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16.08.2015

10:11 Uhr

„Seltzer-Mann“ aus New York

Das US-Comeback des Sprudelwassers

Die meisten Amerikaner trinken Limonade oder stilles Wasser. Doch nun kommt Sprudelwasser wieder in Mode – auch dank Alex Gomberg, dem letzten Seltzer-Abfüller von New York.

„Es gibt nichts besseres als Seltzer.“ dpa

Alex Gomberg

„Es gibt nichts besseres als Seltzer.“

New YorkEine Glasflasche nach der anderen nimmt Alex Gomberg aus einem Kasten heraus und steckt sie in eine altertümlich wirkende Maschine. „Das Teil hier stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert“, sagt der 28-Jährige in das laute Zischen hinein. Das rotierende Metallkarussell befüllt die blauen, grünen und durchsichtigen Flaschen aus dickem Glas mit Sprudelwasser. Knapp ein Liter dreifach gefiltertes New Yorker Leitungswasser passt in jede der Siphonverschlussflaschen.

Gomberg schwitzt, in seinem kleinen Fabrikraum mitten in dem Industrieviertel Canarsie in Brooklyn ist es heiß und feucht. Er nimmt eine Flasche aus der Maschine heraus und spritzt sich eine Fontäne in den Mund. „Ah! Es gibt nichts besseres als Seltzer.“ Das ist ein Begriff für Mineralwasser im Englischen.

Eigentlich wollte Gomberg nie an dieser Abfüllanlage stehen. Der Fan des New Yorker Baseballteams Mets hatte ganz andere Pläne und machte vor zwei Jahren seinen Uni-Abschluss in Sportmanagement. Aber dann fand er auf Anhieb keinen Job in der Branche und kehrte doch in die familieneigene Sprudelwasser-Abfüllerei „Gomberg Seltzer Works“ zurück. Als sein Urgroßvater die Firma 1953 gründete, boomte das Business: Allein in New York belieferten Hunderte sogenannter Seltzer-Männer Tausende Kunden. Sprudelwasser bekamen die Menschen genauso selbstverständlich nach Hause gebracht wie Milch oder Eier.

Zu wem passt welches Mineralwasser?

Mineralstoffe

Von den 30 Medium-Wässern im Test haben nur wenige nennenswerte Mengen am Mineralstoffen wie zum Beispiel Kalzium, Magnesium oder Kalium.

Quelle: Stiftung Warentest

Für Babys

Babys haben einen hohen Flüssigkeitsumsatz, ihre tägliche Trinkmenge beträgt etwa ein Sechstel des Körpergewichts. Daher führt schon eine geringe Mineralstoffkonzentration im Wasser zur Zufuhr größerer Mineralstoffmengen. Gleichzeitig ist bei Babys die Nierenfunktion noch eingeschränkt. Die Kleinen werden also ein Zuviel an Mineralstoffen nur schwer wieder los. Daher sind ausschließlich mineralstoffarme Wässer für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet. Mineralwasser für Babynahrung muss pro Liter strikte Grenzwerte bei Keimen und anderen Stoffen einhalten. Außerdem wichtig: Kochen Sie Wasser für Babys stets ab.

Im Test: Für Babys ausgelobt und Grenzwerte eingehalten: Vilsa, Rhönsprudel, Real/Tip (Erbeskopfquelle). Nur Vilsa hat keine Verunreinigungen, schmeckt aber stark nach Kunststoff.

Für Milch-Meider

Menschen mit Laktoseintoleranz und Milchmuffel können mit einem Liter kalziumreichem Mineralwasser den täglichen Kalziumbedarf bis zur Hälfte decken. Bei Erwachsenen liegt er bei 1.000 Milligramm. Der Körper braucht Kalzium, um Knochen und Zähne zu härten.

Im Test: Reichlich Kalzium und frei von Verunreinigungen: Frische Brise, Gerolsteiner und Real/Tip aus der Tiefenfels Quelle.

Für Sportler

Wer Ausdauersport treibt oder körperlich hart arbeitet, schwitzt. Mit dem Schweiß verliert er auch Mineralstoffe. Einige Mineralwässer können sie dem Körper zurückgeben: Natrium für den Wasserhaushalt, Magnesium und Kalium für Muskeln und Nerven.

Im Test: Nur Apollinaris enthält viel von allen drei Mineralstoffen, aber auch oberirdische Verunreinigungen. Die finden sich auch im Wasser mit dem meisten Kalium, in Aldi Süd / Aqua Culinaris (Altmühltaler Quelle). Ohne Verunreinigungen und besonders magnesiumreich ist Gerolsteiner.

Für Salz-Sparer

Wer Salz sparen will, muss auf Mineralwasser nicht verzichten Es enthält zwar beide Kochsalzbestandteile, Natrium und Chlorid, doch sind die Mengen in den meisten Mineralwässern im Handel zu gering, um das Salzkonto zu belasten. Deshalb können auch Menschen mit Bluthochdruck zugreifen, denen Ärzte zu salzarmer Kost raten.

Im Test: 15 Wässer nennen sich „natriumarm“. Das stimmt auch. Doch selbst Apollinaris mit dem meisten Natrium bringt es pro Liter nur auf 0,2 Gramm Kochsalz. Die empfohlenen Tageszufuhr liegt bei maximal sechs Gramm.

Rund 60 Jahre später ist die Branche übersichtlich geworden. Vier unabhängige Abfüller gibt es Gomberg zufolge noch in den gesamten USA. In der Millionenmetropole New York ist sein kleiner Betrieb der letzte. Von den Hunderten Seltzer-Männern sind genau sechs übrig geblieben. Sie sind alle inzwischen deutlich über 60 Jahre alt, der älteste sogar schon 82. „Alternde Seltzer-Männer mit alternden Kunden“, wie Gomberg sagt. Er ist nun die Nummer sieben. „Ich bin der jüngste Seltzer-Mann der Stadt, wahrscheinlich sogar der Welt.“

Der Sprudelwasser-Verbrauch in den USA ist in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Während in Deutschland Wasser mit Kohlensäure und Schorlen gerade im Sommer völlig selbstverständlich sind und 2014 rund neun Millionen Liter reines Sprudelwasser verkauft wurden, bevorzugen US-Amerikaner meist stilles Wasser oder Limonaden aller Art. Der Getränkemarkt sei immer vielfältiger geworden und die Frauen begannen zu arbeiten und waren nicht mehr zu Hause, um die Seltzer-Lieferungen anzunehmen, erklärt Gomberg. So sei das Seltzer in New York nach und nach immer seltener geworden. In Supermärkten verschwindet das Sprudelwasser inzwischen meist fast im Überangebot anderer Getränke.

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