Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2013

16:45 Uhr

Sicherheitsbedenken

Ägypten spaltet die Reisebranche

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen, doch die Stimmung der Branche ist durchwachsen. Denn die Sicherheit im Reiseland Ägypten wird von den Veranstaltern sehr unterschiedlich eingeschätzt.

Nicht an allen Urlaubsgebieten in Ägypten geht die politische Unsicherheit spurlos vorbei. dpa

Nicht an allen Urlaubsgebieten in Ägypten geht die politische Unsicherheit spurlos vorbei.

SalzburgDie Reiselaune der Deutschen bleibt ungetrübt. Die Reiseveranstalter haben nach ersten Berechnungen im zurückliegenden Geschäftsjahr (Stichtag: 31. Oktober) zwischen 3 und 3,5 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr erzielt. Das teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) am Donnerstag auf seiner Jahrestagung in Salzburg mit. Auch für das kommenden Jahr sind die Touristiker optimistisch, sie erwarten ein weiteres Wachstum. Lediglich zwei Dinge trüben die gute Laune: die Uneinigkeit der Branche in Sachen Ägypten und mögliche Gewerbesteuernachzahlungen in Milliardenhöhe.

Verbandspräsident Jürgen Büchy übte scharfe Kritik am unterschiedlichen Vorgehen der Branche bei Ägypten. „Wir tun uns keinen Gefallen, wenn jeder Einzelne die Hinweise des Auswärtigen Amtes durch seine eigene Einschätzung ersetzt“, sagte Büchy. Von Mitte August bis Ende September hatte das Auswärtige Amt von Ägyten-Reisen dringend abgeraten. Die meisten Veranstalter sagten daraufhin alle Reisen ab, einige - darunter FTI und Schauinsland - boten weiter Reisen an. „Wir brauchen diese externe Instanz, die eine unabhängige Einschätzung der Sicherheitslage abgibt und an deren Vorgaben sich alle halten“, so Büchy weiter. „Wenn wir hierbei keinen Konsens finden, verunsichern wir unsere Kunden.“

Sorgen bereiten dem DRV auch mögliche Gewerbesteuernachzahlungen für deutsche Veranstalter. Die Finanzverwaltung plant, den Einkauf von Hotelübernachtungen deutscher Veranstalter mit Gewerbesteuer zu belasten, rückwirkend ab 2008. „Die Existenz gerade von mittelständischen Reiseveranstaltern und damit Zehntausender Arbeitsplätze steht auf dem Spiel“, warnte Büchy in Salzburg. Käme die Regelung zur Anwendung, drohen der Branche laut DRV Nachzahlungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Vor kurzem hatte bereits Tui-Deutschland-Chef Christian Clemens mit der Verlagerung in Ausland gedroht. „Wenn so eine Steuer kommt, müssen wir überlegen, ob wir den Hoteleinkauf ins Ausland verlegen“, sagte er bei der Vorstellung der Sommerkataloge des Veranstalters.

Welche Nation ist Reiseweltmeister?

Platz 10

Italien: Die Italiener, selbst mit einem wunderschönen Land gesegnet, gaben im Jahr 2012 über 20 Milliarden US-Dollar für Reisen ins Ausland aus.

(Quelle: UNWTO, Commerzbank Research)

Platz 9

Australien: Die Australier sind reisesüchtig. Man trifft sie an allen touristischen Hotspots der Welt. Entsprechend hoch sind ihre Ausgaben für Reisen ins Ausland - 2012 betrugen diese über 25 Milliarden US-Dollar.

Platz 8

Japan: Die Bewohner des Inselstaates gaben im vergangenen Jahr knapp unter 30 Milliarden US-Dollar bei Auslandsreisen aus. Sie bevorzugen Ziele in China, Südkorea oder den USA.

Platz 7

Kanada: Auch die Kanadier sind reisefreudig. Sie gaben im Jahr 2012 geschätzte 33 Milliarden US-Dollar dafür aus. Sie mögen besonders gerne europäische Städte: Paris und London zum Beispiel.

Platz 6

Russland: Die Russen gaben im vergangenen Jahr knapp 40 Milliarden US-Dollar bei ihren Reisen ins Ausland aus. Ein besonders beliebtes Reiseziel für betuchte Gäste aus Sankt Petersburg und Moskau: Die Mittelmeerinsel Zypern.

Platz 5

Die Franzosen gaben im Jahr 2012 knapp 40 Milliarden US-Dollar für Reisen aus.

Platz 4

England: Die Touristen aus den britischen Inseln reisen gerne nach Südeuropa - dahin, wo die Sonne den ganzen Tag scheint und das Essen schmeckt. Für ihre Reiseaufenthalte gaben die Briten im Jahr 2012 über 50 Milliarden US-Dollar aus.

Platz 3

BRD: Deutschland, lange Jahre der Reiseweltmeister, rutscht vom Thron auf Platz drei ab. Die Ausgaben betrugen das Jahr 2012 geschätzt 82 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Amerika: Die US-Amerikaner bleiben freudige Fernreisende. Egal, ob in der Welt oder im eigenen Land, wo sie auf faszinierende Ziele wie den Grand Canyon treffen. Ihre Ausgaben für Tourismus & Co lagen im Jahr 2012 bei über 85 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

China: Die Touristen aus dem Reich der Mitte haben nicht nur die Deutschen vom Thron der Vielreisenden geschubst, sondern sie geben auch das meiste Geld bei ihren Reisen aus. Schätzungen zufolge betrugen die Urlaubsausgaben der Chinesen im Jahr 2012 über 90 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zu. Die Chinesen sind damit Reiseweltmeister.

Die Unternehmen, die unmittelbar mit chinesischen Touristen zu tun haben, stellen sich auf den Ansturm aus Asien ein. Zum Beispiel am Frankfurter Flughafen: Dort sprechen einzelne Mitarbeiter in Duty-Free-Shops mittlerweile Mandarin.

„Wir glauben nicht, dass die Gewerbesteuernachzahlungen juristisch Bestand haben werden“, so Büchy. Das werde einige, vor allem kleinere Veranstalter aber nicht vor der Pleite bewahren, da sich die Rechtsstreitigkeiten mehrere Jahre hinziehen könnten und die Unternehmen keine Rückstellungen gebildet hätten.

Stabil blieb im zurückliegenden Geschäftsjahr die Zahl der Urlauber. 40 Millionen professionell organisierte Reisen zählten die Veranstalter. Besonders gefragt waren dabei hochwertige Angebote. „Der Kunde hat ein hohes Qualitätsbewusstsein entwickelt“, sagte Verbandspräsident Jürgen Büchy. Der Preis allein sei nicht mehr das entscheidende Kaufkriterium. Immer mehr Kunden erwarteten Qualität zu einem angemessenen Preis.

Hintergrund für den Optimismus für die kommenden Monate sind unter anderem die Umsätze für den bevorstehenden Winter. Diese lägen bereits jetzt um fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. Daneben gebe es anhaltend gute Konjunkturdaten und eine positive Konsumstimmung.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×