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18.01.2010

10:39 Uhr

„Schwarzbuch“

Bahn soll Dumping-Löhne zahlen

Dumpinglöhne bei Subunternehmen der Deutschen Bahn sind offenbar kein Einzelfall. Das ist eine der Kernaussagen des „Schwarzbuch Deutsche Bahn“, das heute vorgestellt wird. Angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Staatskonzern handelt, könnte sich das zu einem handfesten Skandal ausweiten.

Die Deutsche Bahn wird mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Quelle: ap

Die Deutsche Bahn wird mit neuen Vorwürfen konfrontiert.

HB BERLIN. Bei Ausschreibungen erhalte häufig die billigste Firma den Zuschlag, was zu Lohndumping, illegalen Beschäftigungsverhältnissen und Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz führe, heißt es in dem „Schwarzbuch Deutsche Bahn“, das an diesem Montag erscheint. Die Deutsche Bahn missbilligte am Sonntag noch einmal ausdrücklich den Einsatz von Billiglohnkräften. Unterdessen machte Bahnchef Rüdiger Grube deutlich, dass das Unternehmen 2009 trotz der Wirtschaftskrise Gewinne gemacht habe. „Im Geschäftsjahr 2009 schreibt die DB eine kräftige schwarze Zahl“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube dem Magazin „Focus“.

Grube forderte eine Mehrwertsteuersenkung für Zugtickets. Das Hotelgewerbe hat erst kürzlich einen ermäßigten Satz erhalten. Grube verwies darauf, dass viele europäische Bahnen keinen oder einen stark verminderten Mehrwertsteuersatz zahlten. „Auch wir brauchen eine ermäßigte Mehrwertsteuer von sieben Prozent für Fahrscheine“, sagte er dem Magazin.

Laut dem neuen „Schwarzbuch“ über die Bahn werden vor allem im Gleisbau Arbeiter aus Osteuropa ohne entsprechende Ausbildung eingesetzt. Dabei würden Arbeitszeiten erheblich überschritten. Die Mitarbeiter arbeiteten teilweise monatelang täglich elf Stunden an sieben Tagen in der Woche. Verbotene Doppelschichten würden nicht in die Arbeitsbücher eingetragen. In anonymisierter Form werden im „Schwarzbuch“ drei Beispiele von Firmen genannt, die Stundenlöhne von 1,50 bis 6,50 Euro gezahlt hätten.

Die Autoren des „Schwarzbuchs“, die ZDF-Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath, berufen sich auf Recherchen des gewerkschaftsnahen Vereins Mobifair, der sich für faire Arbeitsbedingungen in der Verkehrsbranche einsetzt.

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