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20.01.2013

15:53 Uhr

Schlussverkauf beginnt

Winterkälte erfreut Modehändler

Über die eisige Kälte in Deutschland freuen sich zumindest die Modehändler: Sie haben noch massig Winterkleidung auf Lager – im traditionellen Schlussverkauf muss die Ware raus. Die Minusgrade kommen gerade recht.

Kauf mich: Die Modehändler wollen die Regale für die Frühlingsware räumen. dpa

Kauf mich: Die Modehändler wollen die Regale für die Frühlingsware räumen.

BerlinEndlich Frost und Schnee – Deutschlands Modehändler reiben sich nicht nur wegen der Eiseskälte die Hände. Der Wintereinbruch in Deutschland kommt dem Handel nämlich gerade recht. Die Ladenhüter aus dem bislang viel zu milden Winter müssen aus den Regalen, um Platz für die bald kommende Frühlingsmode zu machen. Im Winterschlussverkauf (WSV), dessen Start die Handelsverbände für diesen Montag ausgerufen haben, sollen die Lager nun mit Rabatten von bis zu 70 Prozent geräumt werden.

Zwar hatten sich Kaufhäuser, Boutiquen und Sportfachhändler Minusgrade und Schneeflocken schon vor Weihnachten gewünscht. Mit 18,9 Grad plus in Freiburg und knapp 21 Grad in München war es an Heiligabend aber so warm in Deutschland wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Das machte den Händlern bislang einen Strich durch die Rechnung, im Jahresendgeschäft klingelten die Kassen nicht so stark wie erwartet. Seit Wochen versuchen die Händler deshalb, mit Rabatten die Nachfrage nach dicken Wintermänteln und wärmenden Fellstiefeln anzuheizen. Die Preise kamen bereits vor dem Fest ins Rutschen.

Die größten Textileinzelhändler Europas

Der Bekleidungsmarkt in Europa

Auch wenn es viele bekannte Modeketten gibt – ihr jeweiliger Marktanteil ist recht gering. Das hängt nur teilweise mit dem Online-Handel zusammen. Vor allem vertreiben auch Discounter wie Aldi oder Lidl viel Bekleidung. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2012.

H&M

4,71 Prozent Marktanteil in Europa

Inditex (Zara u.a.)

3,93 Prozent

C&A

2,21 Prozent Marktanteil

Marks&Spencer

1,68 Prozent

Next

1,53 Prozent

Primark

1,36 Prozent

Arcadia

1,2 Prozent

Esprit

0,85 Prozent

TK Maxx

0,8 Prozent

Kik

0,65 Prozent

Quelle

Mintel (über statista.de)

Mit dem traditionellen Winterschlussverkauf ab Montag bläst die Branche nun zum Finale mit noch höheren Rabatten. Wer jetzt noch friert oder schon an nächstes Jahr denkt, der kann mitunter deutlich sparen. Verbraucherschützer raten dennoch zu einem kühlen Kopf: Nicht jedes rote Prozentzeichen sei auch gleich ein Schnäppchen.

„Wir sind so wetterabhängig wie keine andere Branche“, schildert Werner Haizmann, Präsident des Deutschen Sportfachhandels, die Lage. Auch die Bundesverbände des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) verweisen auf den warmen Winter, der das Geschäft vor allem im Oktober und November hemmte. „Der lang ersehnte Wintereinbruch eröffnet endlich die Chance, aus den Lagerbeständen Umsatz zu machen“, sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH).

Die Umsatzdelle aus der Vorweihnachtszeit sei im Weihnachtsgeschäft und den ersten Januarwochen nicht ausgeglichen worden, erklärt der BTE. „Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt“, sagte BTE-Sprecher Axel Augustin. Die Kältewelle könne dafür sorgen, dass nicht nur die Schnäppchenjäger im WSV zugreifen, sondern auch viele Kunden einen aktuellen Bedarf an warmer Bekleidung sehen könnten. Hedde erwartet bei Wintermode auch die größten Preisnachlässe – weil die Ware raus muss.

Wo die Deutschen am liebsten shoppen

Kudamm

Berlin hat zwar neben München die meisten Spitzenlagen insgesamt, kommt aber in der Top Ten der erfolgreichsten Einkaufsmeilen nicht vor. Der innerstädtische Konkurrenzkampf ist wahrscheinlich zu groß: Neben dem Kudamm zählen Tauentzienstraße, Alexanderplatz, Wilmersdorfer Straße und Friedrichstraße zu den „Hochfrequenz"-Einkaufsmeilen. Das bedeutet mehr als 5000 Menschen laufen hier pro Stunde entlang.

Das Segment der Luxusstraßen führt die Düsseldorfer Königsallee (5.935) unangefochten an, liegt im Gesamtranking aber auf Platz 33. Nach ihr kommt mit einigem Abstand erst der Neue Wall in Hamburg (2.835) und dann auf Platz 3 die Stuttgarter Stiftstraße (2.310). Darauf folgen die Münchner Maximilianstraße (1.800) und die Goethestraße in Frankfurt (1.520).

Neuhauser Straße

Platz 10: Die Neuhauser Straße ist nicht mehr Münchens meistbesuchte Straße. Waren es 2011 noch 13.515 Passanten, die pro Stunde hier entlang liefen, sind es inzwischen 9275 Fußgänger.

Ludgeristraße

Platz 9: Die Ludgeristraße in Münster ist seit 1969 reine Fußgängerzone. Sie beginnt am südlichen Ende des Prinzipalmarktes, und verläuft an den Münster Arkaden vorbei, hin zum Ludgeriplatz. 2008 hatte die Straße erstmals den Sprung in die Gruppe der zehn erfolgreichsten Einkaufsmeilen geschafft und war direkt auf Platz 4 gelandet. Insgesamt 9420 Passanten wurden hier pro Stunde gezählt.

Westenhellweg

Platz 8: Der Westenhellweg ist Dortmunds größte Einkaufsstraße. Die Fluglinie Easyjet warb im Ausland mit der „Prachtstraße", um Flüge in die westfälische Stadt an den Mann zu bringen. Der Verlauf der Straße hat eine lange Geschichte: Es handelt sich um einen mittelalterlichen Heer- und Handelsstraße, die schon Karl der Große genutzt haben soll.

Spitaler Straße

Platz 7: Auf der Spitaler Straße in Hamburg wurden 9840 Passanten pro Stunde gezählt.

Flinger Straße

Platz 6: Die Flinger Straße in Düsseldorfs Altstadt schafft es zum ersten Mal nach weiter vorn im Ranking: Mit 10.150 Passanten springt sie von Platz 29 nach vorn. Auf der bisher beliebtesten Einkaufsstraße der Stadt finden umfangreiche Bauarbeiten statt, daher rühre die Verschiebung der Verhältnisse begründen die Mache der Studie von Jones Lang LaSalle.

Mönckebergstraße

Platz 5: Eine zweite Hamburger Einkaufsmeile, die es unter die ersten zehn geschafft hat, ist die Mönckebergstraße mit 10.380 Passanten pro Stunde. Sie wurde 1909 dem Verkehr übergeben und benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister der Hansestadt, Johann Georg Mönckeberg, der im Vorjahr der Einweihung gestorben war.

Königsstraße

Platz 4: Die Königsstraße in Stuttgart misst immerhin 1,2 Kilometer. Sie durchzieht die baden-württembergische Landeshauptstadt: Vom Hauptbahnhof führt sie am Schlossplatz, dem Kunstmuseum und einigen Landesministerien vorbei. 11.335 Passanten bewegen sich hier pro Stunde entlang.

Zeil

Platz 3: Die Zeil in Frankfurt am Main. Die Einkaufsstraße in Deutschlands Finanzmetropole ist die am stärksten frequentierte Shopping-Meile in der Republik. In den 70er Jahren wurde aus der Zeil eine reine Fußgängerzone. Mit 500 Metern Länge gehört die Einkaufspassage in Frankfurt zum mittleren Schnitt. Jahresmiete pro Quadratmeter: 3.480 Euro, Monatsmiete pro Quadratmeter: 290 Euro, Veränderung zum Vorjahr: + 7,4 Prozent.

Schildergasse

Platz 2: Schildergasse in Köln. Vor allem zur Weihnachtszeit drängen sich durch die schmale Einkaufspassage unglaubliche Menschmassen. Dann ist es kaum möglich von der einen Straßenseite zur anderen zu gelangen. Das kann in der vorweihnachtlichen Zeit gut und gerne mal eine kleine Ewigkeit dauern. Insgesamt ist die Schildergasse rund 500 Meter lang. Untersuchungen haben ergeben, dass in diesem Jahr durchschnittlich knapp 13.000 Besucher pro Stunde die Einkaufsstraße durchliefen.

Kaufingerstraße

Platz 1: Kaufingerstraße in München. Die Kaufingerstraße ist das teuerste, was Deutschland zu bieten hat. 1239 wird die Straße erstmals erwähnt, als Zeuge tritt damals der Patrizier Chunradius Choufringer auf, der dann als Namensgeber diente. Jahresmiete pro Quadratmeter: 4.200 Euro, Monatsmiete pro Quadratmeter: 350 Euro, Veränderung zum Vorjahr: + 6,1 Prozent.

Erstmals seit 2008 verbuchte der deutsche Textileinzelhandel im gerade abgelaufenen Jahr einen Umsatzrückgang, wie die „Textilwirtschaft“ berichtete. Die Branchenerlöse sind nach einer Umfrage der Fachzeitschrift 2012 um zwei Prozent geschrumpft. Der BTE geht von einem kleinen einstelligen Umsatzminus für 2012 aus, um eine Katastrophe handele es sich nicht. Beim Abschneiden der einzelnen Unternehmen sei die Bandbreite groß: Es gebe Händler, die 2012 gewachsen seien oder vorsichtiger Ware geordert hätten.

Preisreduzierungen, die die Modebranche fast nur noch mit dem englischen „Sale“ anpreist, ziehen sich bei einigen Anbietern durch das ganze Jahr. „Verbraucher müssen für Schnäppchen nicht mehr auf den Schlussverkauf warten, sondern nutzen zunehmend auch Angebote im Netz“, sagt Hedde. Wichtig seien die großen Rabattaktionen aber gerade auch für kleinere Händler mit geringerem Warenumschlag.

Seit dem Fall des Rabattgesetzes 2001 können Händler auch außerhalb der Schlussverkäufe Rabatte gewähren. Und weil die Mode immer schneller wechselt, eine Kollektion der nächsten folgt, finden Verbraucher häufig Ständer mit reduzierter Ware. Zudem will kein Händler den richtigen Zeitpunkt verpassen. 2012 schwappte die erste Rabattwelle Anfang Dezember durch die Großstädte, die zweite kam dann um Weihnachten herum, wie Branchenkenner berichten.

Der Rotstift kreist derzeit fast überall. Karstadt wirbt auf seiner Webseite mit Rabatten von bis zu 70 Prozent quer durchs Sortiment. Bettwäsche, Digitalkameras, Sportbekleidung gibt es zum Schnäppchenpreis. Auch die schwedische Textilkette Hennes & Mauritz hatte bereits im Dezember die Preise kräftig gesenkt. Bei der Douglas-Tochter AppelrathCüpper bewegen sich die Preisnachlässe zwischen 40 und 50 Prozent. Am Ende des Schlussverkaufs seien bis zu 70 Prozent drin, wie es bei anderen Händlern ebenfalls üblich ist. Der Schlussverkauf habe allerdings nicht mehr die Bedeutung früherer Jahrzehnte, sagte eine Sprecherin der Douglas-Holding.

Von

dpa

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