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03.01.2010

11:32 Uhr

Schuldendienst

Schickedanz verkauft zwei Villen

Die Quelle-Erbin und ehemalige Großaktionärin des Handelskonzerns Arcandor, Madeleine Schickedanz, hat zwei Schweizer Villen für 47 Millionen Euro verkauft, um einen Teil ihrer Schulden zu tilgen.

Madeleine Schickedanz will zu einer gütlichen Einigung mit der Sal. Oppenheim kommen. dpa

Madeleine Schickedanz will zu einer gütlichen Einigung mit der Sal. Oppenheim kommen.

HB BERLIN. Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ bestätigte ein Vertrauter der einstigen Milliardärin den Verkauf der Häuser in Sankt Moritz. Die Villa Müstaila ging demnach für umgerechnet 37 Millionen Euro an die Slowenin Mirka Horvat, Chefin der Immobiliengesellschaft Horvista AG. Die andere Immobilie erwarb demnach der deutsche Bankier Philip Mallinckrodt, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Privatbank Schroder & Co, für umgerechnet zehn Millionen Euro.

Mit dem Geld wolle Schickedanz ein Darlehen von rund 200 Millionen Euro beim Bankhaus Sal. Oppenheim reduzieren. Nach früheren Berichten ist der Kredit mit Grundschulden auf mehrere Schickedanz-Anwesen gesichert. Dazu gehört auch Schickedanz' Elternhaus im fränkischen Hersbruck. Durch den Verkauf von weiteren neun Immobilien in diesem Jahr wolle Schickedanz zu einer gütlichen Einigung mit der Sal. Oppenheim kommen, sagte der Vertraute dem Blatt. Der Verkauf der beiden Häuser gilt laut Bericht als zweitgrößter Immobiliendeal in der Geschichte von St. Moritz, das zu den zehn teuersten Wohnorten der Welt zählt.

Schickedanz zählte noch vor wenigen Jahren zu den reichsten Deutschen. Mit immer wieder neuen Rettungsaktionen hatte sie vergeblich versucht, eine Insolvenz des Warenhauskonzerns Arcandor, zu dem auch Quelle gehörte, abzuwehren.

Kommentare (3)

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BackermeisterBullerjahn

03.01.2010, 18:24 Uhr

Ob das unsere bürger, die behaupten, daß die Reichen mehr zur Kasse gebeten werden müssen, zu Kenntnis nehmen. Reichtum auf dem Papier ist nichts wert. Ausschlaggebend ist, ob man Geld hat, wenn man es ausgeben will.
Wäre Frau Schickedanz die Reiche gewesen, wie sie von vielen Neidern beschimpft wurden, hätte sie sich rechtzeitig von ihrem Engagement bei Arcandor getrennt. Daß sie es nicht tat, ist ihr hoch anzurechnen.

Klaus

03.01.2010, 19:50 Uhr

Das versteht man halt in Deutschland nicht, dass einem (bewerteter) Reichtum überhaupt nichts nützt, wenn man (bar-)Geld braucht.
Auch Moderatoren aller Couleur lassen doch immmer wieder im Zusammenhang mit den Reichen dieser Welt den sinngemäßen Satz fallen: "Er/Sie hat doch genug auf der hohen Kante/auf dem Konto."
Es wird einfach übersehen, dass die Reichen eben kein "Geld im Überfluss" haben, sondern "nur" Vermögen, das durch eine bewertung von beteiligungen und Sachanlagen im aktuellen Zeitpunkt entsteht. Wenn dann halt plötzlich niemand mehr da ist, der den früheren hohen Preis zu zahlen bereit ist, dann schwindet das Vermögen einfach so dahin.

Nur Geldvermögen bleibt nominal erhalten: Eine Million EURO bleibt immer eine Million EURO.
Aber eine immobilie, die heute einen Marktwert von einer Million EURO hat, kann im Not-Verkaufs-Fall vielleicht nur noch 300.000 EURO einbringen.
im Übrigen stellen solche hochwertigen immobilien ja auch nicht nur einen Wert dar, sondern sie bringen nicht nur nichts ein, wenn sie nicht vermietet sind, sondern verursachen auch enorme laufende Kosten, die ja auch von irgendwas bezahlt werden müssen.

Wenn Frau Schickedanz Pech hat, dann tritt u.U. wirklich der vielbelächelte Fall ein, dass sie am Ende von Hartz iV leben muss.

piano man

03.01.2010, 21:17 Uhr

@ backermeisterbullerjahn (1)

"...daß die Reichen mehr zur Kasse gebeten werden müssen..."

Deutschland ist das Land, in dem immer genau diejenigen fordern, andere müssten mehr Steuern zahlen, die selbst überhaupt keine zahlen und auf Kosten der Allgemeinheit leben. Weit weniger als die Hälfte der Einwohner in diesem Land zahlt überhaupt noch Steuern und Abgaben.

Man muss nicht glauben, dass die vielleicht erstmal bei sich anfingen und sich anstregten, um ihren Teil zum Erhalt der Solidargemeinschaft beizutragen.

Dies ist eines der wichtigsten indizien in diesem Land für den kollektiven Realitätsverlust ...

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