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11.03.2013

06:56 Uhr

Sicherheitspersonal

Streik am Flughafen Düsseldorf ist gestartet

Reisende müssen heute mit Behinderungen und Flugausfällen rechnen: Am Flughafen Düsseldorf hat ein ganztägiger Streik des Sicherheitspersonals begonnen - bereits zum vierten Mal am drittgrößten deutschen Airport.

Streik am Flughafen Düsseldorf

Video: Streik am Flughafen Düsseldorf

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DüsseldorfAm Flughafen Düsseldorf müssen sich die Passagiere heute (Montag) wieder auf lange Wartezeiten und Flugausfälle einstellen. Das Sicherheitspersonal am drittgrößten deutschen Airport will erneut streiken.

Die Gewerkschaft Verdi hat die Fluggastkontrolleure aufgerufen, von 4.00 bis 24.00 Uhr die Arbeit niederzulegen. Spürbar wird der Streik ab 6.00 Uhr, dann endet das Nachtflugverbot.

In Düsseldorf sind heute 593 Starts und Landungen geplant. Der Flughafen rechnet mit mehr als 53.000 Passagieren. An den Terminals bildeten sich lange Schlangen. „Die Lage ist aber sehr entspannt. Die Passagiere reagieren mit viel Verständnis“, sagte ein Verdi-Sprecher am Montagmorgen.

„Solange kein neues Angebot auf dem Tisch liegt haben wir nur die Wahl, maximalen Druck zu erzeugen“, erklärte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker am Sonntag laut Mitteilung mit Blick auf den Ausstand in NRW.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Der Flughaften stellt eine Liste aller vor Ort vertretenen Fluggesellschaften im Internet bereit (zur Liste) und bittet die Passagiere, sich vor ihrer Anreise zum Airport unbedingt bei den Airlines und Reiseveranstaltern über ihren Flugstatus zu informieren. Darüber hinaus sollten Reisende, so heißt es auf der Homepage, weitestgehend auf Handgepäck verzichten, um die Sicherheitskontrollen zu beschleunigen.

Der Tarifkonflikt ist in Nordrhein-Westfalen seit langem festgefahren. Verdi macht den Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) dafür verantwortlich. Einzelne Arbeitgeber zahlten bereits den von der Gewerkschaft für das Sicherheitspersonal an Flughäfen geforderten Stundenlohn 16 Euro. Die Gewerkschaft will noch vor Ostern einen Tarifabschluss erreichen. Zuletzt hatten Arbeitgeber und Verdi am 1. März ergebnislos miteinander gesprochen.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Mit Potenzial zur Blockade

Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Die Arbeitgeber hatten am Freitag die Einschaltung eines Landesschlichters gefordert. Er habe starke Zweifel, ob man mit Verdi noch vernünftig verhandeln könne, erklärte der Verhandlungsführer der Landesgruppe NRW im BDSW, Gunnar Vielhaack. Die NRW-Landesregierung müsse sich in den Konflikt einschalten.

Verdi fordert für die 34.000 Beschäftigten der Branche in NRW Lohnerhöhungen zwischen 2,50 und 3,64 Euro. Für die Beschäftigten der untersten Lohngruppe hätten die Arbeitgeber bisher lediglich 40 Cent mehr angeboten. Die Arbeitgeber werfen Verdi vor, in den jüngsten Verhandlungen Forderungen von bis zu 43 Prozent aufgestellt zu haben. Der BDSW habe für die Fluggastkontrolleure für die Jahre 2013 und 2014 insgesamt 13,7 Prozent mehr Lohn geboten und für die untere Lohngruppe insgesamt 9,2 Prozent.
Seit Januar wurden der Düsseldorfer Flughafen dreimal und der Flughafen Köln/Bonn insgesamt viermal bestreikt. Zuletzt hatte das Sicherheitspersonal in Köln/Bonn am Freitag die Arbeit niedergelegt. Als Konsequenz wurden Dutzende Flüge gestrichen.

Dagegen sollen in Hamburg die Verhandlungen für die 600 Sicherheitskräfte am dortigen Flughafen an diesem Montag in eine neue Runde gehen. Nach vier Streiktagen und einem Spitzengespräch haben die Arbeitgeber ein neues Angebot angekündigt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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thomas

11.03.2013, 10:55 Uhr

Gemäss Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) ist der Flughafen Berlin Willi Brandt vom Streik nicht betroffen.

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