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11.07.2016

20:22 Uhr

Selbstversuch als UPS-Fahrer

Als Postbote in New York

VonThomas Jahn

Normalerweise ist Thomas Jahn US-Korrespondent in New York und Washington. Einen Tag lang verdingte er sich als Fahrer für den Logistikkonzern UPS – und erfuhr, warum selbst Vorstände von dem Fahrer-Dasein schwärmen.

Der US-Korrespondent auf Tour mit Paketzusteller Esau Badillo in Newe York. Thomas Jahn

Thomas Jahn (links) als UPS-Fahrer

Der US-Korrespondent auf Tour mit Paketzusteller Esau Badillo in Newe York.

New YorkDie Laderollos von dem braunen UPS-Auslieferungswagen gehen hoch. Ein Haufen Pakete starren uns an. Groß, klein, alle möglichen Verpackungen. In Windeseile schnappt sich Esau Badillo ein Dutzend und sortiert sie nach Größe. Ganz unten der zusammenklappbare Kinderwagen Pockit – „den bestellen derzeit viele“, kommentiert Badillo –, ganz oben ein paar Briefsendungen.

Badillo ist das Hirn, ich bin der Muskel. Mangels Wissen schleppe ich. Ich fange gerade als UPS-Fahrer an und ich habe keinen blassen Schimmer, was zu tun ist. Also hole ich die Karre und stapele die Pakete auf, um sie zum nächsten Haus zu schieben.

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Für ein paar Stunden arbeite ich in einem neuen Job: Pakete in meinem Viertel im Greenwich Village in New York ausstellen. Das Experiment bringt erfrischende Einsichten: Es wird gelacht, gescherzt, geflirtet in meiner Nachbarschaft. Portiers, Postboten und Ladenbesitzer spannen ein Netzwerk, von dem ich bislang nichts wusste. Mit der braunen UPS-Uniform mit dem goldenen Logo bin ich nicht mehr der deutsche Fremde, sondern Teil der Nachbarschaft.

Ich verstehe ein wenig besser, warum UPS-Vorstände so oft von dem Beruf schwärmen. Neue Führungskräfte müssen anfangs immer eine Weile ausliefern, egal, wie hoch sie angesiedelt sind. So kam Steve Gaut 2014 aus der Autobranche zu UPS, um Pressechef zu werden. Noch gut erinnert er sich, wie ihn sein Fahrer in Washington DC schwere Kartons mit Druckerpapier schleppen ließ. „Die Erfahrung will ich nicht missen“, meint er heute trotzdem.

Selbst Vorstandschef David Abney fing ganz unten bei UPS an. An der Delta State University in Cleveland verdiente er sich als Student Geld in einer UPS-Paketstation nebenher. Gleichzeitig mit seinem Universitätsabschluss bot ihm UPS die Fahrerposition an. „Das war meine erste Beförderung“, erinnert sich der 62-Jährige. Damals lernte Abney noch die Postleitzahlen auswendig, um seine Route zu optimieren.

Die Konkurrenten der Deutschen Post

DPD

DPD Deutschland gehört zur DPD Group, nach eigenen Angaben das zweitgrößte Netzwerk von Paketdiensten in Europa. Die Zentrale des Unternehmens mit 7500 Mitarbeitern ist in Aschaffenburg (Bayern). Im März 2015 kündigte der Paketdienst an, die Deutsche Post DHL mit einer einheitlichen europäischen Marke herauszufordern. So soll das Paketnetz europaweit auf 22.000 Stationen erweitern werden.

Quelle: dpa

Pin Mail AG

Bei dem Postdienstleister mit Sitz in Berlin dominiert die Farbe Grün - statt Post-Gelb. Die Firma hat rund 1150 Mitarbeiter und beförderte 1999 in der Hauptstadt die ersten Briefsendungen.

Hermes

Der international tätige Handels- und Logistikdienstleister ist ein Tochterunternehmen der Otto Group und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland. In Europa bewegte die Hamburger Firma im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 530 Millionen Sendungen im Paket- und Logistikgeschäft. Deutschland gehört zu den Kernmärkten.

TNT

Das niederländische Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Expressdienstleistungen für Geschäftskunden. Dazu gehört die deutsche TNT Express GmbH mit Sitz in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) mit etwa 3700 Mitarbeitern. Im Jahr 2013 hatten die EU-Wettbewerbshüter eine Fusion mit dem US-Paketdienst UPS untersagt.

UPS

Der US-Paketdienstleister bezeichnet sich als der größte Express- und Paketzustelldienst weltweit mit rund 435 000 Mitarbeitern. Im April 2015 kündigte UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari in der „Wirtschaftswoche“ an, dass der Konzern eine Milliarde Euro in Europa investieren wolle - unter anderem in den Ausbau seiner Sortierzentren und in neue Paketshops.

Das sagt viel über die Unternehmenskultur von UPS. Am besten lässt sich das laut Satish Jindel von SJ Consulting im Vergleich zu Fedex herausstellen. „Bei Fedex übernachten Sie im Four Seasons, bei UPS im Hamptons Inn“, erzählt mir der Unternehmensberater und meint damit eine recht schlicht gehaltene US-Hotelkette.

Bescheiden, freundlich, bodenständig – das alles trifft auch auf meinen Kollegen Badillo zu. Geduldig erklärt er mir das DIAD oder „Delivery Information Acquisition Device“, ein mobiler Computer mit schwarz-weißen Bildschirm und einem Meer von Knöpfen.

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