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31.08.2015

14:52 Uhr

Schummeln Zalando, HRS & Co.?

„Nur noch drei Artikel verfügbar"

VonCarina Kontio

„Nur noch ein Zimmer vorhanden“, „Bald ausgebucht“: Viele Online-Portale und Händler nutzen solche Angaben, um Kunden unter Druck zu setzen und zu einem schnellen Kauf zu animieren. Der NDR deckt jetzt Überraschendes auf.

Mehr zum Thema in der Sendung „Markt“, Montag 31. August, um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen. dpa

Zalando

Mehr zum Thema in der Sendung „Markt“, Montag 31. August, um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen.

DüsseldorfHaben Sie heute schon online eingekauft oder nach einem günstigen Hotelzimmer für den nächsten Kurzurlaub gesucht? Dann sind Ihnen vielleicht folgende Formulierungen begegnet, die den Zustand des Mangels beschreiben: „Nur noch 1 Zimmer vorhanden“, „Bald ausgebucht“, „24 Kunden sehen sich gerade dieses Angebot an“. Ein Mangel, der gar keiner ist?

Fakt ist: Solche Angaben, die viele Reiseportale und Online-Händler im Internet nutzen, setzen die Kunden unter Druck und animieren so zu einem schnellen Kauf. Recherchen des NDR-Wirtschafts- und Verbrauchermagazins „Markt“ und „NDR Info“ zeigen nun: Oft ist die Ware längst nicht so knapp, wie es die Online-Händler vorgeben.

So konnte das NDR Team zahlreiche Kleidungsstücke, die beim Versandhändler Zalando mit dem Hinweis „3 Artikel verfügbar“ ausgewiesen waren, fünf oder sogar zehn Mal bestellen. Beim Kunden entsteht aber der Eindruck, die Ware sei knapp, obwohl noch größere Mengen vorhanden sind. Konfrontiert mit den Vorwürfen, erklärt Zalando, „3 Artikel verfügbar“ solle bedeuten, „dass der Lagerbestand zwar gering ist, aber mindestens drei Artikel verfügbar sind.“

Welche Produkte die Deutschen im Internet suchen

Do-it-yourself-Produkte

Do-it-yourself-Produkte

(Bauern, Garten, Heimwerken, Basteln)

über Google: 47 Prozent

über Amazon: 31 Prozent

über Ebay: 25 Prozent

(Alle Daten hat das Marktforschungsunternehmen Konzept & Markt in seiner Studie zum Online-Shopping erhoben.)

Elektro-Geräte

Elektro-Geräte (Haushalt, Büro, Unterhaltung)

über Google: 46 Prozent

über Amazon: 46 Prozent

über Ebay: 22 Prozent

Kfz-Teile & Zubehör

Kfz-Teile & Zubehör

über Google: 43 Prozent

über Amazon: 20 Prozent

über Ebay: 32 Prozent

Lebensmittel

Lebensmittel (und andere Dinge des täglichen Bedarfs)

über Google: 37 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 10 Prozent

Medien

Medien (Bücher, CDs, DVDs, Spiele etc.)

über Google: 32 Prozent

über Amazon: 57 Prozent

über Ebay: 18 Prozent

Medikamente & Arzneimittel

Medikamente & Arzneimittel

über Google: 33 Prozent

über Amazon: 6 Prozent

über Ebay: 4 Prozent

Mode, Schuhe, Accessoires

Mode, Schuhe, Accessoires

über Google: 28 Prozent

über Amazon: 22 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Reisen, Hotels, Flüge

Reisen, Hotels, Flüge

über Google: 39 Prozent

über Amazon: 3 Prozent

über Ebay: 3 Prozent

Sport- & Outdoorartikel

Sport- & Outdoorartikel

über Google: 35 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Tiernahrung & Zubehör

Tiernahrung & Zubehör

über Google: 26 Prozent

über Amazon: 10 Prozent

über Ebay: 7 Prozent

Wein & Spirituosen

Wein & Spirituosen

über Google: 21 Prozent

über Amazon: 8 Prozent

über Ebay: 6 Prozent

Die Wettbewerbszentrale sieht das nicht so locker und hier eine klare Irreführung des Verbrauchers. Zalando wurde nun abgemahnt. Peter Brammen von der Wettbewerbszentrale: „Zalando drängt den Kunden auf einer falschen Grundlage dazu, eine schnellere Entscheidung zu treffen, die er sonst vielleicht nicht getroffen hätte.“

Darauf hat Zalando inzwischen auch reagiert und teilt Handelsblatt-Online mit: „Um eine größtmögliche Transparenz zu gewährleisten und bestehende Bedenken auszuräumen, haben wir uns daher auch entschieden, die Angabe anzupassen. Bei Verfügbarkeit von mehr als drei Artikeln erscheint seit Ende letzter Woche nun die Angabe „mehr als 3 Artikel verfügbar“. Umfasst der Realbestand noch genau drei, erscheint „noch 3 Artikel verfügbar“, wie es bei ein oder zwei verbleibenden Artikeln schon vorher der Fall war.“ Aussagen, die korrekt seien und mehrmals am Tag mit dem Lagerbestand abgeglichen würden. Nicht zuletzt, um den Kunden eine Enttäuschung zu ersparen, wenn zwischen der Ware im Warenkorb und dem Abschluss des Kaufs Stunden oder gar Tage liegen. „Wenn der tolle Pullover dann ausverkauft ist, rufen sie ganz traurig im Kundenservice an“, so eine Sprecherin.

Kommentare (1)

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Herr Fritz Tolas

31.08.2015, 16:11 Uhr

"Künstliche Verknappung" nennt sich die Vertriebstechnik. Wenn sie mir begegnet handele ich nach dem Muster: wenn jemand anders das letzte Stück wirklich haben will verzichte ich gerne ...

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