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24.11.2013

16:01 Uhr

Schließungen möglich

Deutscher Bahn fehlt Geld zur Brückensanierung

Bahnkunden müssen sich auf einiges gefasst machen. Der Konzern plant offenbar, seine Autoreisezüge stillzulegen. Zudem droht die Sperrung maroder Brücken, für deren Sanierung Geld fehlt. Das hätte fatale Auswirkungen.

ICE 3 bei Morschen: Viele Brücken müssen saniert werden. obs

ICE 3 bei Morschen: Viele Brücken müssen saniert werden.

BerlinBei der Bahn drohen nach Aussage von Bahnchef Rüdiger Grube bald erste Brückensperrungen. „Leider sind wir nicht mehr weit davon entfernt“, sagte er der „Wirtschaftswoche“. 1400 Brücken müssten dringend saniert werden. „Mit der derzeitigen Finanzausstattung schaffen wir pro Jahr aber nur 125 Brücken“, so Grube.

Die Auswirkungen gesperrter Brücken wären verheerend: Würde etwa eine wichtige Brücke am Frankfurter Hauptbahnhof gesperrt, müssten Züge in ganz Deutschland umgeleitet werden. Auf einen Schlag würde die Bahn damit 33.000 Verspätungsminuten pro Tag ansammeln. „Das wären rund 130 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag“, sagte Grube.

Antworten zu den neuen Bahnpreisen

Wann wird die Erhöhung wirksam?

Die neuen Preise gelten für alle Fahrten seit dem 15. Dezember 2013. Für etwa 80 Prozent aller Fahrten des Nahverkehrs gelten jedoch die Tarife eines Verkehrsverbundes. Nur für die übrigen 20 Prozent ist ein Bahn-Regionalticket zu lösen.

Wie viel müssen Bahnfahrer mehr zahlen?

Das kommt darauf an, auf welcher Strecke man unterwegs ist. Mit dem ICE kann es ein bis vier Prozent teurer werden, im Durchschnitt steigt der Normalpreis im Fernverkehr um 2,5 Prozent. Von Stuttgart nach München sind demnächst regulär 57 Euro zu zahlen, 2 Euro mehr als bisher (plus 3,6 Prozent). Im Nahverkehr beträgt die Anhebung für Standardtickets und Zeitkarten um 3,2 Prozent.

Welche Ausnahmen gibt es?

Im Fernverkehr sind etwa die Hälfte aller 360 Millionen jährlichen Fahrten nicht von der Preiserhöhung betroffen. Die Gründe: Zeitkarten werden nicht teurer, auch nicht die auf allen Strecken gültige Jahreskarte Bahncard 100, von der zurzeit rund 40 000 genutzt werden. Außerdem bleiben sämtliche Teilstrecken auf der Linie Düsseldorf-Berlin von einer Anhebung verschont. Das soll ein kleines Dankeschön sein für die vielen Verspätungen, die die Fahrgäste auf dieser Verbindung erdulden müssen. Ein Hochwasserschaden zwischen Hannover und Berlin macht seit Juni Umleitungen nötig. Das bleibt noch bis 4. November so.

Was ist mit den Bahncards und Reservierungsgebühr?

Teurer werden die Bahncard 25 (62 statt 61 Euro) und die Bahncard 50 (255 statt 249 Euro). Bei der Bahncard 100 und allen ermäßigten Bahncards bleibt der alte Preis. Für die Reservierung eines Sitzplatzes sind künftig 4,50 Euro statt 4 Euro zu zahlen. Begründung der Bahn: Sie will weniger „Luftbuchungen“ haben. Gerade Geschäftsreisende buchen gern für mehrere Züge hintereinander Plätze, weil sie nicht genau wissen, wann sie abfahren. Die Quote der Doppelbuchungen liegt bei mehr als 20 Prozent, so die Bahn.

Wie begründet die Bahn die Preiserhöhung?

Die Bahn begründet den Aufschlag vor allem mit höheren Personalkosten. Sie seien wegen der Tariferhöhungen im ersten Halbjahr um vier Prozent gestiegen. Auch der höhere Strompreis habe eine Rolle gespielt. Dabei sei die Bahn an langfristige Verträge gebunden und könne nicht von günstigeren Großmarktpreisen profitieren.

Was sagen die Kritiker?

Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland gefällt die Erhöhung nicht. Noch sei die Leistung der Bahn angesichts vieler Verspätungen und anderer Schwächen nicht gut genug, um sie zu rechtfertigen.

Im deutschen Schienennetz hat die Bahn nach früheren Angaben Grubes einen Investitionsstau von über 30 Milliarden Euro. Zwar würden Bund und Bahn jedes Jahr drei Milliarden Euro in das Netz investieren, doch um die heutige Qualität zu sichern, seien mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr nötig, erklärte der Chef des bundeseigenen Konzerns Anfang November in einem Interview. „Wenn sich nichts ändert, steigt der Rückstand bis 2020 auf gigantische 50 Milliarden Euro.“

Sollten die Investitionen ausbleiben, gebe es nur noch zwei Möglichkeiten, hatte Grube schon damals gedroht: „Entweder die Qualität der Bahn lässt deutlich nach, es gibt also mehr unpünktliche Züge. Oder wir müssen Strecken sperren.“

Kommentare (3)

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kfvk

25.11.2013, 09:21 Uhr

Tja, die Bahn ...
Es ist politisch wohl so gewollt, dass Deutschland einen seiner großen Wettbewerbsvorteile -- eine funktionierende, moderne und kostengünstige Infrastruktur" aufgibt.
Die Politik hatte einst den Einflüsterungen der Kapitalanleger geglaubt und beschlossen alles, was nicht niet- und nagelfest war auf den markt zu werfen. Die folgen sind bekannt: was verkauft wurde, wird gerade so am leben gehalten, um die Entnahmen maximieren zu können und das was noch auf der Verkaufsliste steht, wird auf maximalen Gewinn getrimmt, als ob dies die Kernaufgabe für den Infrastrukturbereich Deutschlands wäre.
Das Geld was dann noch für Investitionen da ist, wird für sinnlose Projekte ausgegeben wie Stuttgart 21, für Regionalflughäfen, die nicht wirklich gebraucht werden oder es wird in schlecht gemanagten Projekten aus dem Fenster geworfen.
Die Bahn ist mit ihren normalen Preisen im Reisezugverkehr bereits konkurrenzlos teuer. Beim gütertransport gewinnt auch meist der LKW. Und jetzt braucht sie mehr Geld, weil sie sich in den letzten Jahren für den Verkauf geputzt hat und ihre Ersatz- und Neuinvestitionen sträflich vernachlässigt hat.
Wir sollten bei unserer Infrastruktur schnellstens wieder zu alten Mitteln greifen. Was alle brauchen, sollte Gemeineigentum sein. Statt Gewinne auszuschütten, werden diese für Investitionen verwendet und die Preise werden so gestaltet, dass sie kostendeckend sind und die Investitionen machbar sind.
Dies trägt dazu bei, dass Deutschland ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt, wovon wir alle am Ende profitieren werden.

Dieter

25.11.2013, 09:22 Uhr

Kein Geld fr Investitonen bei einem letzten Jahresergebnis (2012) von ca. 1.354 Mil. Euro?!
Intessant, wie man trotz solch einem Ergebnis noch auf die Tränendrüse drücken kann!!

Frank3

25.11.2013, 17:38 Uhr

Ist doch jedem aber Bewusst ? Für Börsengang VERKOMMEN LASSEN und wär NUN AN BÖRSE WÜRDE STILLGELEGT WERDEN , weil Privatanleger NICHT ZUGEZAHLT HÄTTEN NICHT FÜR ??? Bahn OHNE FÖRDERGELÖDER HAT FÜR ALLGEMEINHEIT NOCH NIE FUNKTIONIERT !

Waren die Alten doch NICHT DOOF , ALS FESTLEGTEN , WAS IN STAATHAND GEHÖRT ?

Nebenbei Frag mich , wieviel Kosten , als FLURSCHADEN , Mehdorn NOCH AM SCHAFFEN IST ! Und wurde Arbeitsbeschaffer für Jahrzehnte solch Mehdorn ?

Frank Frädrich . . .

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