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23.06.2013

13:35 Uhr

„Senk ju vor träwelling“

Ende für „Bahnglisch“

Noch vor Jahren hatte die Deutsche Bahn vor allem ein Image als „Sprachpanscher“. Nun verstärkt der Konzern seine Bemühungen um die Sprache. Mitarbeiter erhalten ein Glossar mit deutschen Wörtern.

Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache besser pflegen und Anglizismen im Konzernalltag künftig noch stärker vermeiden. dpa

Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache besser pflegen und Anglizismen im Konzernalltag künftig noch stärker vermeiden.

BerlinHandzettel statt Flyer und Service-Nummern statt Hotlines: Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache besser pflegen und Anglizismen im Konzernalltag künftig noch stärker vermeiden. In Leitlinien für die Mitarbeiter legt das staatliche Unternehmen dazu fest, dass möglichst durchgängig die deutsche Sprache verwendet werden solle. Ein Bahnsprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Welt am Sonntag“. Zudem wurde ein Glossar mit 2200 verbreiteten Begriffen und ihren jeweiligen deutschen Entsprechungen erstellt. Die Regeln gelten sowohl für die Kommunikation nach außen als auch intern.

Bei bekannten Marken wie „Call-a-Bike“ soll künftig eine deutsche Erläuterung wie „Das Mietrad-Angebot“ hinzugefügt werden. Auch mit der Rechtschreibung will die Bahn es genauer nehmen: Aus dem „ReiseZentrum“ wird das „Reisezentrum“ mit kleinem „z“. Zuvor waren bei der Bahn Service Points bereits zu DB Informationen und Counter wieder zu Schaltern geworden.

2007 war der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn noch vom Verein Deutsche Sprache zum „Sprachpanscher“ des Jahres gekürt worden. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hatte der Konzern viele Ansagen in Zügen auch auf Englisch formuliert. Vor allem die Abschiedsfloskel „Thank you for travelling with Deutsche Bahn!“ wurde zu einem Klassiker - in leicht spöttischer Form sogar als Buchtitel „Senk ju vor träwelling“.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte dem Blatt, man müsse bei den Anstrengungen mit Augenmaß vorgehen. Den ICE (Intercity-Express) wolle er nicht umtaufen. „Hier lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen.“ Überhaupt habe man nichts gegen englisch klingende Markennamen wie „BahnCard“. „Das ist aus unserer Sicht in Ordnung“, hieß es im Ministerium. Auch englische Durchsagen solle es weiter geben. Ein unverständlicher Mix aus Deutsch und Englisch werde aber abgelehnt. Ramsauer setzt sich seit Jahren auch in seinem Haus für die Pflege der Sprache ein.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Leo

23.06.2013, 14:28 Uhr

Find ich gut! Hoffentlich wird es von der Bahn auch konsequent umgesetzt. Und zwar so, dass es nicht wieder in die paragrafenlastige Behördensprache abgleitet.
Sehr schön ist für englischsprachige Bekannte übrigens der Begriff rail@fly. Sie wollen sich immer kaputtlachen, wenn dieses Konglomerat bei einem Onlinereisebüro auftaucht. Es ließe sich nämlich mit "fluchen@fliegen" übersetzen.

Mobius

23.06.2013, 15:42 Uhr

Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn in einem - laut Selbstdarstellung - globalen und über 70% der Welt tätigen Unternehmen Anglizismen in der Kommunikation benutzt werden würde. Oder wenn es in dem Logistik- und Transitland Deutschland den ausländischen Durchreisenden und Touristen eine einfache Orientierung in den Bahnhöfen ermöglicht werden würde.

Ich glaube bei der Bahn gibt es mehr als genug Baustellen. Schade, dass man Ressourcen in so eine Scheiße investiert, nur um rückwärtsgewandten Deutschtümlern entgegen zu kommen.

Germanismen

23.06.2013, 15:48 Uhr

Sollte nicht nur die Bahn tun, weil wenn man Deutsche zB. das Wort "Handy" verwenden hört, dann findet man dies doch etwas befremdlich.
Irgendwie verbindet sich damit die Assoziation mit Kindern, die so tun, als ob sie eine Sprache könnten, aber eigentlich nur den Klang nachahmen.

Fragen Sie mal einen Englischsprechenden, was das ist, ein Handy!
BahnCard=> noch nie was von dem Wort "ticket" gehört. Solche Germanismen sind doch einfach nur zu peinlich. Auch wenn der Ramsauer sie gut findet.

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