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06.03.2006

11:43 Uhr

Schwarze Zahlen

Thomas Cook berappelt sich

Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook macht nach drei Jahren voller Verluste wieder Gewinn. Nun soll es weiter aufwärts gehen – allerdings in neuer Besetzung. Es stehen große Veränderungen an.

HB FRANKFURT. Dank massiver Einsparungen und veränderter Strategie im Flugbereich nannte das Unternehmen am Montag einen Konzernüberschuss von 105,4 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2004/2005, das am 31. Oktober endete. Im Jahr zuvor schrieb die gemeinsame Tochter von Lufthansa und Karstadt-Quelle noch 176 Mill. Euro Verlust.

Künftig wolle Cook durch weitere Kostensenkungen, flexibere Produktionsprozesse und den Ausbau des Vertriebs im Internet den Gewinn weiter steigern. Das operative Ergebnis (Ebit) solle in den nächsten drei Jahren jeweils 5 bis 10 Prozent per anno zulegen, der Umsatz solle im Schnitt um 4 Prozent im Jahr wachsen, sagte der seit November amtierende neue Cook-Vorstandschef Thomas Holtrop.

Der Umsatz stieg den Angaben zufolge um 2,4 Prozent auf 7,7 Mrd. Euro, die Zahl der Reisenden um gut 1 Prozent auf 13,2 Millionen. Die Nettoschulden baute Cook um mehr als 50 Prozent auf knapp 280 Mill. Euro ab. Künftig werde Cook wieder mehr Luft für Investitionen haben. Allein in den Ausbau des Internetvertriebs wolle Cook in den nächsten fünf Jahren einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag investieren. „Der Thomas-Cook-Konzern steht nach zwei Jahren Sanierung wieder auf wirtschaftlich gesunden Füßen“, sagte Holtrop. Jetzt gehe es darum, die Profitabilität weiter zu erhöhen.

Holtrop deutete einen Strategiewechsel an. Thomas Cook wolle sich schrittweise von dem Modell des großen integrierten Reisekonzerns verabschieden, der auf allen Stufen des Reisegeschäfts präsent ist. Das integrierte Modell mit vielen eigenen Hotels, Reisebüros und Fluggesellschaften, das insbesondere von Marktführer Tui praktiziert wird, habe sich überlebt. „Es entspricht nicht mehr den Notwendigkeiten einer Zeit, die durch Überkapazitäten und sinkende Preise bei Airlines und Hotels geprägt ist“, sagte Holtrop. Das Risiko, die eigenen Kapazitäten auszulasten, überwiege die Ertragschancen. Einzelheiten zu möglichen Verkäufen nannte Holtrop nicht.

In den vergangenen Wochen war wiederholt über einen Verkauf der Fluggesellschaft Condor und grundlegende Veränderungen bei Cook spekuliert worden. Vorstandchefs Holtrop dementierte am Montag jedoch: Es gebe keine Pläne für eine Herauslösung von Condor. Es gebe auch bei den Gesellschaftern Lufthansa und Karstadt-Quelle keine entsprechenden Pläne. Ziel bleibe, den Konzern in seiner jetzigen Form flexibler aufzustellen und börsenfähig zu machen. Eine Entscheidung über einen Börsengang gebe es aber nicht. Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff hatte öffentlich wiederholt erklärt, sein Unternehmen wolle die Mehrheit an Cook. Lufthansa lehnt einen Verkauf bisher ab.

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