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15.01.2013

13:09 Uhr

Schwaches Wintergeschäft

Fraport mit weniger Fluggästen im Dezember

Im Winter flogen weniger Passagiere über Frankfurt. Der Flughafenbetreiber Fraport hat im Dezember 6,3 Prozent weniger Fluggäste gezählt. Verantwortlich seien der Wintereinbruch und gekappte Flugangebote.

Ein Mann sitzt auf einer Bank im Frankfurter Flughafen. Fraport hatte im Dezember weniger Fluggäste. Reuters

Ein Mann sitzt auf einer Bank im Frankfurter Flughafen. Fraport hatte im Dezember weniger Fluggäste.

Frankfurt/MainDie Sparmaßnahmen der Fluglinien drücken bei Fraport auf das Geschäft. Weil viele Fluggesellschaften ihre Winterflugpläne zusammenstrichen, ging die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen im Dezember um 6,3 Prozent auf knapp vier Millionen Fluggäste zurück, wie Fraport am Dienstag mitteilte.

Bis zum Herbst war die Zahl der Passagiere am größten deutschen Flughafen noch zuverlässig Monat für Monat gestiegen - deshalb wartete Fraport für das Gesamtjahr 2012 mit einem Rekord auf: Das Fluggast-Aufkommen stieg um zwei Prozent auf 57,5 Millionen Passagiere - trotz der Streiks von Vorfeld-Mitarbeitern und Lufthansa-Flugbegleitern, die zu insgesamt 3350 Flugausfällen geführt hatten. "In diesem Umfeld hat sich der Frankfurter Flughafen mit der neuerlichen Höchstmarke bei den Passagieren gut geschlagen", erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte.

An der Börse kamen die Dezember-Verkehrszahlen jedoch nicht gut an: Die Fraport-Aktien verbilligten sich um zwei Prozent auf 42,20 Euro. Da die reduzierten Winterflugpläne bis Ende März gelten, gehen Branchenkenner davon aus, dass Fraport auch in den ersten Monaten 2013 sinkende Fluggastzahlen in Frankfurt verzeichnen wird.

Die wichtigsten Daten und Fakten zum Flughafen Frankfurt

Deutschlands größtes Luftfahrtdrehkreuz

Der Flughafen Frankfurt ist Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den Luftverkehr. Im Sommerflugplan 2011 standen nach Angaben des Betreibers Fraport allein 4.585 Flüge zu 298 Zielen pro Woche im Passagier-Linienverkehr und 250 Flüge pro Woche im Fracht-Linienverkehr.

Eine halbe Million Flüge pro Jahr

Im vergangenen Jahr wurden 464.432 Flugbewegungen registriert und durchschnittlich 150.000 Passagiere pro Tag abgefertigt. Im Schnitt saßen 123 Passagiere in jeder Maschine.

Frachtvolumen wird in diesem Jahr sinken

In diesem Jahr steuert FRA - so die Kennung der Luftfahrtorganisation IATA - auf einen neuen Passagierrekord zu: Ende August lagen die Zahlen um 7 Prozent über dem Wert aus dem Vorjahr. 2010 wurden 53 Millionen Fluggäste gezählt. Die leicht lahmende Weltwirtschaft wird wohl dazu führen, dass das Frachtvolumen von 2010 nicht wieder erreicht wird.

Kanzlerin Merkel soll neue Piste einweihen

In nur zweieinhalb Jahren entstand die neue Landebahn Nordwest, die am 21. Oktober von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) offiziell in Betrieb genommen werden soll. Mit der zusätzlichen Piste
kann die Zahl der Flugbewegungen pro Jahr nach Angaben von Fraport auf mehr als 700.000 steigen.

Steigendes Passagieraufkommen erwartet

Damit will der Flughafen den für 2020 prognostizierten 88,3 Millionen Passagieren gerecht werden. Der Stundeneckwert soll im Endausbau von jetzt 82 auf 126 steigen.

Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern. Auch der Verband deutscher Verkehrsflughäfen ADV blickt skeptisch auf das Jahr 2013. An den 22 internationalen Verkehrsflughäfen erwartet er ein Passagierwachstum von 0,4 Prozent - das wäre der geringste Zuwachs seit 2009. "Der Abwärtstrend in den Flugbewegungen wird sich auch über den Sommerflugplan 2013 hinaus fortsetzen", schätzt der ADV die Lage ein.

Auch bei der Fracht bekam der Konzern die Konjunkturflaute deutlich zu spüren: Das Cargo-Geschäft ging in Frankfurt im vorigen Jahr um 6,7 Prozent auf 2,1 Millionen Tonnen zurück. Im Dezember lag das Minus allerdings nur noch bei 1,5 Prozent, über das Jahr haben sich die Rückgänge immer weiter verringert. "Der Trend zeigt somit in die richtige Richtung", erklärte Schulte.

Auch an den vier Auslandsflughäfen verzeichnete Fraport im Gesamtjahr steigende Passagierzahlen. Über die Airports in der türkischen Stadt Antalya, in der peruanischen Hauptstadt Lima und den beiden bulgarischen Standorten Burgas und Varna läuft schon rund 42 Prozent des Passagieraufkommens von Fraport. "Damit verteilt Fraport sein Risiko", erläuterte ein Sprecher. Insgesamt stieg die Zahl der Passagiere im Fraport-Konzern 2012 um 2,9 Prozent auf 99,4 Millionen Euro, das Frachtaufkommen ging 5,8 Prozent auf 2,4 Millionen Tonnen zurück.

Von

rtr

Kommentare (2)

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DEUFRA2011

15.01.2013, 09:57 Uhr

Ausbau Frankfurter Flughafen ist ein FLOP - Diese ganze Industrie ist auf einem Irrweg, Berlin, München, Frankfurt.
Die Anzahl der Flugbewegungen im Jahre 2012 ist kleiner als im Jahre 2005. Dafür werden aber mit der Einführung der unnötigen neuen NW-Landebahn Hunderttausende Menschen zusätzlich mit Lärm und Dreck belastet, aus ganzen Stadtteilen im Süden Frankfurts werden die Bewohner ohne Entschädigung verjagt. Der Grund ist nicht der Wintereinbruch sondern einschneidende Änderungen im internationalen Luftverkehr. Frankfurt kann als Stadtflughafen mit den HUBs der arabischen Wüstenstaaten nicht konkurrieren. Hier werden Fehlinvestitionen durchgezogen ohne Rücksicht auf die Bevölkerung. Wie kann man diese Wahnsinnigen in Politik und Luftfahrtindustrie noch stoppen?

lurchi

15.01.2013, 12:38 Uhr

@DEUFRA2011 Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Die Krankheitskosten werden sozialisiert (Nach Schätzung von Prof. Greiser 1 Mrd. Krankheitskosten infolge alleine des Fluglärms, welche Kosten die massive Luftverschmutzung erzeugt, darüber kenne ich keine Zahlen). Ebenso werden die "Lärmschutzmassnahmen", in deren "Genuß" nur ein Bruchteil der Betroffenen kommt, zu 75% vom Steuerzahler bezahlt. Das sind schlappe 250 Mio Euro. Man fragt sich, was so durch das Hirn von manchen Politikern spukt. Aber ich denke, wir müssen nur zuwarten. Der Wirtschaft geht es zunehmend schlechter, die Finanzkrise ist weit davon entfernt gelöst zu sein. Das bedeutet für die Flugbranche auch weiter sinkende Umsätze. Da muß der Sinn der NW-Bahn nochmal ganz neu hinterfragt werden!

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