Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2011

06:52 Uhr

Signa legt Finanzkonzept vor

Schicksalstag für Metro und Kaufhof

VonKirsten Ludowig

ExklusivDie heutige Aufsichtsratssitzung der Metro wird spannend. Nicht nur, dass es am Abend einen neuen Chef für den Handelskonzern geben könnte. Auch die Angebote für die Warenhaustochter Kaufhof stehen zur Diskussion.

Wer wird Nachfolger von Metro-Chef Eckhard Cordes? dapd

Wer wird Nachfolger von Metro-Chef Eckhard Cordes?

DüsseldorfRené Benko wirkte entspannt. Mit einem Glas Wein in der Hand stand er am Mittwochabend inmitten Hunderter Gäste, die zur Neueröffnung des - wie die Einladung prophezeite - "Shopping-Highlight" Sevens an der Düsseldorfer Kö gekommen waren: Er plauderte, bestaunte die extravagante Bühnenshow - und ging um Viertel nach neun, schließlich war er nicht zum Vergnügen in Düsseldorf.

Benko, 34, ist Gründer und Geschäftsführer der österreichischen Immobilienfirma Signa. Und als solcher ist er nicht nur einer der Eigentümer der Einkaufspassage Sevens, sondern auch einer der Bieter für die zum Verkauf stehende Metro-Tochter Kaufhof. Sein Interesse gilt dem Gesamtpaket aus Immobilien und operativem Warenhausgeschäft, dessen Wert Branchenexperten auf mehr als zwei Milliarden Euro schätzen. "Wir haben in den letzten Tagen mit Metro-Chef Eckhard Cordes und Finanzvorstand Olaf Koch Gespräche geführt", sagte Benko dem Handelsblatt.

"Wir haben die Bestätigungen mehrerer europäischer Banken vorgelegt und bewiesen, dass wir in der Lage sind, die Investition mit viel Eigenkapital zu stemmen." In Kreisen der Metro wurden die Gespräche bestätigt. Zur Überprüfung des Finanzkonzepts seien mehrere Banken kontaktiert worden, hieß es gestern.

Hinter der Signa-Gruppe steht der griechische Reeder und Milliardär George Economou, der im Jahr 2009 knapp die Hälfte an Signa erworben hat. Investiert sind auch Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sowie Martin und Christoph Schoeller, Geschäftsführer der auf Industriebeteiligungen spezialisierten Schoeller Industries. Bisher war nur von einer Münchener Unternehmerfamilie die Rede. Eine Anfrage bei Schoeller blieb unbeantwortet.

Kaufhof – ein Warenhaus mit Tradition

Kaufhofs Geschichte

Die Galeria Kaufhof GmbH ist neben Karstadt das älteste und traditionsreichste Warenhaus in Deutschland. 1996 fusionierte das Unternehmen mit dem Handelsriesen Metro.

Ursprung

Den Grundstein des Unternehmens legte der Textilhändler Leonhard Tietz, der 1879 ein Geschäft in Stralsund für Knöpfe, Garne, Stoffe und Wollwaren gegründet hatte.

Aktiengesellschaft

Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Zukäufe

Der letzte große Zukauf datiert aus dem Jahr 1994, als Kaufhof den Konkurrenten Horten schluckte. Im Frühjahr 2008 setzte der damalige Vorstandschef Eckhard Cordes die Tochterfirma auf die Verkaufsliste.

Verkaufsgespräche waren eingestellt

Im Januar 2012 stoppte die Metro-Gruppe die Verkaufsgespräche für die Warenhauskette Kaufhof. Die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme würden bis auf Weiteres eingestellt. Als Grund gab das Unternehmen die „nicht optimale Situation an den Finanzmärkten“ an. Trotzdem wollte Metro den Konzern gerne loswerden – und sah jetzt dazu die Chance.

Aktuelle Zahlen

Mit gut 3,1 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14 ist Galeria Kaufhof die kleinste von vier Metro-Vertriebslinien. Vor Steuern und Zinsen machte Kaufhof im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ein Plus von 115 Millionen Euro. Vertreten ist das Warenhaus an 119 Standorten in Deutschland und 16 in Belgien.

In der Branche wird zudem spekuliert, Signa habe Beziehungen zu Kasachstan. In der Tat teilte Alfred Gusenbauer, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler und Vorsitzender des Signa-Beirats, Anfang 2011 mit, er berate die kasachische Regierung. Benko sagte jedoch: "Zwischen Signa und Kasachstan gibt es keine Verbindung." Es sei eine "rein österreichisch-deutsche Gruppe, mit Ausnahme des internationalen Investors Economou", die für Kaufhof biete.

Gegenwind bekommt Benko auch von dem zweiten Kaufhof-Interessenten, Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen. In einem "FAZ"-Interview stellte er infrage, dass Signa als Immobilieninvestor ein Interesse am operativen Warenhausgeschäft habe. Zudem kritisierte er, die Metro bevorzuge Signa im Verkaufsprozess. Neben Benko und Berggruen hat auch ein Konsortium um Ex-Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban für Kaufhof geboten.
Gerangel um Führungsspitze.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×