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19.09.2016

10:52 Uhr

Schwarze Schrumpeltrauben

Bio-Winzern bricht die Ernte weg

In zahlreichen Weinbergen ernten Winzer derzeit keine prall gefüllten Trauben, sondern blicken auf vertrocknete Gerippe. Schuld ist eine Pilzkrankheit. Sie bringt vor allem Bio-Anbieter in große Schwierigkeiten.

Starke Regenfälle und viele Pilze machten überwiegend Bio-Winzern zu schaffen. dpa

Winzer beklagen zum Teil riesige Ernteausfälle.

Starke Regenfälle und viele Pilze machten überwiegend Bio-Winzern zu schaffen.

Ludwigshöhe/OppenheimSelten ist für die Winzer ein Jahr so schwierig, arbeitsreich und voller Ungewissheiten wie dieses. Immer wieder prasselte Starkregen herab, bis die Weinberge unbefahrbar wurden. Pilze breiteten sich in der feuchten Umgebung schnell aus und wüteten in Blättern, Stängeln, Blüten und Trauben. Besonders die Bio-Winzer hatten der Krankheit nicht so viel entgegenzusetzen - und haben oft einen großen Teil ihrer Trauben verloren.

„Wir haben Wetten abgeschlossen, ob wir 10, 15 oder 20 Prozent aus dem Weinberg holen“, sagt die von Demeter und Ecovin zertifizierte Winzerin Lotte Pfeffer-Müller. Damit meint sie ihre Scheurebe, die im rheinhessischen Ludwigshöhe weit unten in der Rheinebene steht - und damit oft im Morgentau. Der Müller-Thurgau weiter oben, wo der Wind stärker und es weniger feucht ist, sehe hingegen viel besser aus.

Insgesamt rechnet die Winzerin mit etwa einem Drittel Ausfall. Bald wird sie es genau wissen. In diesen Tagen fahren die Winzer in ihre insgesamt 102.000 Hektar Weinberge, um die Ernte einzuholen - die um einiges geringer ausfallen dürfte als im langjährigen Schnitt.

Bei Bio-Anbietern ist es besonders drastisch. „Wir bekommen Horrormeldungen aus vielen Betrieben und Regionen“, sagt Andreas Hattemer, Vorstandschef des Bundesverbandes ökologisch arbeitender Weingüter Ecovin. Einige verzeichneten einen Komplettausfall.

Vor allem der Falsche Mehltau - auch Peronospora genannt - hat ihnen extrem zugesetzt. Konventionelle Winzer spritzen Kaliumphosphonat dagegen, das ironischerweise gerade die Öko-Winzer mitentwickelten. Ihnen aber ist das Mittel seit drei Jahren verwehrt. Damals machte die EU die Substanz vom Pflanzenstärkungs- zum Pflanzenschutzmittel.

Seitdem bleiben den Bio-Winzern Kupfer und Wasserglas zur Abhärtung sowie pflanzliche Zusätze zur besseren Haftung. Ganze 14 Mal habe sie in diesem Jahr gespritzt, berichtet Pfeffer-Müller. „Denn nach einem Starkregen ist alles wieder runter.“ Eigentlich dürfen die Winzer in Deutschland nur drei Kilogramm Kupfer pro Hektar und Jahr ausbringen. 2016 wurde dies auf vier Kilogramm erhöht. „Im Prinzip war das noch immer zu wenig“, sagt sie. Am Ende hätten sie die Lösung immer mehr verdünnen müssen, um sie weiter ausbringen zu können.

Dabei will die Bio-Winzerin Kupfer doch eigentlich nur als „Heilmittel“ einsetzten. Nicht zu viel von dem Element, das ein Schwermetall ist, soll in den Boden gelangen. Pfeffer-Müller setzt auch sonst gern auf Pflanzenextrakte, Gesteinsmehle, Backpulver und das Abschneiden von Holunderbeeren, um Pilze wie den Echten Mehltau und Schädlinge wie die Kirschessigfliege zu bekämpfen. „Aber bei großem Infektionsdruck der Peronospora reicht das nicht.“

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