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13.01.2010

13:52 Uhr

Sicherheitstechnik

„Nacktscanner“ für Luftfracht treiben die Kosten

VonJens Koenen

Stichproben reichen zukünftig nicht mehr, ab Sommer muss die gesamte Luftfracht gescannt werden. Da dies für Airlines und Dienstleister teuer wird, sollen die Kosten an die Kunden weitergegeben werden.

Die Lufthansa-Tochter hat teilweise schon neue Röntgenanlagen angeschafft Quelle: ap

Die Lufthansa-Tochter hat teilweise schon neue Röntgenanlagen angeschafft

FRANKFURT. Mitten in der schwersten Branchenkrise kommen auf die Luftfrachtunternehmen zusätzliche Belastungen zu. Sicherheitsauflagen der USA werden das Frachtgeschäft ab Sommer deutlich verteuern. „Wir sprechen hier von hohen zweistelligen Millionenbeträgen pro Jahr“, sagte Harald Zielinski, Sicherheitschef von Lufthansa Cargo, dem Handelsblatt. Die Lufthansa-Tochter ist mit einem jährlichen Frachtaufkommen von 1,7 Mio. Tonnen sowie einem Umsatz von 2,9 Mrd. Euro eines der größten Luftfrachtunternehmen der Welt.

Hintergrund sind verschärfte Auflagen sowohl in den USA als auch in Europa. So schreiben die amerikanischen Aufsichtsbehörden vor, dass ab August die komplette Fracht, die in die Bäuche von Passagiermaschinen von und nach Amerika geladen wird, gescannt werden muss. Erst im Februar vergangenen Jahres gab es eine Verschärfung. Waren bis dato Stichproben bei der Suche nach Sprengstoffen und Ähnlichem vorgeschrieben, wurde die Scanquote in einem ersten Schritt auf 50 Prozent hochgesetzt.

Die Umsetzung allein dieser Auflage ist hochkomplex. So ist die Frage, wer den Scan übernimmt, offen. Teilweise wird dies wohl von den Verladern, Versendern oder Bodendienstleistern selbst übernommen. Falls nicht, werden Frachtunternehmen wie Lufthansa Cargo die Kosten wohl tragen müssen, dabei aber versuchen, sich den Mehraufwand bei den vorgeschalteten Dienstleistern wieder zurückzuholen.

Ob das gelingen wird, ist allerdings offen. Auch die Verlader oder Versender müssten aus Kostengründen die Kosten an ihre Kunden weitergeben. Die aber haben derzeit die besseren Argumente. Wegen der Wirtschaftskrise stehen die Frachtraten seit Monaten unter Druck. Bis zur Jahresmitte waren sie um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Seitdem hat sich die Lage etwas stabilisiert. Nach Angaben der Weltluftfahrtorganisation IATA ist das Frachtvolumen im November sogar wieder um 9,5 Prozent angestiegen, nach zuvor zweistelligen Minusraten über mehrere Monate. Dennoch fliegen die Frachter immer noch mit einer aus wirtschaftlicher Sicht unbefriedigenden Auslastung.

Lufthansa Cargo erhebt bereits heute eine Extragebühr für Sicherheitsmaßnahmen, die sich auf 17 Cent je Kilogramm Fracht beläuft. „Wir werden unsere Kosten über die Security Surcharge abdecken. Ob diese Gebühr mittelfristig ausreicht, vermag ich aber nicht zu sagen“, sagte Zielinski.

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