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10.12.2013

06:32 Uhr

Shopping in der Abflughalle

Flughäfen lieben das Geschäft am Boden

VonLukas Bay

Große deutsche Airports verdienen nur die Hälfte ihres Geldes mit der Luftfahrt. Am Boden entstehen moderne Einkaufspassagen mit Boutiquen, Wellnesscentern und Edelrestaurants. Nur Regionalflughäfen schauen in die Röhre.

Weihnachtsdekoration am Flughafen Düsseldorf. PR

Weihnachtsdekoration am Flughafen Düsseldorf.

DüsseldorfEin acht Meter hoher Weihnachtsbaum, goldene Lichterketten, Gotthilf Fischer singt „Stille Nacht“ mit einem Kinderchor. An diesem Sonntag im Dezember, an dem die Geschäfte in der Düsseldorfer Innenstadt geschlossen sind, ist das Weihnachtsgeschäft am Flughafen in vollem Gange. Denn an Deutschlands Flughäfen gelten weniger strenge Ladenöffnungszeiten. Die meisten Geschäfte sind jeden Tag geöffnet, auch an den Weihnachtsfeiertagen. Von einem Einkaufszentrum sind die Abfertigungshallen kaum mehr zu unterscheiden.

Abseits der Startbahn verdienen die Flughäfen mittlerweile fast genauso viel Geld wie mit dem Fluggeschäft. Zum sogenannten „Non-Aviation-Business“ zählen neben  Boutiquen, auch Gastronomie, Mieteinnahmen, Parkplätze und Werbung. Während der Preiskampf unter den Airlines die Marge der Flughäfen drückt, macht das Geschäft am Boden sinkende Startgebühren wieder wett. Innerhalb von zehn Jahren hat sich Anteil des Bodengeschäfts am Gesamtumsatz auf 40 Prozent verdoppelt. Mittelfristig soll der Anteil auf 50 Prozent ausgebaut werden. Pro Passagier verdient der Flughafen Düsseldorf schon heute rund 7,42 Euro.

Allein am Flughafen Düsseldorf gibt es über 60 Geschäfte, vom Rewe-Supermarkt über H&M bis zur Boutique von Boss. Es gibt eine eigene Kundenkarte, günstige Parkplatzangebote zum Weihnachtsgeschäft und einen Adventskalender mit täglich neuen Rabatten. „Wir sprechen bewusst Menschen an, die von unseren Öffnungszeiten profitieren wollen“, sagt Flughafensprecherin Verena Wefers. Selbst an Heiligabend haben die Airport Arkaden bis 17 Uhr geöffnet.

Die größten Flughäfen der Welt

Platz 10

Dubai

Dubai International fertigte 2012 57,7 Millionen Passagiere ab, ein Plus von 13,2 Prozent. Die Staatsfluglinie Emirates will Dubai zum Weltdrehkreuz machen – und wirbt überall auf der Welt Passagiere von der Konkurrenz ab. Derzeit noch im Bau befindet sich der neue Flughafen Dubai. Der Dubai Al Maktoum International Airport soll der größte der Welt werden und wird bereits von Frachtflugmaschinen angeflogen.

Platz 9

Jakarta

Die indonesische Hauptstadt schafft ebenfalls den Sprung in die Top Ten. Der Flughafen Jakarta rückt in der aktuellen Rangliste um drei Plätze vor. Im Jahr 2012 verzeichnete Jakarta (CGK) einen Zuwachs an Passagieren von 12,1 Prozent. Insgesamt starteten und landeten 57,8 Millionen Fluggäste auf dem Flughafen der Millionenstadt.

Platz 8

Dallas/Fort Worth

Mit 58,6 Millionen Passagieren (plus 1,4 Prozent) noch größer ist wiederum ein US-Flughafen: Rang acht nimmt Dallas/Fort Worth ein, der internationale Flughafen zwischen den beiden texanischen Großstädten. DFW, der mit knapp 7.300 Hektar flächenmäßig zweitgrößte US-Airport nach Denver, ist mit seinen sieben Start- und Landebahnen das Hauptdrehkreuz der US-Fluglinie American Airlines.

Platz 7

Paris

Zurück nach Europa: Rang zwei auf dem Kontinent und Rang sieben weltweit nimmt Paris-Charles-de-Gaulle ein. Der nahe der Ortschaft Roissy-en-France gelegene Airport beförderte im Jahr 2012 61,6 Millionen Passagiere (plus 1,1 Prozent). Der Flughafen CDG ging erst 1974 in Betrieb, nachdem der andere Pariser Flughafen Orly zu klein geworden war.

Platz 6

Los Angeles

Die zweitgrößte Metropole der USA braucht auch einen angemessen großen Flughafen: Der Los Angeles International Airport (LAX) ist mit 63,7 Millionen Passagieren (plus 3,0 Prozent) der sechstgrößte Flughafen der Welt. Der Flughafen hat es sogar in die Pop-Welt geschafft: Der Song „L.A. International Airport“ machte die Countrysängerin Susan Raye in den 70er Jahren bekannt. Das Bild zeigt den neuen Tom Bradley International Terminal, der für 1,6 Milliarden Dollar gebaut wird.

Platz 5

Chicago

Hier steigt auch US-Präsident Barack Obama gerne mal ins Flugzeug. Chicago O'Hare (ORD) belegt in der Rangliste Rang fünf. Der Airport westlich der Metropole am Lake Michigan, wichtigster Hub für United und zweitwichtigster für American Airlines, fertigte im Jahr 2012 66,6 Millionen Passagiere ab (minus 0,1 Prozent). Benannt ist ORD nach dem Weltkrieg-II-Piloten Edward O'Hare.

Platz 4

Tokio

Blick aus dem Fenster im Anflug auf Tokio-Haneda (HND): Der Airport in Japans Hauptstadt wickelt eigentlich hauptsächlich Inlands- und Asienflüge ab, der interkontinentale Verkehr läuft über den Nachbarflughafen Narita. Dennoch bringt es Haneda mit 66,8 Millionen Passagieren auf den vierten Platz im internationalen Ranking. Das waren beachtliche 6,7 Prozent mehr als 2011. Im Vorjahr waren die Passagierzahlen durch das Reaktorunglück von Fukushima allerdings auch merklich zurückgegangen.

Platz 3

London

London kann seinen Treppchenplatz verteidigen: Mit 70 Millionen Passagieren (plus 0,9 Prozent) ist London-Heathrow (LHR) der größte Flughafen Europas. Der Airport im Westen Londons ist nur einer von mehreren in der Metropole: Weitere Passagiere verteilen sich auf Gatwick, Stansted, Luton und den City Airport. Für Aufsehen sorgte Heathrow im März 2008, als die ganze Welt über das Gepäck-Chaos im neuen Prestige-Terminal 5 lachte.

Platz 2

Peking

Der weltweit zweitgrößte Flughafen 2012 und angesichts der Wachstumsraten auf dem Weg zur Nummer eins ist Beijing Capital International Airport (PEK) in Chinas Hauptstadt: 81,9 Millionen Passagiere schleuste PEK durch - ein Plus von 4,1 Prozent. Dennoch hat der Airport noch einen großen Rückstand auf Rang eins.

Platz 1

Atlanta

Der Flughafen Hartsfield-Jackson Atlanta International (ATL) stellt größenmäßig alle anderen in den Schatten: 95,5 Millionen Passagiere stiegen im Jahr 2012 hier ein und aus (plus 3,3 Prozent). Die Größe erklärt sich vor allem dadurch, dass Atlanta als Hauptdrehkreuz einen klassischen Zwischenstopp für Inlandsflüge darstellt. Daneben bietet Atlanta aber auch die meisten Nonstop-Flüge weltweit an. Benannt wurde der Flughafen nach dem ehemaligen Bürgermeister William B. Hartsfield.

Und auch über das Einkaufen hinaus wollen die Flughäfen ihr Angebot deutlich erweitert. Von der Austern- und Champagnerbar wie in Amsterdam über Wellness-Angebote wie an asiatischen Airports bis zum Frisör kann sich Unternehmensberater Stefan Höffinger viele zusätzliche Services an deutschen Flughäfen vorstellen. Mit seiner Firma Höffinger Consulting berät der Wiener viele große Flughäfen. Auch wenn der Flugbetrieb das Kerngeschäft der europäischen Airports bleibe, komme das Wachstum aus anderen Bereichen. Darum müsse man heute einen „multidimensionalen Erlebnisraum“ schaffen. Um die Flughäfen herum entstehen so ganze Airport-Cities, die neues Publikum anlocken.

Im Geschäft abseits des Flugverkehr komme es auch darauf an, ob die Flughäfen das Shopping-Geschäft selbst betreiben oder nur Miete und Pacht kassieren, meint Unternehmensberater Höffinger. Der Flughafen München gehe dabei schon sehr weit und braue mit Airbräu sogar ein eigenes Bier. Bei anderen Flughäfen sei der Wertschöpfungsanteil deutlich geringer.

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