE
Ihr zerstört die Demokratie und säht Hass

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