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05.06.2012

14:03 Uhr

Schlecker-Töchter

Euler Hermes weist Vorwürfe zurück

Der Verkauf der Schlecker-Töchter Ihr Platz und Schlecker XL an den Münchener Investor Dubag ist noch nicht in trockenen Tüchern. Schuld ist ein eskalierender Streit zwischen Dubag und der Allianz-Tochter Euler Hermes.

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Was bleibt den Schleckers?

Handelsblatt in 99 Sekunden: Was bleibt den Schleckers?

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Düsseldorf, UlmEigentlich sollte heute in Ulm nur noch das endgültige Aus für Schlecker besiegelt werden. Reine Formsache. Die Zustimmung der Gläubigerversammlung zur Zerschlagung des Drogerieimperiums galt als sicher. Doch kurz vor der Versammlung macht die Nachricht die Runde, dass der Verkauf der Unternehmensteile Schlecker XL und Ihr Platz an den Münchner Investor Dubag wohl doch auf der Kippe stehen könnte.

So soll es laut eines Berichts der „Wirtschaftwoche“ zwischen Dubag und dem Kreditversicherer Euler Hermes - der größte Gläubiger - Auseinandersetzungen über den Wert der Regalware geben. Dabei hatten die beiden Unternehmen sich eigentlich schon geeinigt. Zumindest wurde das so von Dubag-Chef Michael Schumann in die Öffentlichkeit kommuniziert.

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Ein Sprecher von Euler Hermes weist die Vorwürfe, man würde den Verkauf ausbremsen, gegenüber Handelsblatt Online jedoch entschieden zurück. Gespräche zwischen dem Kreditversicherer mit den Schlecker-Gläubigern Markant und Dubag über den Preis, den die Dubag für die Waren in Lagern und Regalen von Ihr Platz und Schlecker XL zahlen solle würden noch immer laufen. „Gespräche haben stattgefunden, aber es wurde noch nichts endgültiges vereinbart.“

Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, im Mai sei schon Preis ausgemacht worden. „Es wurde ein fester Wert vereinbart und im Protokoll fest gehalten“, hieß es. Der Euler-Sprecher dazu: „Diese Behauptungen sind schlichtweg falsch. Ein Beschluss des Gläubigerausschusses hat es nicht gegeben.“

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Laut Wirtschaftswoche habe der Gläubigerausschuss den Konditionen am Freitag zugestimmt. Seit Samstag aber fordere Euler Hermes eine um ein Drittel höhere Quote. Das wolle Dubag nicht akzeptieren, da es die Übernahme teurer machen würde.

Wie hoch die ursprünglich vereinbarte Quote war, ist nicht bekannt. Der Buchwert beträgt laut Wirtschaftswoche 130 Millionen Euro. Schon vor der Gläubigerversammlung, die um 10.30 Uhr starten sollte, eskalierte der Streit. Euler Hermes warf seinerseits gestern der Dubag vor, sie gebe „Versprechen an die Mitarbeiter ab, die am Verhandlungstisch bisher nicht eingelöst wurden“.

Bei Hermes findet man auch, dass sich Dubag-Vorstand Michael Schumann voreilig geäußert habe, dass er die Schlecker XL und Ihr Platz-Märkte kaufen, sie in Ihr Platz umbenennen und deren Sortiment erweitern will. Für Ihr Platz und Schlecker XL arbeiten insgesamt mehr als 6.000 Angestellte.

Euler Hermes spielt bei der Entscheidung eine zentrale Rolle, denn er hat Lieferungen - überwiegend von der Einkaufsgemeinschaft Markant - an Schlecker im Wert von rund 300 Millionen Euro abgesichert. Für den Kreditversicherer stellt sich die Frage, wie hoch am Ende seine effektive Schadensbelastung sein wird. Dabei spielt auch eine Rolle, wie gut die Sicherheiten verwertet werden können. Und wenn der restliche Warenbestand dann deutlich unter dem Marktwert verkauft wird, ist der Schaden für Euler Hermes umso größer.

Inzwischen haben die Schlecker-Gläubiger am frühen Dienstagmittag wie erwartet für das endgültige Aus der insolventen Drogeriemarktkette gestimmt. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte nach dem Treffen in Ulm: „Die Stilllegung des Geschäftsbetriebs von Anton Schlecker e.K. ist mit großer Mehrheit beschlossen worden.“ Eine Fortführung sei nicht mehr zu vertreten gewesen.

Noch offen ist allerdings der Verkauf an Dubag, denn die Zukunft der XL-Filialen ist Thema einer eigenständigen Versammlung, die noch am Nachmittag stattfinden soll. Die Gläubigerversammlung von Ihr Platz ist dagegen für Mittwoch anberaumt.

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