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23.01.2004

14:55 Uhr

Schweizer Kommunikationspolitik

Adecco bringt Probleme vertraulich zur Sprache

Der Adecco will mit grossen Kunden vertraulich über seine „Probleme" sprechen. Die Kunden müssen dafür eine Erklärung unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, die Informationen entsprechend zu behandeln und auch nicht für Börsentransaktionen zu benutzen.

HB ZÜRICH. Wenn ein Kunde eine solche Erklärung unterschreibe, könne ihm Adecco etwas mehr zu den Konfrontationen hinsichtlich der Buchführungs- und Kontrollprobleme sagen als dies im Moment öffentlich möglich sei, erklärte ein Adecco-Sprecher am Freitag zu einem Bericht des „Wall Street Journal“.

An der Börse wurde die Ankündigung positiv aufgenommen. Die Aktie stieg bis zum Mittag um 1,02 Prozent auf 54,70 sfr. Der SMI legte ein gutes halbes Prozent zu.

Analysten erklärten, ein solcher Schritt mache aus Sicht des Unternehmens Sinn und könne auch für den Aktienkurs von Nutzen sein. Wenn Adecco den Kunden etwas zu sagen habe, dann dürfte es auf jeden Fall etwas sein, was das Vertrauen der Kunden in die Firma zurückgewinnen oder stärken solle, sagte ein Analyst bei Julius Bär Brokerage. Ob ein solcher Schritt gut sei für die Kommunikationspolitik des Konzerns, sei dahingestellt.

Die Kommunikationspolitik von Adecco war zuletzt stark kritisiert worden, da der Konzern zwar Problemen in Buchführung und Kontrolle im Nordamerikageschäft einräumte, mit Verweis auf gesetzliche Restriktionen aber keine Einzelheiten nannte und damit Spekulationen Tür und Tor öffnete. Vor einer Woche berichteten Schweizer Zeitungen, der finanzielle Schaden dürfte nicht mehr als höchstens 50 Millionen sfr betragen.

Gegen Adecco laufen sechs verschiedene Verfahren. Unter anderem prüft die amerikanische Börsenaufsicht SEC den Adecco-Fall. Die Schweizer Börse SWX leitete eine Voruntersuchung wegen eines möglichen Verstosses gegen die Publikationspflicht ein. Die SWX weiss eigenen Angaben zufolge um die Informationspraxis der Adecco gegenüber ihren Grosskunden. Eine Stellungnahme dazu war von der Börse aber nicht zu erhalten.

Der Personaldienstleistungskonzern selbst erklärte, die Gespräche mit Grosskunden würden keine Vorschriften oder Gesetzte verletzten. Bei einer grossen Revisionsfirma hiess es, das von Adecco gewählte Vorgehen sei „sehr eigenartig“. Adecco erklärte weiter, das Geschäft laufe normal. Der Konzern kann aber nicht ausschliessen, dass Kunden abspringen und Wettbewerber wie Manpower , Randstad und Vedior zu Lasten von Adecco Marktanteile gewinnen.

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